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B&R Mit hohem Tempo ganz nach vorn

| Redakteur: Wolfgang Leppert

Der Automatisierungsspezialist B&R hat sich ambitiöse Ziele gesteckt und ist überzeugt, seine Rolle als Innovationsmotor noch prägnanter ausfüllen zu können. Mit hoher Entwicklungsdynamik sollen bestehende Märkte ausgebaut, neue Segmente erschlossen, die Internationalisierung weiter verstärkt und der Umsatz bis 2010 verdoppelt werden. Ebenso aufs Doppelte erhöht wird die Produktionsfläche am Stammsitz Eggelsberg.

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Rund 25 Mio. Euro investiert B&R in den Standort Eggelsberg. Bis Anfang 2008 wird die Fertigungsfläche verdoppelt, etwa 500 neue Arbeitsplätze werden damit geschaffen.
Rund 25 Mio. Euro investiert B&R in den Standort Eggelsberg. Bis Anfang 2008 wird die Fertigungsfläche verdoppelt, etwa 500 neue Arbeitsplätze werden damit geschaffen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Stimmung in der Automatisierungsindustrie ist gut, die Märkte wachsen, und nahezu alle Hersteller schreiben schwarze Zahlen. Ein Karrieresprung wie der von B&R ist dennoch eher die Ausnahme. Mit Wachstumsraten von zuletzt gut 15 Prozent zählt das im oberösterreichischen Eggelsberg beheimatete Unternehmen zu den Top-Performern der Branche, etwa alle fünf Jahre wurde der Umsatz verdoppelt. In nächster Konsequenz blicken die Verantwortlichen jetzt auf 2010, wenn dann die 400 Mio. Euro-Grenze überschritten werden soll.

Die tragenden Säulen dieses Aufstiegs kann Geschäftsführer Hans Wimmer eindeutig benennen. Eminent wichtig sei etwa die personell und finanziell bestausgestattete eigene Entwicklung, um den technologischen Führungsanspruch mit permanenten Innovationen zu untermauern. Ganz bewusst setzt B&R dabei nicht auf Standardlösungen, sondern will für die Kunden und deren Maschinen einen jeweils individuellen Mehrwert generieren (siehe auch Interview). Die dazu erforderliche Markt- und Kundennähe erwachse wiederum aus der stetigen Internationalisierung, die schon 1983 begonnen hat und mit eigenen Tochtergesellschaften in wichtigen Wachstumsregionen konsequent fortgeführt wird. Und als Unternehmen in privater Hand, das keinen kurzfristigen Shareholder-Interessen verpflichtet ist, verfüge man zudem über den erforderlichen langen Atem.

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Vorstoß in neue Marktsegmente

Strategisch verzichtet B&R auf einen Branchenfokus, sondern hat sich vielmehr breit aufgestellt. „In aller Regel gelingt es uns im Kundengespräch sehr schnell“, so Hans Wimmer, „die Vorteile unserer hochwertigen Automatisierungslösungen branchenübergreifend transparent zu machen und so in immer neue Applikationsfelder vorzustoßen.“ Dabei hat man jetzt den CNC- und Robotik-Bereich ins Visier genommen, „weil wir aus vielen Gesprächen wissen, dass dort ein erheblicher Innovations- und Veränderungsbedarf besteht. Genau diesen Ansatz werden wir deshalb einbringen und auch in überschaubarer Zeit realisieren“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Im gleichen Atemzug soll auch das Engagement in der Prozessindustrie deutlich intensiviert werden.

Um gerüstet zu sein, wird in Eggelsberg jetzt kräftig investiert. Für rund 25 Mio. Euro soll bis Anfang 2008 die Produktionsfläche verdoppelt, ein neues Technologie- und Entwicklungszentrum errichtet und eine Automation Academy aufgebaut sein. Begünstigt wurde diese Standort-Entscheidung, so Hans Wimmer, „durch ein sehr hohes Qualitätsbewusstsein, Kontinuität und Arbeitsmoral“ – und so dürfen sich die B&R-Beschäftigten vor Ort bald auf etwa 500 neue Kolleginnen und Kollegen freuen.

Maximaler Kundenutzen ist oberstes Entwicklungsziel

Technologisch profiliert sich B&R u.a. mit seiner neuen Antriebsgeneration ACOPOSmulti, die insbesondere bei Maschinen mit vielen Achsen höchstmögliche Wirtschaftlichkeit verspricht. Eckpfeiler für diese Entwicklung waren hohe Verfügbarkeit und Qualität, Produktivität sowie eine einfache Anwendbarkeit und Handhabung der Hard- und Software. Zudem eröffnet das Konzept neue Möglichkeiten zur Energieeinsparung und setzt bei der Sicherheitstechnik konsequent auf Ethernet Powerlink Safety – mit entsprechend schnellen Reaktionszeiten und geringem Verdrahtungsaufwand. „Wir sind stolz unser Entwicklungsziel – maximaler Kundennutzen – erreicht zu haben“, freut sich Alois Holzleitner, BU Manager Motion bei B&R.

Neue Safety-Lösung bietet hohes Einsparpotenzial

Ein weiteres Arbeitsfeld mit hohem Innovationspotenzial ist für B&R Thema Safety – und das auch, weil rund 30 Prozent aller Maschinenunfälle in Deutschland auf Manipulation zurückzuführend sind, was mit intelligenter Sicherheitstechnik deutlich reduziert werden könnte. B&R setzt daher auf das von der EPSG spezifizierte sichere Protokoll EPLsafety, ist es doch nach Überzeugung von Anton Meindl, BU Manager Controls bei B&R „das erste und einzig echtzeitfähige sicherheitsgerichtete Protokoll für eine flexible Maschinen- und Fertigungs-Automatisierung sowie zur gleichzeitigen Lösung sicherheitstechnischer Aufgaben“. Dabei könne nicht nur auf die bislang nötige aufwändige Doppelverdrahtung verzichtet werden. Auch die von EPLsafety zugesicherten Reaktionszeiten seien um mindestens Faktor zehn besser als bei anderen sicherheitsgerichteten Feldbussystemen. Zur SPS/IPC/Drives in Nürnberg wird B&R neben zahlreichen weiteren Neuheiten (die im Rahmen der Produktinformationen in dieser Ausgabe sowie unter www.elektrotechnik.de vorgestellt werden) auch eine funktionsfähige Safety-Lösung präsentieren (Halle 7 Stand 206).

B&R

Tel. +43(0)7748 65860

Im Gespräch: Hans Wimmer, Geschäftsführer B&R-Konzernleitung

Was sind aus Ihrer Sicht, Herr Wimmer, die zentralen Stärken von B&R?

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, dass wir unseren Kunden sehr gut zuhören, ihre Anforderungen verstehen und dann gemeinsam eine optimale Lösung für ihre jeweilige Automatisierungsaufgabe entwickeln. Die Basis dafür sind einerseits unsere technologisch führenden Produkte und andererseits unsere Mitarbeiter, die diese Produkte bis ins letzte Detail beherrschen und daraus mit den Kunden erfolgreiche Lösungen erarbeiten.

Das behaupten auch andere Unternehmen von sich. Worin aber unterscheiden Sie sich konkret vom Wettbewerb?

Wir bieten keine Lösungen von der Stange, sondern Basistechnologie, Plattformen und Werkzeuge, die es dem Kunden ermöglichen, seine Maschine oder Anlage wirklich einzigartig zu gestalten. Damit kann er sich wiederum – viel besser als mit standardisierten Paketen – von seinen Wettbewerbern differenzieren. Gleichzeitig helfen wir ihm auch bei der Implementierung unserer Produkte, und zwar in Form kundenspezifischer, also ganz individueller Dienstleistungen. Darüber hinaus haben wir sehr früh – wir meinen sogar als Erste – erkannt, dass eine Integration aller Funktionen ins gleiche Werkzeug absolut notwendig ist, um den Kunden viel Geld, Zeit und Ärger zu ersparen.

B&R bezeichnet sich selbst gern als größtes privatwirtschaftliches Unternehmen der Branche. Welche Vorteile bringt diese Struktur?

Die rein privatwirtschaftliche Struktur versetzt uns in die komfortable Lage, sämtliche Entscheidungen frei von externen Einflüssen treffen zu können. Es gibt deshalb auch keine kurzfristigen Strategiewechsel etwa aufgrund von Shareholder Value-Gesichtspunkten zu Lasten von Kunden, Mitarbeitern oder Produkt-Philosophien. Wer Quartalszahlen berichten muss, hat manchmal auch Maßnahmen zu ergreifen, die der langfristigen Unternehmensentwicklung nicht immer dienlich sind. Auch eine Vertriebsstruktur mit so vielen eigenen Mitarbeitern wie bei B&R wäre dann nicht finanzierbar, was letztlich aber weniger Kundennähe bedeuten würde. Wir haben flache Hierarchien mit entsprechenden Spielräumen für eigene Entscheidungen unserer Mitarbeiter. Und wir haben gerade dann in Neuprodukt-Entwicklungen investiert sowie zahlreiche Ingenieure neu an Bord geholt, als andere den Gürtel enger schnallen mussten. Insgesamt erwächst also aus unserer Struktur eine langfristige, partnerschaftliche Verlässlichkeit – sowohl für unsere Kunden wie auch für unsere Mitarbeiter.

Ein Kernelement Ihrer Strategie ist Technologie-Führerschaft. Wie können Sie sicher stellen, dass B&R hier immer die Nase vorn hat?

Die wichtigste Voraussetzung ist finanzieller Natur, deshalb investieren wird rund 17 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung und beschäftigen dort über 500 hervorragend ausgebildete Ingenieure. Diesen Mitarbeitern bieten wir die nötigen Freiräume, um ihre Kreativität zu entfalten. Denn um Technologieführer zu sein, muss man manchmal auch außergewöhnliche Ideen entwickeln und voran treiben. Zugleich wiederum verzahnen wir die Produktentwicklung projektbezogen sehr eng mit anderen Bereichen wie etwa der Fertigung und erreichen damit frühzeitig eine deutlich höhere Integration.

Welche Herausforderungen erwachsen für B&R aus der fortschreitenden Internationalisierung?

Wir haben bereits heute mit 120 Büros in über 50 Ländern eine sehr gute Ausgangsposition, die wir konsequent weiter ausbauen. So werden wir z.B. in Russland in den nächsten Monaten eine weitere neue Tochtergesellschaft gründen – ganz konform unserer Strategie, dies mit eigenen Mitarbeitern zu realisieren, die unsere Philosophie und unsere Produkte verstehen und gerade in der Aufbauphase völlig problemlos vom Mutterkonzern unterstützt werden können. Später sollen sie ihren Markt dann natürlich völlig frei bearbeiten.

Umgekehrt fertigen Sie ausschließlich am Standort Eggelsberg, wo die Kapazitäten jetzt sogar verdoppelt werden sollen. Wie schaffen Sie es, die Produktion auch langfristig in Österreich zu halten?

Unsere Neuinvestition ist ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Eggelsberg, wenngleich unsere Lösungen international erarbeitet werden. Weil wir keine Großserien fertigen – der Trend geht eigentlich sogar in Richtung Fertigung nach Kundentakt –, ist die räumliche Nähe zwischen Produktentwicklung, Fertigung und Logistik mit hoher Integration und Flexibilität für uns ein klarer Vorteil. Durch effiziente und aufeinander abgestimmte Prozesse lassen sich deutliche Verbesserungen und hohe Einsparungen erzielen, wohingegen die Kosten für Komponenten international nahezu identisch sind. Und den Anteil der manuellen Arbeiten können wir durch weitere Automatisierung und Optimierung unserer Fertigung so reduzieren, dass ein Lohnkostenvorteil in Billiglohnländern marginal wird. Wenn man noch die potenziellen Effizienzsteigerungen mit einrechnet, kann er ab und an sogar ganz vernachlässigt werden.

In welchen Bereichen kann oder muss sich B&R künftig noch verbessern?

B&R ist sind international noch viel zu unbekannt. Wir haben potenzielle Kunden in der Vergangenheit einfach zu wenig auf unser Unternehmen und unsere Produkte aufmerksam gemacht, sind jetzt aber auf einem guten Weg und wollen bei Marketing und Kommunikation noch deutlich aktiver werden. Das betrifft auch die direkte Technologie-Kommunikation mit bedeutenden Endanwendern.

Wo steht B&R, sofern sich Ihre Planungen realisieren, in etwa fünf Jahren?

Wir wollen 2010 gut 400 Mio. Euro Umsatz generieren, das entspricht einem jährlichen Wachstum von etwa 15 Prozent. Dazu müssen wir insbesondere unsere internationale Marktposition weiter stärken. Und insgesamt wollen wir dann bei jeder wesentlichen Entscheidung im Automatisierungsbereich mit am Tisch sitzen.

Steckbrief: B&R auf einen Blick

Gründung: 1979

Status: rein privates Unternehmen

Hauptsitz: Eggelsberg (Oberösterreich)

Präsenz: mehr als 120 Büros in über 50 Ländern

Umsatz 2005: 190 Mio. Euro

Umsatzerwartung 2006: 235 Mio. Euro

Umsatzziel 2010: über 400 Mio. Euro

Mitarbeiter: 1400

Exportquote: 88 Prozent

Produkte: integrierte Automatisierungslösungen für den Maschinen- und Anlagenbau; Prozessleittechnik

Liefermengen 2005: 65 000 Steuerungssysteme, 50 000 HMI-Produkte, 30 000 Servoverstärker

Liefermengen 2006: 82 000 Steuerungssysteme, 65 000 HMI-Produkte, 45 000 Servoverstärker

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