Zukunftsstudie Mobilität 2040: Die Politik ist gefordert

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Politik und Wirtschaft müssen Mobilität künftig entlang von Mobilitätsketten denken, um integrierte Mobilitätskonzepte zu schaffen. Das zeigt die am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie „Die Evolution der Mobilität", die das Zukunftsinstitut für den ADAC mit einem zeitlichen Horizont bis 2040 entwickelt hat. Die Einzelheiten lesen Sie hier.

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Bei steigendem Mobilitätsbedarf rechnen die Zukunftsforscher bis zum Jahr 2040 auch mit Veränderungen bei der bisherigen Autonutzung. Erwartet wird eine viel stärkere Vernetzung verschiedener Verkehrsträger bei der individuellen Fortbewegung.
Bei steigendem Mobilitätsbedarf rechnen die Zukunftsforscher bis zum Jahr 2040 auch mit Veränderungen bei der bisherigen Autonutzung. Erwartet wird eine viel stärkere Vernetzung verschiedener Verkehrsträger bei der individuellen Fortbewegung.
(Bild: AUDI AG)

„Die Herausforderungen für die Mobilität der Zukunft liegen in der individuellen, intelligenten Vernetzung", so ADAC-Präsident Dr. August Markl anlässlich der Vorstellung. „Unsere Mobilitätsmuster werden vielschichtiger und komplexer. Uns steht dabei keine disruptive Mobilitätswende bevor, sondern eine evolutionäre Entwicklung und Veränderung, die umso tiefgreifender und grundlegender sein wird."

Die persönliche Mobilität der Menschen entspringt dem Wunsch, selbst zu entscheiden, wann, wie und wohin sie sich bewegen. Das Bedürfnis nach Sicherheit, Gesundheit, intakter Umwelt und allgemeiner Lebensqualität wird in den kommenden Jahrzehnten weiter an Bedeutung gewinnen, so die Zukunftsstudie. Die Digitalisierung wird dabei zur zentralen Grundlage der Mobilität von morgen.

Vor diesem Hintergrund werde sich auch der ADAC als Mobilitätsdienstleister weiterentwickeln, so Markl: „Der ADAC selbst ist auf dem Weg in die Zukunft und mittendrin in der Transformation vom erfolgreichen Pannenhelfer zum digitalen Mobilitätshelfer." Ziel sei es, den ADAC zur zentralen Mobilitätsplattform und Ansprechpartner in allen Fragen der persönlichen Mobilität zu machen.

Bei steigendem Mobilitätsbedarf rechnen die Zukunftsforscher bis zum Jahr 2040 auch mit Veränderungen bei der bisherigen Autonutzung. Erwartet wird eine viel stärkere Vernetzung verschiedener Verkehrsträger bei der individuellen Fortbewegung. ÖPNV und Sharing-Angebote werden dabei über digitale Plattformen integriert. In ländlichen Regionen hingegen bleibt das Auto Mobilitätsgarant Nummer eins - in Zukunft jedoch ebenfalls als Teil einer vernetzten Mobilitätskette.

Auch die Entwicklung neuer Lebensstile, bedingt unter anderem durch eine veränderte Arbeitsweise oder die zunehmende Lebensdauer, wirken sich langfristig auf individuelle Mobilitätsmuster aus. Die Forscher rechnen bis 2040 mit vielfältigen Typen und Ausprägungen persönlicher Mobilität. Diese reichen von informationstechnisch versierten mobile innovators bis hin zu silver movern, der anspruchsvollen Gruppe der Mobilen über 75-Jährigen.

„In den kommenden Jahren wird der Rahmen für die Mobilität von morgen gesetzt. Daran messen wir auch die Politik", so ADAC-Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker. „Unser Ziel ist ein intelligent verknüpftes Miteinander aller Mobilitätsangebote: ein vernetzter, umweltschonender motorisierter Individualverkehr. Ein leistungsstarker, attraktiver öffentlicher Verkehr. Sowie ein integrierter, sicherer Fuß- und Radverkehr."

Erheblichen Handlungsbedarf sieht der ADAC bei der Sicherung der Mobilität im ländlichen Raum. Wo der öffentliche Verkehr an seine Grenzen stößt, ist das eigene Auto heute oftmals das einzige Fortbewegungsmittel. „Wir müssen öffentlichen Verkehr auf dem Land verfügbar machen, die Potenziale des Radverkehrs heben und auch flexible Mobilitätsalternativen wie zum Beispiel Carsharing oder Mitnahmeverkehr im ländlichen Raum fördern", so Becker.

Zu den größten verkehrspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre zählt der Verkehrsclub, die Emissionen im Straßenverkehr zu senken, ohne die Mobilität einzuschränken. Voraussetzung dafür sei der konsequente Einsatz moderner Abgasminderungstechnologien. Dazu gehören Prüfstandtests und Straßenmessungen, die Manipulationen künftig ausschließen.

Zudem muss die Typgenehmigung klar von der Marktüberwachung getrennt werden. In belasteten Innenstädten gilt es, Fahrzeuge und Flotten mit hoher innerstädtischer Fahrleistung auf alternative Antriebe umzurüsten und diese technologieneutral zu fördern. Für betroffene Verbraucher seien zudem die politischen Ansätze wichtig, auch in Deutschland Musterklagen als Rechtsinstrumente einzuführen.

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