Mobilfunk-Branchentreff Mobil World Congress: Start ohne große Namen

Redakteur: Michael Eckstein

Salamitaktik: Auf dem Mobile World Congress haben Deutsche Telekom, Ericsson und Samsung ihre Implementation von 5G-Network-Slicing vorgestellt. Allerdings virtuell – denn keiner der Konzerne ist als Aussteller auf der Messe. Wie viele andere Branchengrößen ebenfalls.

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Scheibchenweise: 5G soll in der Lage sein, auf einer physischen Infrastruktur logische Service-Scheibchen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen gleichzeitig zu verwalten – also etwa hohe Bandbreite für Service A und kurze Latenz für Service B.
Scheibchenweise: 5G soll in der Lage sein, auf einer physischen Infrastruktur logische Service-Scheibchen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen gleichzeitig zu verwalten – also etwa hohe Bandbreite für Service A und kurze Latenz für Service B.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Mobilfunk-Messe Mobile World Congress hat ohne die meisten großen Aussteller begonnen, die sie sonst zum wichtigsten Branchentreff machen. Unter anderem bleiben angesichts der Corona-Risiken der Smartphone-Weltmarktführer Samsung, die Netzwerkausrüster Ericsson und Nokia sowie die Deutsche Telekom dem Event in Barcelona fern.

Die Veranstalter sprachen zwar noch bis zuletzt davon, um die 30.000 Teilnehmer zusammenzubringen. Laut Medienberichten sollen die weitaus meisten Besucher aber aus Spanien kommen. Im vergangenen Jahr war die traditionell im Februar oder März stattfindende Messe wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. 2019 kamen mehr als 100.000 Brancheninsider und Journalisten zum Mobile World Congress.

Die bis Donnerstag angesetzte Messe soll in diesem Jahr in einem Mix aus Online-Präsentationen und Veranstaltungen vor Ort über die Bühne gehen. Eines der wenigen Highlights dürfte der Auftritt von Elon Musk werden, der am Dienstagabend per Internet zugeschaltet werden soll. Der Tech-Milliardär baut mit seiner Raumfahrtfirma SpaceX ein Netz aus Satelliten zur Internet-Versorgung mit dem Namen Starlink auf.

Slicing-Technologie für effizientere 5G-Datennetze gestartet

Die fünfte Mobilfunkgeneration 5G lockt Anwender bislang vor allem mit hohen Bandbreiten und kurzen Datenlaufzeiten. Auf der abgespeckten Mobilfunk-Messe MWC rückt aber eine weitere 5G-Innovation in den Focus.

Deutschen Telekom, Netzwerk-Ausrüster Ericsson und Smartphone-Anbieter Samsung Electronics haben die weltweit erste Implementierung einer neuen 5G-Mobilfunkfunktion verkündet. Diensteanbieter sollen ihren Kunden damit eine Servicegarantie geben können. Die Umsetzung des sogenannten „End-to-End (E2E) Network Slicing“ wurde mit einem im Handel erhältlichen Smartphone (Samsung Galaxy S21 5G) umgesetzt.

Ein Netz soll unterschiedliche Anforderungen erfüllen

Beim „Network Slicing“ werden die Ressourcen des Mobilfunknetzes in logische, spezialisierte Segmente unterteilt. So soll es möglich sein, auf einer Infrastruktur ganz unterschiedliche Anforderungen an Datenraten, Geschwindigkeiten und Kapazitäten erfüllen zu können. Das Netz wird bildlich in „Scheiben“ (Slices) geschnitten.

Die Schichten passen sich dabei jeweils an die Erfordernisse der Anwendungen an. Im Verkehr könnte die Technik beispielsweise den Fahrgästen im öffentlichen Nahverkehr eine Netzschicht mit hoher Bandbreite für das Streamen von Videos bereitstellen, während eine andere Schicht die Daten besonders reaktionsschnell liefert, um die Fahrfunktionen von Autos zu vernetzen.

Demonstration aus dem Bonner Labor der Deutschen Telekom

Die Demonstration der Weltpremiere fand allerdings nicht auf dem Messegelände in Barcelona statt, sondern wurde im Bonner Labor der Deutschen Telekom umgesetzt. Das Verfahren könne auch für Online-Spiele genutzt werden, die auf Cloud-Streaming basieren, teilten die drei beteiligten Unternehmen mit. Für das beste Spielerlebnis könne eine speziell optimierte Netzwerk-Scheibe für sehr kurze Reaktionszeiten bereitgestellt werden.

Gleichzeitig könne in derselben Funkzelle parallel ein Geschäftskunde eine sicherheitskritische Anwendung auf einem separaten Slice nutzen.

„Beide Kunden bekommen eine garantierte Dienstqualität.“

Claudia Nemat, Telekom-Vorstand Technologie und Innovation, sagte, das neue Netzwerk-Feature bilde die Grundlage für die Schaffung neuer Serviceangebote für Privat- und Unternehmenskunden.

Ericsson-Technologiechef Erik Ekudden erklärte, Network Slicing sei ein wichtiges Instrument, um mit 5G Umsätze zu erwirtschaften. „Mit der Technologie, die softwaredefinierte virtuelle Netze mit spezifischen Eigenschaften ermöglicht, werden neue digitale Services für Verbraucher und Unternehmen Realität.“

Mit Material von dpa

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