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Microsoft stellt MS-DOS-Quellcode in Open-Source-Version auf GitHub

| Autor: Sebastian Gerstl

Vor 18 Jahren schickte Microsoft sein ursprüngliches Betriebssystem MS-DOS offiziell in den Ruhestand. Nun stellt das Softwareunternehmen zwei frühe Versionen des OS auf GitHub zur Verfügung: Der Quellcode zu den MS-DOS Releases 1.25 und 2.0 steht dort unter Open-Source-Lizenz bereit.

Floppy: MS-DOS 2.0 wurde ursprünglich auf 5 Disketten im 5 1/4-Zoll-Format ausgeliefert. Erst in dieser Version war das Betriebssystem überhaupt in der Lage, Diskettenkapazitäten von bis zu 360 KByte zu unterstützen.
Floppy: MS-DOS 2.0 wurde ursprünglich auf 5 Disketten im 5 1/4-Zoll-Format ausgeliefert. Erst in dieser Version war das Betriebssystem überhaupt in der Lage, Diskettenkapazitäten von bis zu 360 KByte zu unterstützen.
(Bild: Microsoft / The Computer History Museum)

Bereits 2014 hatte Microsoft den Quellcode seiner beiden Betriebssystem-Urgesteine MS-DOS 1.25 und 2.0 unter einer Open-Source-Lizenz auf der Webseite des Computer History Museum zum Download freigegeben. Diese standen standen aber noch unter einer eigenen Form von Open-Source-Lizenz, die nicht viel mehr als das Kompilieren und Ändern für eine nichtkommerzielle Nutzung erlaubte.

Nun unter vollwertiger Open-Source-Lizenz

Nun hat der Betriebssystemhersteller sich dazu entschlossen, die beiden Versionen zu "Re-Open-Sourcen": Die OS-Releases stehen nun auch, samt Quellcode, auf der jüngst von Microsoft übernommenen Open-Source-Plattform GitHub in zwei eigenen Reposoitories zum Download bereit. Diese Neuveröffentlichung auf Github hat Microsoft unter die allgemein anerkannte MIT-Lizenz gestellt, die Nutzern weitergehende Rechte einräumt

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Die neuerliche Bereitstellung erfolgt aus praktikablen Gründen: In einem GitHub-Repositorium sind Quellcode und Source-Daten leicht zu finden und es ist einfach, Querverweise anzulegen. Im ursprünglichen Release des Computer History Museum lagen die Daten dagegen nur in einem einzelnen komprimierten ZIP-Archiv vor. Microsoft verweist darüber hinaus auch noch explizit auf die Readme-Datei in dem Repository, in der es unter dem Stichwort Beitragen heißt: "Die Quelldateien in diesem Repository dienen der historischen Referenz und bleiben unverändert. Bitte sendet keine Pull-Requests, in denen Änderungen an den Quelldateien vorgeschlagen werden". Interessierte Nutzer sollen aber natürlich einen Fork des Repositorys erstellen und mit dem Code sowie eigenen Änderungen daran experimentieren.

Der Schritt zum allgemeinen OS-Anbieter

Das im 8086-Assemblecode geschriebene DOS 1.25 markierte den Punkt, an dem Microsoft von einem spezialisierten zu einem allgemeinen Betriebssystem-Anbieter wurden. Die OS-Versionen 1.0 und 1.10 waren noch exklusiv IBM-PCs vorbehalten. Mit Version 1.25 belieferte Microsoft ausdrücklich auch andere OEMs, die IBM-PC-kompatible Klone herstellten, wie beispielsweise Compaq, Zenith oder Sirius.

Die im März 1983 erstmals veröffentlichte MS-DOS Version 2.0 enthielt eine Reihe wichtiger neuer Funktionen. Dazu zählten etwa eine IBM XT-Festplattenunterstützung mit Formatgrößen von bis zu 32 MByte, benutzerinstallierbare Gerätetreiber und ANSI.SYS. DOS 2.0 war auch die erste Version, die 5.25-Zoll-Disketten in Kapazitäten von sowohl 180 KByte als auch 360 KByte unterstützte. MS-DOS 2.0 wurde ebenfalls in 8086-Assemblecode entwickelt.

Zeignis der PC-Geschichte

Streng genommen erlaubt die Veröffentlichung unter der MIT-Lizenz sogar die kommerzielle Nutzung eigener Ableger, die auf dem auf GitHub vorliegenden Quellcode der beiden DOS-Versionen basieren - was angesichts aktuell existierender, weitaus fortschrittlicherer DOS-Varianten wie etwa FreeDOS allerdings wenig praktikabel sein dürfte. Allerdings können Experimentierfreudige mit den GitHub-Versionen nun deutlich mehr anstellen als mit der 2014 veröffentlichen Variante. Microsoft bittet die Benutzer allerdings, Pull-Requests zu unterlassen, die eine Änderung der Quelldatei vorschlagen – die Quelldateien (der Sourcecode von MS-DOS 1.25 ist datiert auf den 9. Mai 1983, der von MS-DOS 2.0 auf den 3. August 1983) soll statisch verbleiben.

Die Veröffentlichung unter einer vollwertigen Open-Source-Lizenz ist allerdings in erster Linie von historischem, oder eher Computer-archäologischem Wert: DOS war ein essentieller Bestandteil der Geschichte des PCs, von seiner ursprünglichen Veröffentlichung in Version 1.0 im August 1981 bis zum letzten Release von MS-DOS 8.0, dass dem Betriebssystem Windows ME zu Grunde lag. Die einzelnen Versionen zeigen anschaulich, wie sich Leistungsmerkmale und Funktionen von PCs über die Jahre hinweg nach und nach weiterentwickelten. Die beiden Releases von MS-DOS 1.25 und 2.0 zeigen einen anschaulichen Wasserstand dessen, was im PC-Markt bis Mitte der 80er Jahre technologisch verbreitet war. Das sieht man bereits in den zwei veröffentlichen Versionen allein schon an der Anzahl an Quelldateien - während MS-DOS 1.25 gerade einmal 7 Source Files umfasst, setzt sich MS-DOS 2.0 bereits aus etwa 100 Dateien im ASM-Format zusammen.

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