Digitale Produktion Mensch im Mittelpunkt: App sorgt für bessere Arbeitsabläufe

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Trotz vernetzter Industrie arbeiten die Menschen immer noch mit Zettel und Stift. Das ist gefährlich. Ein Start-up aus Berlin entwickelt modulare, cloudbasierte Apps für eine komplett neue Arbeitsweise in der Fabrik.

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Digitales Arbeiten: Mit einer App für eine komplett neue Arbeitsweise in der Fabrik.
Digitales Arbeiten: Mit einer App für eine komplett neue Arbeitsweise in der Fabrik.
(Bild: 5thIndustry)

Erst sollen Maschine und Roboter allein arbeiten, dann wieder zusammen mit dem Menschen: Willkommen bei Industrie 5.0. Stand bei Industrie 4.0 die Maschine im Mittelpunkt, so ist es jetzt wieder der Mensch. Das ist das zentrale Merkmal der nächsten Industrierevolution. Doch ganz weg war der Mensch in der digitalen Produktion nicht. Trotz Industrie 4.0 und Millionen von IT-Investitionen in Fabriken weltweit, wird immer noch sehr viel Papier eingesetzt. Der Mensch tickt analog. Doch hier können Fehler beim Austausch von Informationen entstehen, weil Daten nicht in Echtzeit übertragen werden. Oder die Potenziale der Mitarbeiter werden schlicht nicht genutzt.

Hier soll eine App helfen: Das mittlerweile 10-köpfige Team des Berliner Start-up 5thIndustry aus Softwarespezialisten entwickelt modulare, cloudbasierte Apps für unterschiedliche Anwendungsfälle in der Produktion. Auf Basis der Grundpfeiler

  • Instandhaltung,
  • Qualitätsmanagement,
  • Planen und Dokumentieren sowie
  • Gesundheit und Sicherheit

programmiert das Team Apps, die bereits bei namhaften Unternehmen für optimierte und erfolgreiche Prozesse sorgen.

Der Mensch soll wieder kreativ arbeiten

„Für die produzierende Industrie sehen wir einen enormen Investitionsbedarf in digitale Entwicklungen für den Shopfloor“, bringt es Co-Founder Dr. Robert Harms von 5thIndustry auf den Punkt. Seine Vision der Industrie 5.0: „Eine Arbeitsumgebung, die den Menschen maximal entlastet, intuitiv bedienbar ist und gewährleistet, dass er sich optimal auf die kreativen Inhalte seiner Tätigkeit konzentrieren kann. In die Gestaltung seiner digitalen Arbeitswelt ist der Mensch aktiv eingebunden, ihre kontinuierliche Weiterentwicklung ist selbstverständlicher Teil seiner Tätigkeit.“

Die Vision von Harms blieb keine Theorie, sondern zeigte anhand von Praxisbeispielen wie die Softwarespezialisten heutige Fabrikprozesse optimieren können. Ein Beispiel ist das Großprojekt beim Siemens Dynamowerk in Berlin. Im Fokus der Produktion stehen dort elektrische Großmaschinen als Antriebe für Industrie und Schifffahrt. Die Qualitätsanforderungen sind hoch, viele Arbeitsschritte sind präzise zu dokumentieren – in der Vergangenheit größtenteils auf Papier.

Allerdings erwies sich das Vorgehen als sehr zeitintensiv: Lange Wartezeiten, fehlende Unterschriften, beschädigte Dokumente – Unklarheiten, Mehraufwände und letztlich auch frustrierte Mitarbeiter waren die Folge.

Mobile App am Beispiel Siemens

Die App „5i.Protocol“ protokolliert Abläufe und unterstützt das Qualitätsmanagement.
Die App „5i.Protocol“ protokolliert Abläufe und unterstützt das Qualitätsmanagement.
(Bild: 5thIndustry)

Der Vorgang wurde auf Wunsch der Mitarbeiter zusammen mit dem Werkleiter optimiert und modernisiert. Die Wahl fiel auf 5thIndustry: Die Experten implementierten für das Siemens Dynamowerk die App 5i.Protocol,. Sie protokolliert Abläufe und unterstützt das Qualitätsmanagement. Die App läuft aktuell auf den Smartphones und Tablets der 150 Produktionsmitarbeiter sowie auf großen Touchscreens an den Maschinen. Aufgebaut ist die App ähnlich wie die analogen Papierprotokolle.

Alle Mitarbeiter bekommen sämtliche Informationen für ihre Arbeit über die App. Die Daten aus ihren Arbeitsschritten können sie direkt in die mobile Software einspeisen. Das Ergebnis: Enorme Zeit- und Ressourceneinsparung gepaart mit modernen digitalen Prozessen.

Biologische Transformation der Produktion

Neben der Praxis sind die Software-Profis auch in Forschungsprojekten aktiv: 5thIndustry ist Gründungsmitglied im Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science. In diesem Rahmen engagiert sich das Team im Umfeld des produktionstechnischen Wandels mit dem Schwerpunkt „Elektrische Antriebe“. Dieses hat zum Ziel, die wettbewerbsfähige elektrische Maschine der Zukunft zu entwickeln.

Die Forschungsergebnisse sollen auf verwandte Felder, wie Bahnantriebe, angewendet werden. Zudem ist das Team im BMBF-Forschungsprojekt „BioFusion 4.0“ aktiv, gemeinsam mit der Mercedes Benz AG, der TU Berlin, dem Fraunhofer IPK und weiteren mittelständischen Partnern. Das Ziel: Die Entwicklung von Anwendungen für die nachhaltige biologische Transformation der Produktion. Diese sollen anhand von industriellen Anwendungsfällen diskreter Produkte demonstriert werden.

„Wir sind darin bestrebt unser Know-how auch in der Forschung einzubringen und uns durch die Kooperation mit Partnern stetig weiterzuentwickeln. Durch die Zusammenarbeit schaffen wir neue Meilensteine für optimierte Prozesse in Fabriken“, blickt Harms in die Zukunft.

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