Meilensteine der Elektronik

Vom Lernprogramm zum Thermodruck-Spezialisten

| Autor / Redakteur: Diana Zimmermann * / Hendrik Härter

Experte: GeBE ist seit 50 Jahren in der Datenein- und -ausgabe zuhause. Angefangen hatte es mit Lernprogrammen für Schreibmaschinen. Die aktuelleste Entwicklung ist ein Testsystem für Thermopapiere.
Experte: GeBE ist seit 50 Jahren in der Datenein- und -ausgabe zuhause. Angefangen hatte es mit Lernprogrammen für Schreibmaschinen. Die aktuelleste Entwicklung ist ein Testsystem für Thermopapiere. (Bild: GeBE)

Die Geschichte von GeBE begann als Ingenieurbüro mit einem mechanischen Lernprogramm für Schreibmaschinen. 50 Jahre später entwickelt das Unternehmen Mikroprozessorgesteuerte Testgeräte für Thermodrucker.

Eine Schreibmaschine wurde bei GeBE nie entwickelt. Aber als Lernprogramme für Schreibmaschinen populär waren, tat das frisch gegründete Ingenieurbüro GeBE gerade die ersten Schritte. Und einer dieser ersten Schritte auf dem Weg durch die Unternehmensgeschichte lag tatsächlich bei Entwicklungen für Unterrichtszwecke. Zunächst ging es um mechanische Steuerungen, doch bald schlug das Ingenieurbüro den Kurs über die Miniprozessor- zur Mikro-Prozessortechnik ein. Als GeBE Elektronik und Feinwerktechnik GmbH machte sich das Ingenieurbüro aus Germering auf den Weg zum Experten für Dateneingabe- und Datenausgabegeräte. Der Thermodruck hat sich als Kernkompetenz etabliert, wird gepflegt und mit stets neuen Entwicklungen gespickt. Doch der Reihe nach.

Begonnen hatte alles mit Gert Breidenbach, einem Ingenieur, und seiner Frau Brigitte. Gert Breidenbach verfügte über Weitblick, Visionen und einer gesunden Portion Risikobereitschaft. Im Jahr 1965 gründete er die Gert Breidenbach Elektronik, kurz GeBE, ein Ingenieurbüro für Geräteentwicklung. Brigitte Breidenbach war zu dieser Zeit in einem Entwicklungslabor bei Siemens angestellt. Sie unterstützte ihren Mann mit gleichermaßen ausgeprägtem technischen wie betriebswirtschaftlichen Gespür. Geprägt durch seine Tätigkeit bei den Perutz-Photowerken in München, war die erste Entwicklung eine Quellungsmessapparatur, um Quellschichten an fotografischen Filmen zu messen.

Wir waren jung, unternehmungslustig und risikofreudig

Ab 1973 entwickelte Gert Breidenbach für Intertip in München Hilfsmittel, um Schreibmaschine zu erlernen oder den vorschulischen Unterricht zu unterstützten. Parallel entwarf Breidenbach von Mikrocomputer gesteuerte Lernsysteme. Hinzu kamen audiovisuelle, autonome Lerngeräte nach der Multiple-Choice-Methode. Als erstes Mikrocomputer-Entwicklungssystem diente ein auf den Motorola 6800 basierender Europakarten-Rechner. Aus einem Audiobandlaufwerk wurde ein mit FSK-Modulation ausgerüstetes Tonkassetten Bandgerät zur Datenspeicherung für Textverarbeitungsmaschinen entwickelt.

„Wir waren sehr jung, unternehmungslustig und risikofreudig und da haben wir das Ingenieurbüro gegründet. Wir wollten unabhängig und frei sein in unseren Entscheidungen“, beschreibt Brigitte Breidenbach die Motivation zur Selbständigkeit heute. Etwa 1974 wurden Entwicklungen für die Unterrichtstechnologie nicht mehr vom Staat unterstützt und namhafte Firmen, für die GeBE bislang tätig gewesen war, stellten diese Sparte ein.

Der Mikroprozessor wurde immer wichtiger

GeBE musste sich neu orientieren und erkannte in der Mikro-Prozessortechnik den künftigen Weg. Geboren war das erste eigene Ein-/Ausgabegerät: Megatron aus München-Putzbrunn ließ sich in Germering für die Ansteuerung von Drucknadeln einen Spannungswandler entwickeln. Auf Basis eines Metallpapier-Druckwerkes entwarf GeBE einen graphischen Drucker mit einhundert Druckpunkten pro horizontaler Linie für das REFA Zeiterfassungssystem mit 10 parallel laufenden Stoppuhren und Displayanzeige.

Im Jahr 1976 erweiterte GeBE den Singleboard Computer APPLE 1, der im Grunde kaum mehr als eine bestückte Platine war, mit einem Europakarten-Bus. Entstanden war daraus ein offener Industriestandard, der EUROBUS. Eingesetzt wurde der Bus im Europakartensystem der Firma EKF Elektronik in Hamm.

Für Megatron wurden S100-Bus-Systeme in industrietauglichen Gehäusen zusammengestellt und mit Peripherie ausgestattet. Tastaturen, Drucker, Magnetbandspeichergeräte, erste 8-Zoll-Harddisks, 8-Zoll- und 5-Zoll-Floppy-Disks sowie Sprachein- und -ausgabe wurden ergänzt. Die Verbindung der Unternehmen mündete schließlich in einer strategischen Zusammenarbeit. Seit dem Wechsel des GeBE Inhabers in die Geschäftsführung der von Megatron gegründeten Datamega KG Ende der 1970er Jahre wurden Kleinserien von Controllern und anderen elektronischen Baugruppen im Ingenieurbüro gefertigt und über den Partner vertrieben. Der enge Kontakt zu Megatron besteht bis heute.

Ab 1985 startete Produktion, Entwicklung und Vertrieb

Eine gewisse Affinität zu Apple zieht sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen und durch die Famile Breidenbach. Beide Söhne entwickeln in ihrem Unternehmen Boinx Software Ltd. Software für Anwendungen auf Apple Geräten. Der mobile GeBE-FLASH-Thermodrucker wurde 2011 zum ersten Apple-lizenzierten, mobilen Bluetooth-Thermodrucker für iPhone, iPad und iPod weiter entwickelt.

1985 gelang der Sprung zum Unternehmen mit Produktion, Entwicklung und Vertrieb. Die GeBE Elektronik und Feinwerktechnik GmbH mit Brigitte Breidenbach als Geschäftsführerin wurde gegründet, die Produktion ausgeweitet und eine Entwicklungsabteilung für Kleindrucker und Tastaturen entstand. Speziell für den industriellen Einsatz geeignete Thermodrucker gab es noch nicht, und Metallpapierdrucker hatten sich in eine Marktnische zurückgezogen. Also produzierte das Unternehmen vornehmlich Kleindruckersysteme auf der Basis von Epson-Shuttle-Druckwerken.

Daneben entwickelte und produzierte GeBE Videocontroller, LC-Display-Einbausysteme und industrietaugliche Tastaturen. Gert Breidenbach kehrte Ende der 1980er Jahre in seine Firma zurück. Im Jahr 1993 ergriff GeBE die Chance, sich mit der Entwicklung und dem Vertrieb moderner Thermodrucker-Syteme zu etablieren. Parallel dazu wurde der seit 1988 aufgebaute Vertrieb für Tastaturen verselbständigt und weiter voran getrieben.

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