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Produktionsstart Anfang 2018 Microlino – der elektrische Erbe der BMW Isetta

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Nach 161.728 verkauften Einheiten ging im Jahr 1962 eine Ära zu Ende, als die letzten BMW Isetten vom Band rollten. 55 Jahre später feiert der im Volksmund Knutschkugel getaufte Zwerg seine Wiederauferstehung. Rein elektrisch, 450 Kilogramm leicht und bereits tausendfach vorbestellt: Der Microlino von Micro Mobility will wie sein Urahn erneut die Massen verzücken.

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Alt trifft neu: Der Microlino (rechts) mit einem 24-Ps-Elektromotor und 100 Kilometern Reichweite trifft die BMW Isetta mit einem 12 Ps-starken 250 Kubikzentimeter-Motor.
Alt trifft neu: Der Microlino (rechts) mit einem 24-Ps-Elektromotor und 100 Kilometern Reichweite trifft die BMW Isetta mit einem 12 Ps-starken 250 Kubikzentimeter-Motor.
(Bild: Micro Mobility)

Wer den Microlino sieht, vermutet im ersten Moment die Wiedereinführung der Isetta. Doch diesmal steckt nicht BMW hinter dem nur 2,4 Meter kurzen Fahrzeug: Micro Mobility heißt der Hersteller, der ab 2018 die ersten Microlino ausliefern will.

Gegründet wurde das Unternehmen Micro Mobility von Wim Ouboter, der bereits den Microscooter und das Kickboard erfunden hat. Nachdem er einen Beitrag im Fernsehen über eine elektrifizierte Rivolta von 1950 gesehen hatte, wusste er, dass ein moderner Kabinenroller das perfekte Stadtauto wäre. Es sollte ein umweltfreundliches, kleines und wendiges Fahrzeug sein, mit dem man stets einen Parkplatz findet und die Menschen zum Lächeln bringt.

Im Jahr 2015 wurden bereits die ersten Designentwürfe für Microlino entworfen. Auch wenn sich das Design stark an dem BMW-Klassiker anlehnt, sollten definitiv eigene Elemente mit einfließen. Man wolle zwar eine Erinnerung an die Vergangenheit kreieren, aber keine Wiederholung.

Der Name Microlino ist übrigens kein Zufall, schließlich stammt die Isetta aus Italien: Ein BMW-Händler hatte sie 1954 auf dem Genfer Salon entdeckt und ihr Potenzial erkannt. BMW erwarb die Isetta-Lizenz von der Firma Iso, integrierte einen neuen Antrieb aus einem BMW Einzylinder-Motorrad und brachte das Motocoupé rund ein Jahr später auf den Markt.

Für Testzwecke elektrifizierte Micro Mobility nun eine alte Isetta, um wie Ouboter betont, die Resultate analysieren und ein Gefühl für so ein kleines Auto bekommen zu können. Die unzähligen positiven Resonanzen auf der Straße hätten dann zu der Entscheidung geführt, das Projekt in seine nächste Phase zu führen.

Im März 2016 wurde der erste Microlino auf dem Genfer Autosalon präsentiert. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Innerhalb einer Woche lagen mehr als 500 Vorbestellung vor. Mittlerweile läge man bei 2.900 Reservierungen und würde bis Jahresende mit ca. 5.000 Stück kalkulieren.

Im April 2016 wurde dann ein Joint-Venture mit dem italienischen Autohersteller Tazzari gestartet. Tazzari gilt als Spezialist in der Entwicklung und Produktion von Elektroautos und hat mehrere Tausend Stück seines Modells Zero weltweit verkauft. Der Microlino wird voraussichtlich zum Jahresbeginn 2018 in der Tazzari-Fabrik in mitten des berühmten Motor Valley in Italien produziert.

Herzstück des Microlino soll ein 24-Ps-Elektromotor werden, dessen gesamte Batteriekapazität nach nur vier Stunden Ladezeit aufgefüllt sein soll. Für den Ladevorgang wird keine eigene Ladestation benötigt, sondern kann mit jeder haushaltsüblichen Steckdose geladen werden.

Angepeilt wird, ausreichend für seine urbane Ausrichtung, eine Reichweite von 120 Kilometern und eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Sein Urahn kam übrigens seinerseits auf 12 bzw. 13 PS und erreichte 85 Stundenkilometer in der Spitze.

Das wichtigste Element hat der Zweisitzer aber übernommen: Der Frontausstieg, mit dem es auch weiterhin möglich sein wird, direkt auf dem Gehweg Fuß zu fassen. Die moderne Isetta-Interpretation mit Retro-Charme hat aber ihren Preis: Etwas über 12.000 Euro werden für den Microlino fällig.

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