Konfliktmineralien

Mineralien aus politisch instabilen Regionen verbannen – aber wie?

| Autor / Redakteur: Gary Nevison * / Margit Kuther

Konfliktmineralien: Sie werden am häufigsten in der Region in und um die Demokratische Republik Kongo gefördert
Konfliktmineralien: Sie werden am häufigsten in der Region in und um die Demokratische Republik Kongo gefördert (Bild: Jean Ursula)

Wer verantwortlich handelt, muss auf Mineralien aus politisch instabilen Regionen verzichten. Das ist jedoch nicht einfach, denn oft ist die Herkunft vieler Metalle in der Supply Chain nicht nachvollziehbar.

Elektronik-Zulieferer und Distributoren suchen immer neue Wege, ihre Lieferkette, oder auch Supply Chain genannt, noch verantwortungsvoller zu gestalten. Durch den Kauf von Mineralien, die aus politisch instabilen Regionen stammen, laufen Unternehmen Gefahr, die dortigen Konflikte zu verstärken und zu verlängern.

In vielen dieser Regionen kontrollieren bewaffnete Gruppen illegal den Bergbau und die Handelsstraßen für Mineralien und begehen etwa durch Zwangsarbeit zahlreiche Menschenrechtsverletzungen. Nach ihrer Gewinnung werden diese „Konfliktmineralien“ auf nationalen wie internationalen Märkten verkauft und in Schmelzbetrieben oder Raffinerien zu Metallen verarbeitet. Die Metalle werden in der nachgelagerten Lieferkette weiterverarbeitet und verkauft – oftmals ohne Wissen über ihre genaue Herkunft.

Gezielte Maßnahmen können Konfliktmineralien vermeiden

Auch wenn die meisten Zulieferer sich nicht bewusst sind, an welcher Stelle Konfliktmineralien in ihre Supply Chain kommen, wird ihnen zunehmend klarer, dass dieses Problem behoben werden muss. Bei einigen Unternehmen gibt es bereits gezielte Maßnahmen, um diese Mineralien nicht mehr zu verwenden. Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch auf internationaler Gesetzesebene Bewegung.

USA wollen Konfliktmineralien aus der Supply Chain verbannen

Bereits seit einigen Jahren wollen die USA per Gesetz sogenannte Konfliktmineralien aus der Supply Chain verbannen. Als Konfliktmineralien sind in diesem Zusammenhang konkret Zinnstein, Wolframit, Coltan und Gold definiert, auch die 3TGs (aus den Anfangsbuchstaben im Englischen) definiert. Das Gesetz, das seit Juli 2010 gilt, der Dodd-Frank Act, betrifft größtenteils den US-amerikanischen Finanzmarkt.

Wolframit: eines der wichtigsten Wolfram-Erze und neben Coltan, Gold und Zinnstein oftmals eines der konfliktreichsten Mineralien
Wolframit: eines der wichtigsten Wolfram-Erze und neben Coltan, Gold und Zinnstein oftmals eines der konfliktreichsten Mineralien (Bild: Andreas Kermann / Farnell)

Aus Abschnitt 1502 geht dabei für börsennotierte US-Unternehmen im ersten Schritt auch eine Offenlegungspflicht über in der Produktion verwendete 3TGs und ihre Herkunft hervor. Stammen diese aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) müssen sie im zweiten Schritt einen Conflict Minerals Report an die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) anfertigen.

Dieser umfasst die Mechanismen zur Sicherstellung einer konfliktfreien Herkunft, die Nennung nicht „konfliktfreier“ Produkte sowie eine möglichst genaue Rückverfolgung der Lieferkette bis zur konkreten Mine. Sie können daher auch nicht-amerikanische Unternehmen betreffen, wenn diese etwa als Zulieferer agieren.

Diese Reports mussten erstmals für das Jahr 2013 angefertigt und bis zum 31. Mai 2014 eingereicht werden. Anschließend sind sie öffentlich zugänglich. Das Gesetz verbietet dabei nicht die Verwendung von Konfliktmineralien, sondern zielt darauf ab, dass durch den möglichen öffentlichen Druck auf die Unternehmen ein Umdenken einsetzt und sie auf Zulieferer konfliktfreier Materialien zurückgreifen.

Kennzeichnungspflicht verletzt Recht auf Meinungsfreiheit

Dennoch herrschte bei vielen Unternehmen Unklarheit darüber, was genau in dem Report enthalten sein müsste. Zusätzlich für Verwirrung sorgte dabei eine Aussage eines US-Gerichts, dass eine Pflicht für Unternehmen ihre Produkte entweder als „konfliktfrei“ oder „unbekannter Herkunft“ zu kennzeichnen unter Umständen eine Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit darstellt.

US-Industrieunternehmen reagierten sehr unterschiedlich

Nicht nur die Gerichte haben mit dem Gesetz ihre Probleme. In den USA waren die Reaktionen in der Industrie sehr unterschiedlich. Einige größere multinationale Elektronik-Unternehmen arbeiten intensiv an einer konfliktfreien Supply Chain. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Firmen, die den einfachsten Weg wählen und komplett auf Produkte aus der ganzen Region verzichten und gerichtlich gegen SEC (Securities and Exchange Commission) vorgehen. Darunter leiden wiederum jene lokalen Betriebe, die legale Minen betreiben und wirtschaftlich darauf angewiesen sind.

Mit Abstand das größte Problem ist für Unternehmen dabei, überzeugende Beweise zu erlangen, dass Produkte konfliktfrei sind. Dies gestaltet sich als besonders schwierig, wenn sie nicht in irgendeiner Form direkt an einer Zertifizierung oder Nachverfolgung ihrer Supply Chain beteiligt sind. Da der Anteil an konfliktfreien Schmelzen, die den Elektroniksektor versorgen, sehr gering ist, kann im Allgemeinen eher nicht davon ausgegangen werden, dass Materialien konfliktfrei sind.

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