Kolumne

Mit der Lücke leben – Systemische Prinzipien in der Projektleitung

| Autor / Redakteur: Peter Siwon / David Franz

Hier drei Beispiele, wie wir wichtige systemische Prinzipien auf Projekte anwenden können:

Anerkennung des Gegebenen

Schauen Sie den Tatsachen ins Auge. Sorgen Sie u.a. dafür, dass möglichst viele relevante Aspekte des Projekts für Sie und das Team transparent sind. Jeder sollte beispielsweise Ziel, Weg und beteiligte Personen und Rollen, aber auch relevante Unsicherheiten, Risiken, Konflikte und Defizite kennen. Projektmanagement funktioniert nur, wenn wir in der Realität agieren. Die Kunst des Projektmanagements beruht nicht darauf, die Realität im Sinne eines Wunschbilds hinzubiegen, sondern aus der Realität das Beste zu machen. Hört sich einfach an. Wer schon länger in der Projektmühle steckt, weiß, wie schwer es ist, dieses Prinzip konsequent zu leben. Was die Dinge erschwert ist die Tatsache, dass wir unsere Wahrnehmung eines Projektes nur der Realität annähern können. Es bleibt immer eine Lücke.

Recht auf Zugehörigkeit

Jedes Projektteam benötigt Vereinbarungen, Regeln und Rituale, die die Zugehörigkeit der Teammitglieder zum Projekt sichtbar machen. Eine wichtige Maßnahme ist es dabei, sicherzustellen, dass jede Person Ihren Platz (Rolle, Funktion) im Team kennt und so in die Kommunikation eingebunden wird, dass sie eine faire Chance hat, ihren Beitrag zum Teamerfolg zu leisten. Ein weiterer wichtiger Grundsatz in diesem Zusammenhang ist, dass wir abwesende Teamangehörige so in unser Handeln einbeziehen, als wären sie anwesend (Stichwort: Meckern hinter dem Rücken der Betroffenen). Auch hier gilt, dass wir uns in unserer Menschlichkeit einem Idealzustand nur nähern können und immer wieder so unsere „Aussetzer“ haben. Wer hier eine weiße Weste hat, bitte melden.

Achtung informeller Hierarchien

Neben der formalen Hierarchie des Organisationsplans existieren weitere informelle Hierarchien, die beachtet werden sollten, um Konflikte zu vermeiden oder zu lösen. Beispielsweise ist es wichtig, dass Projektleiter, die jünger sind als ihre Teammitglieder, verstehen, dass sie diese Tatsache in angemessener Weise würdigen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Älteren wiederum die Führungsposition des Jüngeren achten. Auch hier ist es angebracht, die Kirche im Dorf zu lassen. Der Jüngere darf ruhig mal provokant sein und der Ältere besserwisserisch, solange die Regeln der Höflichkeit und Fairness gewahrt bleiben oder wiederhergestellt werden.

Mich selbst beeindruckt die Kombination von Weisheit und Bescheidenheit, die dieser systemische Ansatz bietet. Ich denke, dass diese Kombination ein Schlüssel für erfolgreiche Führungsarbeit und Mitarbeiterzufriedenheit ist. Ich hoffe in aller Bescheidenheit (die mir leider nicht immer in dem Maße gegeben ist, wie ich es mir wünsche), ich konnte Sie ein bisschen neugierig auf Systemisches machen. Lernen Sie mit der Lücke zu leben, indem Sie sie als Raum für Ihre nie endende persönliche Weiterentwicklung und Bereicherung annehmen.

Wenn Sie noch mehr über systemische Regeln und Prinzipien erfahren wollen, senden Sie mir eine E-Mail mit dem Stichwort „systemisch“ an info@die-menschliche-Seite.de. Ich freue mich auch über Ihre Anregungen und Rückmeldungen zu diesem Thema.

Der Blick in den Spiegel – Was gute Projektleiter ausmacht

Projektmanagement

Der Blick in den Spiegel – Was gute Projektleiter ausmacht

11.02.14 - Welche Eigenschaften und Fähigkeiten hat die perfekte Führungskraft? ELEKTRONIKPRAXIS-Kolumnist Peter Siwon geht dieser Frage auf den Grund und betrachtet hierbei die menschliche Seite des Projekterfolgs. lesen

* Dipl. Ing. (Univ.) Peter Siwon ist Business Development Manager bei der MicroConsult GmbH, die sich auf Training und Consulting für Embedded Software Engineering spezialisiert hat. Außerdem ist er freiberuflicher Trainer, Coach und Autor von Kolumnen und Fachbüchern mit dem Schwerpunkt „Die menschliche Seite des Projekterfolgs“. Seit 2008 ist er als Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen tätig.

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