MIPS-Architektur nun doch in chinesischen Händen

Autor: Sebastian Gerstl

Noch 2017 durfte MIPS wegen Bedenken der nationalen Sicherheit seitens der USA nicht nach China verkauft werden. Drei Jahre und ebenso viele Besitzerwechsel später ist dies offenbar nun doch geschehen.

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Das Unternehmen MIPS, Rechteinhaber der gleichnamigen Prozessorarchitektur, ist nach einer langen Abfolge an Unternehmenswechseln und Hinterzimmerabkommen nun bei einem chinesischen Eigentümer gelandet.
Das Unternehmen MIPS, Rechteinhaber der gleichnamigen Prozessorarchitektur, ist nach einer langen Abfolge an Unternehmenswechseln und Hinterzimmerabkommen nun bei einem chinesischen Eigentümer gelandet.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

2017 hatte die Prozessorarchitektur MIPS wegen Bedenken der Nationalen Sicherheit auf Druck der USA nicht an chinesische Unternehmer gehen dürfen. Nun scheint aber, nach einer Abfolge an qualvollen und zähen Verhandlungen und Besitzerwechseln, genau dieser Fall einzutreten: Der aktuelle Eigner Wave Computing überträgt die Lizenzrechte an der MIPS-IP nun an ein chinesisches Unternehmen namens CIP United. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Quellen.

Eine Abfolge zunehmend obskurer Besitzerwechsel

MIPS, ursprünglich als ISA an der Stanford University entwickelt, galt einst als vielversprechende Prozessorarchitektur vor allem für den Servermarkt. Im Oktober 1991 war die Universitätsausgründung MIPS Computer Systems das weltweit erste Unternehmen, das mit der R4000-CPU einen 64-Bit-Prozessor anbieten konnte. Die RISC-Prozessorarchitektur machte sich in den folgenden Jahren vor allem als Kern von Silicon Graphics Renderstationen einen Namen. Doch mit dem Niedergang von Silicon Graphics geriet auch MIPS zunehmend in Vergessenheit.

Der Name war in den letzten Jahren in erster Linie durch eine schnelle Abfolge von Eigentümern in den Schlagzeilen. 2013 hatte die britische GPU-Schmiede Imagination Technologies die Rechte an MIPS erworben mit dem Ziel, sich mit der Prozessorachitektur auch als SoC-Anbieter für Embedded Systeme zu etablieren.

Dieser Plan ging nicht auf: 2017 stand Imagination Technologies selbst zum Verkauf. Die chinesische Investorengruppe Canyon Bridge übernahm das britische Unternehmen, doch auf Druck der amerikanischen Kartellbehörden musste - unter Hinweise auf Bedenken der Nationalen Sicherheit - die kalifornische Tochter MIPS abgetrennt und ausgegliedert werden.

Von Großbritannien über einen in Kalifornien ansässigen Philippino via Samoa nach China

Die Rechte an MIPS erwarb der philippinische Unternehmer Diosdado Banatao über seine Investmentfirma Tallwood Venture Capital, wodurch das Unternehmen wieder unter dem Namen MIPS Inc geführt wurde. 'Dado' Banatao war Mitgründer der Chiptechnologiefirmen Mostron, Chips and Technologies (C&T) und S3 Graphics.

Dieses Arrangement hielt allerdings nicht lange: Bereits 2018 verkaufte Tallwood die Rechte an MIPS wieder, diesmal an das KI-Startup Wave Computing - ein 2009 gegründetes Unternehmen, an dem Tallwood ein Hauptaktionär war. Eine der wenigen Entwicklungen, die Wave Computing für die MIPS-Architektur publik machte, war die Ankündigung und Umsetzung eines Open-Source-Programms für die Architektur. Von Wave Computing ging die IP später an Prestige Century Investments, ein Unternehmen, das seinen Firmenhauptsitz offiziell auf Samoa hat; der Chairman und Gründer von PCI ist allerdings gleichzeitig auch Vorsitzender und Gründer eine chinesischen Firma, die im selben Marktsegment tätig ist.

Nun meldet Reuters, dass CIP die MIPS-Lizenzrechte und das Recht zur Entwicklung abgeleiteter Produkte erhalten hat. CIP kontrolliere bereits die Entwicklung von MIPS-Derivaten in China.

Einer der größten Kunden für Bauteile dieser Art ist nach Reuters-Angaben der chinesische Elektronik-Konzern Huawei.

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