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Aktion Elektronik hilft Modularer Elektro-Geländewagen für das ländliche Afrika

| Autor: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Mit dem Projekt „aCar“ der Technischen Universität München (TUM) soll Elektromobilität auch für die ländliche Bevölkerung in armen Regionen mit schlechter Infrastruktur nutzbar werden.

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Mit dem Projekt „aCar“ der Technischen Universität München (TUM) soll Elektromobilität auch für die ländliche Bevölkerung in armen Regionen mit schlechter Infrastruktur nutzbar werden.
Mit dem Projekt „aCar“ der Technischen Universität München (TUM) soll Elektromobilität auch für die ländliche Bevölkerung in armen Regionen mit schlechter Infrastruktur nutzbar werden.
(Bild: TUM - Lehrstuhl fuer Industrial Design)

Das „aCar“ wurde von vier TUM-Lehrstühlen in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus Deutschland und mehreren afrikanischen Ländern entwickelt. Der Freistaat Bayern hat das Konzept jetzt mit dem Bayerischen Staatspreis für Elektromobilität ausgezeichnet.

Beim Stichwort „Elektrofahrzeug“ denken viele an teure E-Autos, die in Industrieländern über gut ausgebaute Straßen großer Städte rollen. An der TUM beschäftigen sich Wissenschaftler jedoch mit Elektroautos, die in ganz anderen Regionen fahren sollen. Das „aCar“ wurde in Hinblick auf die Mobilitätsprobleme der ländlichen Bevölkerung in abgelegenen Gegenden mit schlechter Infrastruktur, insbesondere in afrikanischen Ländern südlich der Sahara entwickelt. Erklärtes Ziel des interdisziplinären Forschungsteams ist es, ein Mobilitätskonzept anzubieten, das dazu beiträgt, die Landflucht in die Stadt zu vermeiden und ländliche Regionen selbstbestimmt zu stärken.

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Kern des Konzeptes ist es, vielfältige Nutzungen zu ermöglichen. Das „aCar“ ist geländegängig, kann mit Solarstrom geladen werden und ist vor allem modular aufgebaut. Mit unterschiedlichen Aufbauten kann es sowohl Personen als auch Lasten transportieren. Durch zusätzliche Module kann das Auto darüber hinaus unter anderem als Werkzeug für den Ackerbau und als Energiequelle für andere Geräte dienen. Aufgrund des modularen Aufbaus kann das Basis-Fahrzeug zu vergleichsweise niedrigen Preisen angeboten werden: Je nach gewünschtem Einsatzgebiet können die benötigten zusätzlichen Funktionsmodule erworben oder gemietet werden.

Den Forschern war es wichtig, nicht nur die Nutzungsmöglichkeiten, sondern auch die Produktion des Fahrzeuges an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Das „aCar“ soll vor Ort gefertigt werden und so lokale und eigenständige Wertschöpfungsprozesse ermöglichen. Um den unterschiedlichen Herausforderungen des Projekts zu begegnen, arbeiten an der TUM die Lehrstühle für Fahrzeugtechnik, Umformtechnik und Gießereiwesen, Industrial Design und Strategie und Organisation eng zusammen.

Das Konzept des Fahrzeuges wurde gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern in Nigeria, Ghana, Kenia und Tansania entwickelt. Ein erster Prototyp des Fahrzeuges wurde im Frühjahr vorgestellt, derzeit werden die verschiedenen Komponenten erprobt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse will das interdisziplinäre Team im Frühjahr 2017 einen zweiten Prototyp bauen. Das Projekt wird im September 2017 auf der IAA in Frankfurt am Main öffentlich vorgestellt.

Ergänzendes zum Thema
Forschungsvorhaben aCar mobility

aCar mobility ist ein Forschungsprojekt der TU München in Kooperation mit zwei wissenschaftlichen Partnerinstituten sowie sechs Industriepartnern und wird von der Bayerischen Forschungsstiftung gefördert. Das Projekt beschäftigt sich mit den Mobilitätsbedürfnissen in ländlichen Gebieten von Sub-Sahara-Afrika in den Jahren 2020 bis 2030. Das übergeordnete Ziel ist es, ein schlüssiges Fahrzeugkonzept zu entwickeln und damit auf die Probleme der ländlichen Bevölkerung hinsichtlich der Mobilität von Personen und Waren einzugehen. Das Fahrzeug wird mit modular integrierbarer, digitaler Technik einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Bildung und Informationen in den abgelegenen Gebieten ermöglichen.

Das neuartige Konzept wurde jetzt mit dem Bayerischen Staatspreis für Elektromobilität in der Kategorie Sustainable Product & Mobility Concepts ausgezeichnet. Staatsministerin Ilse Aigner überreichte den Preis, der jedes Jahr an Unternehmen und Organisationen vergeben wird, die Pionierarbeit im Bereich der Elektromobilität leisten. Rund 70 Bewerber aus ganz Deutschland und anderen Staaten hatten sich dieses Jahr beworben.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.