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Mutmacher Mit Zuversicht die Krise meistern und Chancen wahrnehmen

| Redakteur: Kristin Rinortner

Im Verlauf der Corona-Krise wurde vieles möglich, was bis dato als undenkbar galt. Bei Phoenix Contact zeigte sich, dass vieles digital geht, aber manches analog immer noch besser ist. Lesen Sie, was das Unternehmen aus Blomberg gelernt hat.

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Frank Stührenberg, CEO Phoenix Contact: „Vieles geht digital, aber manches ist analog immer noch besser.“
Frank Stührenberg, CEO Phoenix Contact: „Vieles geht digital, aber manches ist analog immer noch besser.“
(Bild: Phoenix Contact)

Als produzierendes Unternehmen mit einer hohen Fertigungstiefe und einem globalen Produktionsnetzwerk – mit einem großen Stützpunkt in China – hat uns die Coronakrise sehr schnell in Alarmzustand versetzt. Wir haben umgehend eine Task Force eingesetzt, um Lieferketten zu überwachen und Produktion sowie Logistik mit all ihren Schnittstellen permanent im Auge zu behalten.

Parallel haben wir am größten Unternehmensverbund in Deutschland mit 13 Standorten sofort Maßnahmen ergriffen, um Sicherheit für die Gesundheit der Mitarbeitenden zu gewähren und Infektionsketten zu vermeiden. Das ist uns auch gelungen.

Allein am Hauptstandort Blomberg, wo mehr als 5000 Mitarbeitende arbeiten, war das ein organisatorischer Kraftakt. Wir haben Schichtzeiten in der Produktion entzerrt, Teams im Vertrieb und anderen „systemrelevanten“ Bereichen geteilt und an getrennten Orten arbeiten lassen sowie Mitarbeitende aus dem Administrationsbereich maximal ins Homeoffice geschickt.

Dabei hat unsere IT-Einheit Bandbreite, VPN-Tunnel sowie Flatrates für Mobiltelefonie quasi über Nacht erweitern und bereitstellen mussten. Zugleich haben wir in Abstimmung mit unserem Werksarzt und den örtlichen Gesundheitsämtern Maßnahmen der Hygiene ergriffen, geschult, und intensiv sowie regelmäßig kommuniziert.

Unsere Lieferketten sind nirgendwo gerissen – den für uns wichtigen Markt Italien haben wir beispielsweise einige Wochen lang direkt aus Deutschland beliefert. Die Logistik war insgesamt ein sehr anspruchsvoller Bereich, wo mit höchster Flexibilität reagiert werden musste.

Lieferketten stabilisieren sich im dritten Quartal

Wir rechnen damit, dass sich im dritten Quartal die Verhältnisse stabilisieren und die Nachfrage wieder zunimmt. Einen identischen Zustand wie vor der Krise erwarten wir nicht. Einerseits wird es dauern, bis sich alle Märkte erholt haben. Andererseits werden die globalisierten Beschaffungsprozesse an einigen existentiellen Punkten geändert werden, beispielsweise die medizinische Versorgung ​betreffend.

Zudem werden Mobiles Arbeiten, Online-Kommunizieren und Online-Konferieren zu Lasten von Präsenzkultur, Dienstreisen und analogen Meetings sich zu einem guten Teil verstetigen. Hier wird ein Substitutionseffekt für Effizienz sorgen und zugleich ressourcen- und klimaschonend wirken.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 15/2020 (Download PDF)

Der Lerneffekt ist, wie gut mobiles Arbeiten im Administrationsbereich funktioniert, welche neuen oder anderen Führungskompetenzen das erfordert, wie wichtig eine gute Balance von Analog und Digital für die menschlichen Bedürfnisse der Arbeitenden ist und wo digitalen Arbeiten nicht funktioniert. Hier ist durch ein unerwartetes, plötzliches „Proof of Concept“ klar geworden: vieles geht digital, aber manches ist analog immer noch besser.

Eine andere Erfahrung ist, dass sich in der Krise gutes Führen und gute Kultur bewähren: Schnell und flexibel reagieren, Prioritäten ändern, Maßnahmen ergreifen und gut kommunizieren, topdown leben und mit Zuversicht die Krise nicht nur meistern, sondern auch ihre Chancen erkennen und mit Kreativität wahrnehmen. Dann gelingt es, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

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