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Messverfahren erkennt Corona-infizierte Personen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Mit einer Thermokamera und einem Radarmodul sollen am Eingang eines Krankenhauses Menschen aufgespürt werden, die sich mit Corona-Viren infiziert haben. Das Interesse an dem Messverfahren ist groß.

Dr. Urs Schneider vom Fraunhofer IPA misst bei einer Probandin. Das Messsystem besteht aus einer Thermokamera und misst die Körpertemperatur sowie einem Radar, um Herz- und Atemfrequenz zu messen.
Dr. Urs Schneider vom Fraunhofer IPA misst bei einer Probandin. Das Messsystem besteht aus einer Thermokamera und misst die Körpertemperatur sowie einem Radar, um Herz- und Atemfrequenz zu messen.
(Bild: Robert-Bosch-Krankenhaus/Christoph Schmidt)

Krankenhäuser gehören aktuell zu den neuralgischen Punkten, die vor infizierten Personen mit dem Corona-Virus geschützt werden müssen. Merkmale von infizierten Personen sind Fieber, erhöhter Puls oder schneller Atem. Sie lassen sich mit einer Thermokamera und Radar messen.

Dazu haben die Fraunhofer-Institute IPA und IAO zusammen mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart ein Messverfahren entwickelt, um mit Corona-infizierte Menschen aufzuspüren. Das Verfahren misst alle relevanten Parameter aus einer Entfernung von einem Meter. Somit wird der Mindestabstand von anderthalb bis zwei Metern eingehalten.

Thermokamera und Radarmodul

Die Körpertemperatur von Personen wird über eine Thermokamera gemessen. Diese misst außerdem Herz- und Atemfrequenz über Mikrowellen. Ein Radarmodul mit Mikrodopplerverfahren kommt dabei zum Einsatz. Das Forscherteam prüft vor Ort, ob und wie genau das Messverfahren den von Krankenpflegern am Eingang erhobenen Daten entspricht und ob der Ablauf praktikabel ist. Das Verfahren wurde in nur wenigen Wochen entwickelt und soll einen Beitrag zur möglichst schnellen Eindämmung der Corona-Pandemie leisten: Ein Team um den IPA-Mediziner Dr. Urs Schneider beschäftigt sich seit Jahren mit Themen wie Arbeitsschutz, Medizintechnik, Bildverarbeitung und Objekterkennung – und beherrscht damit alle nötigen Messverfahren.

Die Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sorgen für die ideale Prozessintegration der technologischen Innovation des Fraunhofer IPA. In diesem Zusammenhang analysieren die Wissenschaftler neben der Usability für Krankenhauspersonal und Patienten vor allem Bewegungsabläufe der Patienten und Behandlungsketten über eine kontaktlose Bewegungssensorik. Ziel ist es, die Messtechnik in kurzer Zeit in den Aufnahmeablauf des Krankenhauses zu integrieren.

Das Know-how haben die Mediziner, Ingenieure und Arbeitsorganisationsexperten nun genutzt, um in der Krise mit anzupacken. Im Eiltempo bauten sie einen Prototyp zusammen. Dabei haben sie auch an den Datenschutz gedacht: Die Patientendaten werden nicht gespeichert, sondern anonymisiert in einer Papiertabelle dokumentiert.

Interesse von Pflegeheimen und Flughäfen

Zusammen mit dem Ärztlichen Leiter der Notaufnahme des Robert-Bosch-Krankenhauses, Dr. Christoph Wasser, läuft nun der erste Testlauf. Die automatisierte Untersuchung dauert nicht länger als die herkömmliche. Ob man neben den anderen Vorteilen auch Personal einsparen kann, muss sich erst noch zeigen. Das Interesse an dem mobilen „Access Checker“ ist groß.

Andere Einrichtungen wie die Universitätsklinik Tübingen sowie mehrere Corona-Checkstationen in der Umgebung möchten das neue Verfahren ebenfalls einsetzen. Das Fraunhofer IPA will innerhalb von nur zwei Wochen vier weitere Systeme bauen. Auch ein Patent ist angemeldet. „Wir sind überzeugt, ein vernünftiges Konzept entwickelt zu haben, das auch dann noch zum Einsatz kommen kann, wenn die Corona-Krise vorbei ist“, sagt Schneider. Er denkt dabei nicht nur an Krankenhäuser und Pflegeheime, sondern auch an Flughäfen und andere wichtige Einrichtungen. Denn Infektionswellen wird es immer geben.

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