Konsequenz aus Streit um Technologiediebstahl Micron zieht DRAM-Entwicklung aus China ab

Von Sebastian Gerstl

Speicherhersteller Micron plant, bis Ende des Jahres seinen DRAM-Entwicklungsstandort im chinesischen Shanghai zu schließen. Das Unternehmen reagiert damit offenbar auf jahrelange Probleme mit Technologie-Leaks und gezieltes Abwerben von Mitarbeitern durch chinesische Unternehmen.

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DDR5-Riegel von Micron: Der US-Speicherhersteller plant, die DRAM-Entwicklung am Standort Shanghai bis Jahresende aufzugeben und Angestellte in die USA oder nach Indien zu verlagern. Sind dies die Konsequenzen aus jahrenlangen Patentrechtsstreitigkeiten und Technologielecks in China?
DDR5-Riegel von Micron: Der US-Speicherhersteller plant, die DRAM-Entwicklung am Standort Shanghai bis Jahresende aufzugeben und Angestellte in die USA oder nach Indien zu verlagern. Sind dies die Konsequenzen aus jahrenlangen Patentrechtsstreitigkeiten und Technologielecks in China?
(Bild: Micron)

Der Amerikanische Speicherspezialist Micron hat beschlossen, bis Ende 2022 die DRAM-Entwicklung im chinesischen Shanghai einzustellen. Dies geht aus einem Bericht der Tagszeitung South China Morning Post hervor. Demnach habe das Unternehmen 150 beschäftigten lokalen Ingenieuren das Angebot gemacht, sich an Micron-Standorte in den USA oder in Indien versetzen zu lassen.

Mehr als ein Drittel der ausgebildeten Ingenieure an chinesische Konkurrenz verloren

Der Bericht stützte sich auf Aussagen von Marktbeobachtern vor Ort und Angestellte des Unternehmens. Demnach teilte ein ungenannter Micron-Mitarbeiter dem Blatt mit, dass die Entscheidung aufgrund des Verlustes von technischem Know-how in der Vergangenheit getroffen worden sei. In den letzten Jahren waren im großen Stil Mitarbeiter von chinesischen Konkurrenten abgeworben worden.

Der Mitarbeiter zitierte ferner eine Aussage von Chen Rang, einen chinesischem Halbleiterinvestor und Unternehmer. Demzufolge habe Micron mehr als ein Drittel eines 300-köpfigen Teams in Shanghai an Konkurrenten vor Ort verloren.

In einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte das Unternehmen Pläne, seine DRAM Engineering Group im Laufe des nächsten Jahres aus dem Shanghai Design Center auszulagern. Bis Dezember 2022 soll dieser Vorgang abgeschlossen sein. Auch sollen die Forschungsbemühungen des beteiligten Teams umgestellt werden: Das Unternehmen fügte hinzu, dass sich das Zentrum in Zukunft auf die Entwicklung von NAND- und SSD-Technologie konzentrieren werde.

Jahrelang Ärger wegen Patentrechtsverletzungen und Technologie-Leaks

Der US-amerikanische Speicherhersteller hatte in den letzten Jahren viel Ärger mit Technologiediebstahl und dem Abwandern bzw. gezielten Abwerben geistigen Eigentums an chinesische Unternehmen. Von 2015 bis 2017 hatte Micron noch in einer Technologiepartnerschaft mit der chinesischen Fujian Jinhua Integrated Circuit Co. Ltd. in China an der Entwicklung und Erforschun gneuer DRAM-Komponenten gearbeitet.

Im Jahr 2018 erhob das US-Justizministerium Anklage gegen den taiwanesischen Chiphersteller United Microelectronics Corp und die chinesische Fujian Jinhua Integrated Circuit Co Ltd.: Beide Unternehmen hätten sich verschworen, Geschäftsgeheimnisse von Micron zu stehlen. UMC beteuerte seine Unschuld, kündigte aber an, die Zusammenarbeit mit Fujian Jinhua zu beenden und erklärte sich zu einer Strafzahlung von 60 Millionen US-$ bereit.

2020 wurde der chinesische Wettbewerber UMC zudem wegen Patentdiebstahl zu einer weitern Millionenstrafe in Taiwan verurteilt: Das für den Fall zuständige Gericht sah es als erwiesen an, dass UMC sich unrechtmäßig geistiges Eigentum von Micron angeeignet hat, um damit eine eigene Chipentwicklung aufzubauen. Wegen Patentdiebstahls wurden in diesem Fall sogar drei mehrjährige Haftstrafen gegen ehemalige Micron-Taiwan-Mitarbeiter ausgesprochen, die mittlerweile für UMC arbeiteten. UMC beharrt nach wie vor auf seiner Aussage, dass seine DRAM-Technologie intern bei der UMC entwickelt wurde und auf einem ihrer eigenen Verfahren basierte; das taiwanische Urteil wird derzeit noch angefochten.

Es war der vorläufige Höhepunkt eines jahrelangen Konflikts zwischen Micron und diversen chinesischen Unternehmen, in die sich zwischenzeitlich auch der chinesische Staat eingeschaltet hatte - mit Importverboten gegen Micron-Produkte, ebenfalls wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen.

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