Electronic Design Automation Mehr Rechenleistung für Chinas Chipentwickler in der Cloud

Autor / Redakteur: Henrik Bork * / Margit Kuther

Mit großem Tempo, arbeiten chinesische EDA-Unternehmen an eigenen Cloud-Lösungen für das Chip-Design. Ein Beispiel ist die chinesische Firma Xpeedic in Shanghai, die gerade ihre EDA Cloud-Plattform auf Microsoft Azure vorgestellt hat, berichtet das chinesische Fachportal Techweb.

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Die Verlagerung von EDA in die Cloud ist nun auch in China einer der großen Entwicklungstrends.
Die Verlagerung von EDA in die Cloud ist nun auch in China einer der großen Entwicklungstrends.
(Bild: Clipdealer)

Bei der Implementation von Cloud-Lösungen in den verschiedensten Industrien ist China bereits seit mehreren Jahren international führend. Doch ausgerechnet beim Chip-Design liegt man in puncto Cloud im Vergleich zu führenden EDA-Anbietern im Ausland noch ein wenig zurück. „Der Umzug in die Cloud, vor wenigen Jahren noch eine Ausnahme für viele Firmen, ist nun zur Normalität geworden. Allerdings hinkt Chip Design im Vergleich zu anderen Industrien in China da ein wenig hinterher,“ schreibt das chinesische KI-Fachmedium „AI Shangye“.

EDA verlagert sich in die Cloud

Das ändert sich gerade. Momentan sei die Verlagerung von EDA in die Cloud einer der großen „Entwicklungstrends für die Industrie“ in China, zitiert das Fachmagazin Bandaoti Hangye Guancha den Präsidenten von Synopsis China, Ge Qun. Der Trend habe 2019 begonnen und beschleunige sich gerade stark, heißt es in dem Bericht.

Cloud-Lösungen seit vielen Jahren in den Roadmaps

Die „drei Großen“ der EDA-Branche - Synopsis, Cadence und Siemens EDA (vormals Mentor Graphics) haben Cloud-Lösungen bereits seit vielen Jahren in ihre Roadmaps integriert. Nun entdecken auch chinesische Unternehmen, die im Bereich EDA teilweise mit staatlicher Förderung versehen rasch aufholen, die Vorteile der Cloud.

Cloud bietet beinahe unbegrenzte Rechenleistung und große Ressourcen

Die neue EDA-Cloud-Plattform von Xpeedic stelle Kunden in den Bereichen Halbleiter, Packaging oder Systeme eine „beinahe unbegrenzte Rechenleistung und große Ressourcen wie Memory und Storage“ zur Verfügung,“ schrieb die in Shanghai beheimatete Firma Mitte August in einer Pressemeldung zur Vorstellung ihrer Cloud-Lösung auf der DesignCon 2021 in San Jose.

Immer größere Rechenleistungenerforderforderlich

Die immer komplexeren Design-Aufgaben bei der Entwicklung moderner Chips erfordern immer größere Rechenleistungen. Weder die teuren „Engineering Workstations“ der Vergangenheit noch Server-Farmen mit langen Regalen voller Rechner können da mithalten. Besonders für kleinere EDA-Anbieter in China ist die Organisation ausreichender Computer-Power eines der größten Probleme.

Kleine Unternehmen dominieren in China

Derzeit gibt es 2.218 Chip-Design-Firmen in der Volksrepublik und 87 Prozent davon sind kleine Unternehmen mit weniger als 100 Angestellten, ist einer Statistik der China Semiconductor Association aus dem vergangenen Jahr zu entnehmen. Sie kämpfen um Talente und um Finanzierung, um sich genügend Rechenleistung zu sichern. Gleichzeitig wächst der Druck seitens ihrer Auftraggeber, die Chip-Produkte immer schneller auf den Markt zu bringen, schreibt AI Shangye.

Zeitaufwändige Simulationen in der Cloud

Für die früher zeitaufwändigen Simulationen bietet sich gerade für kleinere EDA-Firmen die Cloud an. „In der Vergangenheit nutzte man eine Maschine zum Kalkulieren eines Tasks und brauchte dafür 100 Stunden. Heute können das 100 Maschinen in der Cloud in einer Stunde erledigen,“ heißt es in dem Bericht. Auch die Kollaboration zwischen Forschung & Entwicklung und Design sei in der Cloud leichter.

Neue Cloud-Ära für Chipdesign

„Eine neue Cloud-Ära für Chipdesign“ beginne gerade in China, schreibt das Fachmagazin. Und internationale EDA-Marktführer wie Synopsys unterstützen die chinesische Industrie kräftig bei dieser Transformation. In ihrem neuen Bürogebäude im Stadtteil Yangpu in Shanghai hat Synopys am 26. August beispielsweise ein Seminar mit dem Titel „Joint Innovation Digital Future“ veranstaltet, in dem der Aufbau von chinesischen EDA-Cloud-Plattformen ein großes Thema war.

Man wolle die chinesische Industrie und insbesondere den Chip-Markt durch fortschrittliche EDA-Technologie in der Cloud stärken, hieß es den Medienberichten zufolge bei Synopsys in Shanghai.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den chinesischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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