Molekularer optischer Drucksensor für Festkörper und Lösungen

| Redakteur: Hendrik Härter

Molekularer Rubin in fester (rot) und gelöster (gelb) Form kann berührungsfrei den Druck messen.
Molekularer Rubin in fester (rot) und gelöster (gelb) Form kann berührungsfrei den Druck messen. (Bild: Sven Otto, JGU)

Wissenschaftler haben einen sogenannten molekularen Rubin entwickelt, mit dem sich präzise Druckänderungen überwachen lassen. Experimentiert wurde mit Drücken bis 45.000 bar.

Mithilfe eines hochempfindlichen molekularen optischen Drucksensors haben Forscher eine Möglichkeit entwickelt, den Druck im Festkörper und in einer Lösung zu messen. Inspirieren ließen sich die Chemiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Universität Montreal aus Kanada vom Edelstein Rubin. Allerdings handelt es sich um ein wasserlösliches Molekül und nicht um einen unlöslichen Feststoff wie der bekannte Edelstein.

Das in der Gruppe von Prof. Dr. Katja Heinze am Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie entwickelte molekulare Rubin kann wie der Rubin selbst im Festkörper Druck messen, aber darüber hinaus dank seiner Löslichkeit auch in Lösungen. Somit eröffnet dieses molekulare System Anwendungsmöglichkeiten in der Materialwissenschaft, der homogenen und heterogenen Katalyse und in allen Feldern, wo Druckänderungen überwacht werden müssen.

Druck bis 45.000 bar messen

Der Vorgang der Druckmessung mit dem molekularen Rubin ist denkbar einfach. Die betreffende Stelle wird mit blauem Licht bestrahlt, der molekulare Rubin absorbiert dieses Licht und sendet daraufhin Infrarotstrahlung aus. Je nach Druck ändert sich die Energie des ausgesendeten Lichts in empfindlicher Weise. Anhand dieser Energie kann der vorherrschende Druck abgelesen werden.

Mit Drücken bis zu 45.000 bar hat Sven Otto, Doktorand aus der Arbeitsgruppe Heinze, in den Laboren der Gruppe von Prof. Dr. Christian Reber an der Universität Montreal experimentiert. Der Forschungsaufenthalt von Sven Otto war von der Exzellenz-Graduiertenschule Materials Science in Mainz (MAINZ) finanziert worden.

„Die höchsten Drücke, die wir in einer sogenannten Diamantstempelzelle gemessen haben, sind etwa 45 Mal höher als der Druck an der tiefsten Stelle des Ozeans“, erläutert Otto. „Die sehr großen Effekte, die wir erzielt haben, sind überwältigend“, ergänzt Professor Christian Reber, ein Experte der Lumineszenzspektroskopie bei hohen Drücken und derzeit ein vom DAAD geförderter Gastwissenschaftler an der JGU. Tatsächlich sind die Effekte bis zu 20 Mal stärker als die des Edelsteins Rubin.

Das Prinzip der optischen Druckmessung mit Chromverbindungen war bereits zuvor bekannt. Jedoch sind alle diese Verbindungen, wie der Rubin selbst, unlöslich. Somit waren optische Druckmessungen in einer Lösung mit einer einzigen Art von gelösten Molekülen bislang nicht möglich. „Unser molekular Rubin jedoch beherrscht dieses Kunststück“, sagt Professorin Katja Heinze. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse den Weg für völlig neue Anwendungen über die klassischen Anwendungen hinaus, zum Beispiel in der homogenen Katalyse oder in biologischen Systemen, ebnen werden. Wir arbeiten auch genau in diese Richtung weiter“, fügt Heinze hinzu.

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