Taiwan Semiconductor Mit jedem mindestens einmal pro Woche sprechen

Redakteur: Johann Wiesböck

Die Corona-Pandemie erschüttert auch die Elektronikbranche. Deshalb haben wir unsere Leser gefragt, wie es ihnen ergangen ist und was sie erwarten. In diesem Teil der neuen Serie berichtet ein erfahrener Manager aus der Halbleiterindustrie.

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Ralf Welter, Taiwan Semiconductor: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“
Ralf Welter, Taiwan Semiconductor: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“
(Bild: Taiwan Semiconductor)

Ralf Welter ist seit 2017 Geschäftsführer der Taiwan Semiconductor Europe GmbH. Er leitet die europäische Zentrale in Zorneding bei München mit aktuell 25 Mitarbeitern. Taiwan Semiconductor ist seit mehr als 40 Jahren als Spezialist für diskrete Leistungsgleichrichter bekannt und hat sein Produktportfolio sukzessive um Trench Schottkys, MOSFETs, Leistungstransistoren, LED-Treiber-ICs, analoge ICs und ESD-Schutzschaltungen erweitert. Wir haben mit Ralf Welter als Leser von ELEKTRONIKPRAXIS über die Situation in seinem Unternehmen und die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Coronakrise gesprochen.

Bitte beschreiben Sie das aktuelle Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen. Und wie geht es Ihnen?

Die Gesamtsituation ist aktuell sehr herausfordernd, und wie viele andere Unternehmen, haben auch wir mit Einschränkungen zu kämpfen. Dennoch ist unsere Motivation weiterhin hoch, was meines Erachtens auch an der insgesamt guten Stimmung bei Taiwan Semiconductor (TSC) liegt. Trotz eines starken Umsatzrückgangs im 2. und 3. Quartal 2020 konnten wir Kurzarbeit vermeiden. Das haben unsere Mitarbeiter sowie Kunden sehr geschätzt, da wir auch in diesen besonderen Zeiten den gewohnten Service bieten konnten. Persönlich bin ich froh, dass wir bisher gut durch die Pandemie gekommen sind – vielen Dank für die Nachfrage.

Welche Probleme und Herausforderungen traten und treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

In unserem Unternehmen spielt die „unmittelbare“ Nähe zu den Kolleg*innen und die Kommunikation untereinander auch mit den anderen TSC-Standorten weltweit eine wichtige Rolle. Daher war der Wechsel ins Homeoffice für einen Großteil unserer Mitarbeiter*innen – gerade zu Beginn der Pandemie – eine echte Umstellung. Auch wenn wir zwischenzeitlich gute Wege für die Kommunikation auf Distanz gefunden haben, so ist ein persönliches Gespräch durch nichts zu ersetzen.

Wie wirken sich diese Problemstellungen und Herausforderungen auf Ihre eigene Arbeit aus?

Ich persönlich telefoniere und kommuniziere noch mehr als früher. Meine Zielsetzung ist es, mit allen Mitarbeiter*innen mindestens einmal die Woche zu sprechen, nicht nur über berufliche Themen. Auch sind regelmäßige Telefonate mit unseren Kunden sehr wichtig. Interessant ist, dass viele Ansprechpartner*innen sich heute etwas mehr Zeit für ein Gespräch nehmen und die Ergebnisse zum Teil besser sind als noch vor der Corona-Zeit.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren? Oder rechnen Sie mit nachhaltigen Veränderungen und mit welchen?

Wir Menschen sind sehr anpassungsfähig. Es mag sein, dass sich Dinge zukünftig anders darstellen als vor Corona. Trotzdem werden sich Abläufe so entwickeln, dass wir sie früher oder später als „normal“ wahrnehmen werden. Deutliche Veränderungen sehe ich im Bereich der Kommunikation. Klassische Präsenzveranstaltungen werden sicherlich noch eine ganze Weile im reduzierten Umfang stattfinden (müssen). Die digitale Kommunikation wird daher weiterhin an Bedeutung gewinnen.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die persönliche Kommunikation sowie Face-to-Face-Gespräche auch in Zukunft noch extrem wichtig für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Kolleg*innen und Kund*innen sein werden.

Welche Lerneffekte und Erkenntnisse nehmen Sie aus der Krisensituation mit und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Eine Erkenntnis ist, dass die Anpassung an neue Rahmenbedingungen und schnelles Lernen immer wichtiger werden. Manche Dinge verändern sich zum Teil schneller als uns lieb ist. Je zügiger wir hierauf reagieren, desto erfolgreicher können wir die Zukunft gestalten. Daher orientiere ich mich an dem Leitspruch: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.“

Das Leben wird uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen, die wir so nicht erwartet haben. Ob wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind, wird wohl erst die Zeit zeigen. Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel für die Bewältigung solcher Probleme, die menschliche Fähigkeit zur Anpassung an neue Rahmenbedingungen ist.

Welchen Herausforderungen abseits der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Kapazitätsengpässe im Front- und Backendbereich sowie eine sehr starke Nachfrage in einigen Segmenten sorgen zum Teil für sehr lange Lieferzeiten bei verschiedensten Halbleiterbauelementen. Gepaart mit logistischen Engpässen durch verringerte Kapazitäten und massiv gestiegenen Transportkosten, ist das eine echte Herausforderung. Allerdings haben wir uns bereits zu Beginn des 4. Quartals 2020 mit diesen – zum Teil absehbaren – Veränderungen auseinandergesetzt und schon jetzt gute Lösungen gefunden.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert bzw. entwickelt?

Die digitalen Medien erfordern einen immer zügigeren Austausch an Informationen. Auch die Erwartungshaltung seitens der Kunden sowie der Share- und Stakeholder steigen stetig an. Das ist einerseits eine Herausforderung aber andererseits auch eine Triebfeder, die uns dabei hilft, auch in Zukunft erfolgreich sein zu können.

Wie wollen Sie persönlich im Jahr 2021 durchstarten?

Allem voran ist es mir wichtig, dass wir gemeinsam gesund durch die momentane Krise kommen. Das bezieht sich insbesondere auf mein persönliches und berufliches Umfeld, aber natürlich auch auf unser weltweites Netzwerk.

Persönlich werde ich den Fokus weiter auf unseren Service, die termingerechten Lieferungen sowie die Ausweitung unserer Design-In-Aktivitäten legen. Daher planen wir, unser Team in diesem Jahr zu vergrößern und neue Kolleg*innen einzustellen.

Wenn uns das gelingt, dann haben wir bei TSC aufgrund exzellenter Vorarbeit in den vergangenen Jahren sehr gute Voraussetzungen, um 2021 zu einem sehr erfolgreichen Jahr zu machen.

Wenn Sie einem/r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, was sagen Sie ihr/ihm?

Auf die Halbleiterbranche bezogen kann ich sagen, dass es sich hierbei um ein hochinteressantes und innovatives Segment handelt, das einen immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Dadurch kann man in kurzer Zeit sehr viel lernen.

Durch unsere überschaubare personelle Größe bieten wir bei TSC die Chance, den Markt sehr genau kennenzulernen und „über den Tellerrand hinaus zu schauen“, weil man sehr viele Schritte von Produktion, Logistik, Vertrieb und Abwicklung direkt miterlebt. Weiterhin können wir dadurch sehr flexibel auf Kundenwünsche reagieren und so eine gute Servicequalität bieten.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Hier zitiere ich Johann Wolfgang von Goethe: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Es wird immer wieder Unwägbarkeiten und unvorhergesehene Veränderungen im Leben geben. Wenn wir diese als Chance begreifen, werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein können.

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