Chinesische Investorengruppe kauft Imagination Technologies

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Der angeschlagene Chiphersteller Imagination Technologies wird an die chinesische Investmentgruppe Canyon Bridge verkauft.
Der angeschlagene Chiphersteller Imagination Technologies wird an die chinesische Investmentgruppe Canyon Bridge verkauft. (Bild: Imagination Technologies)

Imagination Technologies, Produzent der PowerVR-GPU und Eigner der MIPS-Prozessorarchitektur, gehört nun einem chinesischen Konsortium an. Käufer ist Canyon Bridge - das Unternehmen, dass erst kürzlich mit der Übernahme von Lattice am Veto des US-Präsidenten Donald Trump gescheitert ist.

Bereits vor einigen Monaten machte die Nachricht die Runde, dass Imagination Technologies nach einem Käufer suche, der wenigstens Teile des Unternehmens übernehmen möchte. Ursächlich hierfür war das Ende einer langjährigen Chippartnerschaft: Apple hatte im April 2017 angekündigt, den bestehenden Lizenzvertrag mit Imagination bis 2019 zu beenden. Apple hatte seit der ersten iPhone-Generation die PowerVR-Architektur für die Grafikprozessoren in iPhones und iPads verwendet, möchte aber künftig seine eigenen Grafikchips produzieren. Als Folge dieser Ankündigung brach der Börsenwert von Imagination innerhalb weniger Stunden um zwei Drittel seines Kurses ein. Das Geschäft mit Apple hatte nach Schätzungen etwa die Hälfte des gesamten Umsatzes ausgemacht.

Nun hat Imagination, dessen Geschäftsmodell maßgeblich auf der Lizensierung der Grafik-GPU PowerVR und der Prozessorarchitektur MIPS beruht, einen Käufer gefunden. Dabei handelt es sich einem Bericht von Reuters zufolge um den chinesischen Investor Canyon Bridge Capital Partners. Letzterer hatte in den letzten Monaten von sich reden gemacht, da die Investorengruppe am Kauf des amerikanischen FPGA-Herstellers Lattice interessiert war. Diese geplante Übernahme scheiterte allerdings letztlich am Veto von US-Präsident Donald Trump.

Nun hat die Investorengruppe den zum Verkauf stehenden britischen Chiphersteller Imagination ins Auge gefasst. 550 Millionen Pfund (ca. 627 Millionen Euro) soll die All-Cash-Transaktion nach Angaben von Reuters kosten. Demnach habe Canyon Brudge zugesagt, 182 Pence pro Aktie zu zahlen.

Allerdings ist die endgültige Kaufsumme abhängig davon, ob Imagination noch die Rechte an der Prozessorarchitektur MIPS abstoßen möchte. Imagination hatte die MIPS-Lizenzrechte – und die dazugehörige Firma MIPS mit Hauptsitz in den USA – selbst 2013 erworben. Seitdem versuchte das Unternehmen, die Architektur als eine Alternative zu ARM-basierten Produkten im Embedded-Spektrum zu etablieren.

Imagination plant derzeit noch, MIPS für 65 Millionen US-$ an Tallwood Venture Capital zu verkaufen, eine Investitionsfirma mit Büros in Palo Alto, Kalifornien und Wuxi, Südchina. Würde Imagination die Anteile an MIPS behalten, könnte der Kauf von Imagination durch eine chinesische Investorengruppe einer Überprüfung durch das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) unterliegen. Es war eine Überprüfung eben jenes Komitees, die US-Präsident Donald Trump empfohlen hatte, sein Veto zum Verkauf von Lattice einzulegen.

Welche Pläne Canyon Bridge mit dem Erwerb von Imagination verfolgt ist unklar. Das Hauptgeschäft des letzten Interessenten Lattice lag in der Produktion von FPGAs, programmierbarer Logik und Bridges für hochauflösende Videoübertragung. Viel Gemeinsamkeiten mit den Geschäftsfeldern von Imagination bestehen nicht.

Vielmehr scheint diese Kaufabsicht ein eher spontaner Teil von Chinas generellen Bestrebungen zu sein, seine Hersteller als Produzent von Halbleiter- und allgemein Elektronik-Produkten voranzubringen. Es sollen eigene innovative, wettbewerbsfähige globale Großkonzerne unter chinesischer Schirmherrschaft entstehen. In den vergangenen zwei Jahren hat die chinesische Regierung nach Reuters-Angaben mindestens 350 Milliarden Yuan (etwa 45 Milliarden Euro) für Investitionen in neue Technologien zur Verfügung gestellt.

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