Meilensteine der Elektronik Mehr Sicherheit dank lichtgeführter Bedienung

Autor / Redakteur: Christian Pokrandt * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Ein Meilenstein bei Griessbach ist die selbst-entwickelte Leuchttaste. Projektentwickler Christian Pokrandt schildert den Entwicklungsgang des Unternehmens und des Konzepts der lichtgeführten Bedienung.

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Lichtgeführte Bedienung: Das Konzept entstand auf Basis der Leuchttaste und hilft dabei, die Sicherheit bei Maschinen und Anlagen zu erhöhen.
Lichtgeführte Bedienung: Das Konzept entstand auf Basis der Leuchttaste und hilft dabei, die Sicherheit bei Maschinen und Anlagen zu erhöhen.
(Bild: Griessbach)

Von der Schalterfertigung zum Systemanbieter kompletter Bediengeräte – so lässt sich die Entwicklung von Griessbach zusammenfassen, in dem ich seit nunmehr 40 Jahren arbeite. Allerdings verlief der Prozess keineswegs immer geradlinig, sondern konnte nur durch Produktionsumstellungen und Weiterentwicklungen vorangetrieben werden.

Entscheidenden Anteil am Erfolg hatte die selbst-entwickelte Leuchttaste, die wir 1999 in enger Abstimmung mit einem langjährigen Kunden als Alternative zu hochpreisigen Leuchtdrucktastern entworfen haben.

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Statt wie bisher einzelne Komponenten zu Tastaturen zu verlöten, konnte das Unternehmen von da an die gesamte Tastaturfertigung einschließlich der Taster und Kappen aus werkseigener Produktion anbieten. Das eröffnete neue Möglichkeiten in der Produktentwicklung. Auf Basis der Leuchttaste entwarfen wir das Konzept der lichtgeführten Bedienung. Es umfasst heute ein ganzes Spektrum von Beleuchtungsoptionen, die miteinander kombiniert eine besonders übersichtliche und verbesserte Maschinenbedienung gewährleisten. Dazu zählen die funktionsabhängige Teilbeleuchtung einzelner Tasten, die Signal- und Nachtbeleuchtung, Anzeigen durch Farbwechsel sowie das Ausblenden inaktiver Funktionen.

Spezialist für Schalter, Kontakte und Steckverbinder

Zu den prägenden Eindrücken meines Berufslebens gehört sicherlich die schwierige Phase der Umstrukturierung. Anfang der 1990er Jahre befand sich auch unser Unternehmen, der damalige VEB Kompaktbauelemente Luckenwalde, an einem Wendepunkt. Es herrschten turbulente Zeiten, in denen potenzielle Investoren unsere Werkhallen in Luckenwalde besichtigten, während wir dort im Auftrag eines führenden Elektronikkonzerns Schaltelemente in Lohnleistung fertigten.

Als Spezialist für Schalter, Kontakte und Steckverbinder verfügten wir über qualifizierte Mitarbeiter und die erforderlichen Gewerke von der Kunststoffspritzerei über die Stanzerei bis zum Werkzeugbau. Mit anfangs nur drei Montagekräften stellten wir erste Testreihen her und konnten den Auftraggeber überzeugen. Nach und nach wechselten Sortimente dieser Produktgruppe aus Belgien nach Luckenwalde. Mit der Grießbach Feinmechanik fanden wir einen Zulieferer, der uns die benötigten kleinen Drehteile für Steckverbinder und Schalter anfertigte. Die guten Geschäftsbeziehungen mündeten schließlich 1993 in die Aufnahme unseres Unternehmens in die Richard Grießbach Gruppe und den Aufbau einer neuen Produktionssparte.

Da wir die technischen Voraussetzungen für die Bestückung elektronischer Baugruppen mitbrachten und in den 1980er Jahren zeitweilig schon an der Entwicklung von Tastaturen gearbeitet hatten, lag es nahe, den Schritt vom Schalter über die Tastatur zum Bediensystem zu unternehmen. Unsere ersten Abnehmer, Druckmaschinenhersteller sowie Produzenten von Kunststoffverarbeitungsmaschinen und Laborzentrifugen zählen weiterhin zum Kundenstamm, der sich seitdem um namhafte Unternehmen aus dem Bau- und Landmaschinensektor sowie dem Schienenfahrzeug- und Maschinenbau vergrößert hat.

Entwicklung und Fertigung erfolgen im Haus

Wie die ursprüngliche Leuchttaste entspringen viele Neuentwicklungen konkreten Kundenanforderungen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass am Konferenztisch eines Auftraggebers ein vorgestelltes Muster nach seinen Vorstellungen umgestaltet wird. So hatten wir zunächst Tasterkappen mit ein bzw. zwei integrierten Trennelementen entworfen, durch die sich ein Taster in bis zu vier Segmente unterteilen lässt, um verschiedene Schaltzustände anzuzeigen.

Im Kundengespräch mit einem Maschinenbauer ergab sich jedoch der Wunsch, statt einer symmetrischen Unterteilung ein großes beleuchtetes Symbolfeld mit zwei Status-LEDs zu kombinieren. Das hat sich bewährt und bildet die Grundlage für die CAN-Tastermodule und die meisten Bediensysteme, die an Land- und Baumaschinenhersteller ausgeliefert werden. Um kundenspezifische Komplettlösungen auch in kleinerer Stückzahl anbieten zu können, führen wir fast alle Entwicklungs- und Fertigungsschritte selbst aus. Das reicht von der Baugruppenbestückung über die Frontplatten- und Gehäusefertigung, den Foliendruck bis zur Hard- und Softwareentwicklung.

Weil neben der technischen Umsetzung auch hohe Wirtschaftlichkeit verlangt ist, arbeiten wir kontinuierlich an Detailverbesserungen für eine kostenoptimierte Fertigung. So stellte ich mir beispielsweise die Frage: Brauchen wir wirklich noch vier Leuchtdioden, um unsere Taster homogen auszuleuchten? Als Antwort darauf konstruierten wir ein spezielles Diffusorplättchen, das in die Tasterkappe eingesetzt wird und dieselbe gleichmäßige Lichtverteilung mit nur zwei LEDs bewirkt. Diese material- und damit kostensparende Lösung setzen wir jetzt serienmäßig in unseren Bediensystemen ein.

Neue Anforderungen stellen sich mit der komplexer werdenden Regelungstechnik. Während im Nutzfahrzeugbereich derzeit noch überwiegend CAN-basierte Anzeige- und Eingabegeräte zum Einsatz kommen, werden künftig vermehrt Ethernet-fähige Systeme gefragt sein, die größere Bandbreiten und eine Datenkommunikation in Echtzeit bieten.

* Christian Pokrandt ist Projektentwickler bei Griessbach in Luckenwalde bei Berlin.

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