Digitale Baustelle Mit künstlicher Intelligenz und Helmkamera Baukosten senken

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Mit Helmkamera und Software will ein Startup dabei helfen, ausufernde Kosten auf deutschen Baustellen zu vermeiden. Daten lassen sich erfassen und mit den Bauplänen abgleichen. Bauleiter haben immer einen Blick auf Kosten und Baufortschritt.

Firmen zum Thema

Baukosten senken: Mit einer Helmkamera und einen Algorithmus sollen sich Kosten auf Baustellen senken lassen.
Baukosten senken: Mit einer Helmkamera und einen Algorithmus sollen sich Kosten auf Baustellen senken lassen.
(Bild: Buildots)

Größer, schneller, höher soll das Bauen von heute funktionieren und die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind derzeit gut gefüllt. Selbst Corona verpasste der Baukonjunktur nur eine kleine Delle: Im Wohnungsbau meldete die Baubranche für 2020 ein Umsatzplus von 4,9 Prozent [1]. Insgesamt 268.774 neue Wohnungen seien entstanden und bis Ende 2021 werden ebenso viele Neubauten erwartet [2].

Mit mehr Neubauten steigen auch die Baukosten. Grund: Die Baubranche ist noch nicht ausreichend digitalisiert. Damit hängt der Digitalisierungsgrad der Baubranche stark hinterher [3]. Während in den kommenden Jahren fast 80 Prozent der Firmen mit digitalen Werkzeugen arbeiten möchten, verfügt bislang weniger als jeder Fünfte über eine ausgereifte Strategie für digitales Bauen [4].

„Der Hang zum manuellen Bauen kann für die deutsche Baubranche jedoch enorme Kosten bedeuten, denn mithilfe von Software mit künstlicher Intelligenz, lassen sich Baukosten deutlich senken“, erklärt Roy Danon, Co-Founder und CEO des Bautechnologie-Startups.

Eine Kamera steht im Mittelpunkt

Damit die Software lernen kann, nutzt das Startup eine einfache 360°-Kamera, die auf einem Schutzhelm montiert ist. Jetzt lassen sich nahtlos Daten der Baustelle erfassen und dokumentieren. Anschließend können verantwortliche Planer mithilfe der proprietären KI-Software die Realität mit den Plänen der Baustelle vergleichen und über eine Webanwendung Informationen an das Team liefern.

Somit hat jedes Mitglied einen Überblick über den aktuellen Projektstatus und die Abweichungen vom vereinbarten Plan sowie den Spezifikationen. Aktuell setzt das größte Wohnbauprojekt Berlins, „WATERKANT“, in der Ausbauphase auf die Hilfe der künstlich intelligenten Bauprozessoptimierung.

Justin Schrobsdorff, Junior Inhouse Consultant bei Schrobsdorff Bau, bestätigt: „Für Berlins Baukultur ist dieses Projekt wegweisend, denn die Digitalisierung auf Berlins und Deutschlands Baustellen hängt deutlich hinterher. Wir brauchen hier mehr Potential, um den digitalen Fortschritt voranzutreiben.“ Das Projekt, dessen Grundstein 2019 gelegt wurde, soll bis 2022 vollendet werden.

Geld einsparen und Verzögerungen vorhersagen

Das größte Wohnbauprojekt Berlins, „WATERKANT“, setzt in der Ausbauphase auf die Hilfe der künstlich intelligenten Bauprozessoptimierung.
Das größte Wohnbauprojekt Berlins, „WATERKANT“, setzt in der Ausbauphase auf die Hilfe der künstlich intelligenten Bauprozessoptimierung.
(Bild: Archlab)

Mithilfe der digitalen Datenerfassung durch die Helmkamera zusammen mit der Buildots-Software lässt sich sparen: Datenerfassung, Berichterstattung, visuelle Erfassung durch Bauleiter, Vermesser und Planer schätzt man auf über 1.000 Stunden jährlich für ein Projekt mit 10.000 m².

Auf Baustellen sind Verzögerungen keine Seltenheit und können den gesamten Bauablauf behindern. Verzögert sich eine Bauausführung, dann leiden auch die Folgegewerke und können vereinbarte und vorgesehene Arbeiten nicht beginnen. Mehrkosten sind unausweichlich. Die Software prüft jetzt täglich, wie sich das Risiko von unkontrollierten und versteckten Verzögerungen eliminiert lässt. Während Schrobsdorff bisher noch keine Verzögerungen beim WATERKANT-Projekt hatte, plant das Bauunternehmen bereits, künftig drei weitere Großbauprojekte mit der Software von Buildots zu realisieren.

Fehler frühzeitig auf dem Bau erkennen

Bei Wohnbauprojekten werden durchschnittlich fünf Mängel pro Wohnung festgestellt. „Werden Fehler sofort erkannt und behoben, lassen sich bei einigen Projekten Hunderttausende von US-Dollar einsparen“, sagt der Buildots-CEO.

Bei ähnlichen Fällen, in denen Fehler erst Wochen später oder bei der Übergabe festgestellt wurden, verzögerte sich die Fertigstellung der Projekte und die Kosten stiegen enorm. Auch bei Schrobsdorff erkannte man bereits mithilfe der Software Fehler in der Ausbauphase, die laut Justin Schrobsdorff die „problemanfälligste Phase des Baus ist“. So wurde frühzeitig erkannt, dass über 200 Steckdosen und rund 300 Decken aus Lastpositionen falsch gesetzt wurden.

Referenzen

[1] Umsatz im Bauhauptgewerbe im Jahr 2020: +4,9 % zum Jahr 2019. Abgerufen am 5. November 2021.

[2] Baufertigstellungen von Wohnungen im Jahr 2020: +4,6 % gegenüber Vorjahr. Abgerufen am 5. November 2021.

[3] Im Bauwesen noch viel Potenzial für digitale Prozesse. Abgerufen am 5. November 2021.

[4] Digitales Bauen nimmt Fahrt auf. Abgerufen am 5. November 2021.

(ID:47778432)