Mitarbeiter werden bei Arbeit 4.0 nicht in Prozesse einbezogen

| Redakteur: Matthias Back

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Selbstbestimmtes Handeln, flexible Arbeitszeiten und neue Bürokonzepte: Davon träumen viele Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Doch nur wenige fühlen sich in die Entwicklung der sogenannten „New Work“-Bewegung eingebunden. Dies zeigt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zum Thema Arbeit 4.0.

Idstein – Die Mitarbeiter bleiben auf dem Weg in die Zukunft der Arbeit 4.0 häufig auf der Strecke. So geben zwar 88 Prozent der befragten Unternehmen zwar an der digitalen Transformation arbeiten, jedoch nur die Hälfte dieser ihre Mitarbeiter in den Prozess einbeziehen. Außerdem verfügt ein Großteil der Firmen über keine Strategie zur Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt: Bei 76 Prozent fehlt es an einem klaren Plan oder er ist den Mitarbeitern nicht bekannt. „Ob eine Umstrukturierung gelingt, steht und fällt mit den Mitarbeitern – ihre Integration in die Strategieentwicklung spielt eine große Rolle für den Erfolg. Außerdem gilt es, die Potenziale der Digitalisierung rechtzeitig zu erkennen und anhand einer Neuausrichtung die Arbeitsprozesse dem Wandel anzupassen, um die Marktposition zu halten“, erklärt Dr. Consuela Utsch, Geschäftsführerin von Acuroc Solutions und AQRO.

Vor allem aufgrund des steigenden Innovationsdrucks und der zunehmend wichtiger werdenden internen Kommunikation stellt New Work eine relevante strategische Initiative dar. Dabei verändern sich vor allem die Arbeitsformen und -bedingungen, die die vierte industrielle Revolution – damit auch die Digitalisierung – mit sich bringt.

Weiterbildungen und Mentoring sind der Schlüssel zum Erfolg

Im Zentrum der Arbeitswelt 4.0 stehen drei Elemente, die sich stetig bedingen: die Mitarbeiter, das Arbeitsumfeld sowie die Technologie. Vor allem bei Brainworkern setzen optimierte Prozesse Potenziale frei – selbstbestimmtes Handeln, Teilhabe sowie agile Organisationen und Führungsstile lösen alte Muster auf. In Bezug auf die Umgebung setzt New Work ebenfalls auf Flexibilität und Freiheit: Neue Bürokonzepte wie Workspaces und Arbeitszeitsysteme sind Teil des Trends. Zudem befassen sich Unternehmen mit Investitionen in Hard- und Software, denn eine dynamische und beschleunigte Arbeitswelt verlangt eine zeitgemäße IT. Doch jede Revolution birgt Herausforderungen – so fehlt häufig das nötige Wissen oder verlangsamen starre Strukturen den Entwicklungsprozess. Auch Konflikte mit anderen Unternehmensprioritäten stören den Fortschritt. „Weiterbildungen und Mentoring sind ein absolutes Muss – kennen sich Mitarbeiter mit der neuen Technologie nicht aus, geht wertvolles Potenzial verloren“, so Utsch.

Damit Veränderungsmanagement in Richtung New Work erfolgreich gelingt und mehr als nur eine Absichtserklärung bleibt, steht Transparenz und Offenheit bezüglich aller Arbeitsschritte im Vordergrund. „Daher müssen Führungskräfte ihre Mitarbeiter bereits in der Planungsphase mit einbeziehen und ihnen Verantwortung und Entscheidungsfreiheit übertragen sowie Gestaltungsmöglichkeiten bieten“, betont Utsch. Anstelle des gewohnten Top-down-Ansatzes erweist sich ein kooperativer demokratischer Führungsstil sowie eine offene Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg.

Um alte Arbeitsweisen gemeinsam zu überdenken und eine neue Unternehmenskultur zu schaffen, stehen Führungskräfte vor der Herausforderung, ihren Mitarbeitern ausreichend Möglichkeiten zu geben, die Strategie mitzugestalten und ihnen die Kommunikation der erarbeiteten Ziele und Strategieelemente weitestgehend zu übertragen, um sicher zu stellen, dass jeder Mitarbeiter mit der Strategie vertraut ist und diese mitträgt. Dabei gilt es, Treiber der Entwicklung zu stärken, Unentschlossene zu mobilisieren und an Widerständen zu arbeiten. „Glückliche Mitarbeiter stellen keinen reinen Selbstzweck mehr dar, sondern eine zentrale Bedingung für unternehmerischen Erfolg. Gemeinsames Überdenken der Arbeitsweisen führt zu einer positiven Veränderung der Mentalität“, erläutert die Expertin.

Gemeinsam Ziele verfolgen

Dieses Vorhaben gelingt jedoch nur, wenn Leitlinien den Weg weisen und Sicherheit für die neue Vorgehensweise vermitteln. Als hilfreich erweist sich neben neuen Methoden wie Scrum und Design Thinking insbesondere rollenbasiertes Arbeiten nach AQRO – veränderungsfähige Manager minimieren so dank klarer Strukturen, zielorientierter Kommunikation und Transparenz die Unsicherheit im Change-Prozess. Auch Führungskräfte benötigen für die Einführung einer dynamischen, beschleunigten Arbeitswelt modernes Know-how sowie die Zeit, um sich an die ständigen Veränderungen, die die VUCA-Welt mit sich bringt zu gewöhnen. Nur wenn alle gemeinsame Ziele verfolgen, steht einer erfolgreichen Implementierung von Arbeit 4.0 nichts im Wege – ansonsten zieht die Konkurrenz davon

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Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Process.de.

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