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Mehr Leistung für ihr persönliches Fahrerprofil

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Als Hurrikan Irma in Florida wütete, überraschte Tesla Motors seine Kunden mit einem Service: Um den teilweisen Ausfall der Lade-Infrastruktur auszugleichen, bekamen Besitzer eines Tesla Model S ein kostenloses Software-Update spendiert. Dieses hob die Batteriekapazität ihrer Modelle vorübergehend von 60 auf 75 kWh an. Eine voll geladene Tesla-S-Batterie hatte nun eine Reichweite von 240 Meilen statt zuvor 200.

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Sebastian Gerstl, Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: „In Zukunft legen Sie sich Fahrerprofile an, welche effektiv Reichweite undLeistung Ihres Fahrzeugs bestimmen.“
Sebastian Gerstl, Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: „In Zukunft legen Sie sich Fahrerprofile an, welche effektiv Reichweite undLeistung Ihres Fahrzeugs bestimmen.“
(Bild: VBM)

Wie ist das möglich? Nun, Tesla hatte in seinen Model-S-Fahrzeugen von Anfang an Batterien mit 75 kWh Leistung verbaut. Käufern wird aber diese Variante nur gegen Aufpreis angeboten. Wer sich für die günstigere 60-kWh-Version entscheidet, bekommt keine neue Batterie. Statt dessen wird die Leistung per Software gedrosselt. Wer später das stärkere Modell will, kann sich die zusätzliche Leistung weiterhin per Update freischalten lassen. Gegen Aufpreis, versteht sich.

Hieran kann man gut sehen, welche Macht Embedded Software im modernen Autozeitalter besitzt. Aber warum hier aufhören? Auch Motorleistung ließe sich per Software-Update drosseln. Fahrzeuganbieter könnten Aktionswochen anbieten: Für die nächsten 14 Tage hat Ihr Motor 40 PS mehr. So können Sie prüfen, ob sie die zusätzliche Power haben wollen.

Oder Sie legen private Fahrerprofile an, die über individuellen Fahrzeugschlüssel oder Daumenabdruck abgerufen werden: Während Papa die vollen 200 PS des nagelneuen PKW ausnützt, gibt sich Mama vielleicht mit 140 zufrieden. Der 18-jährige Sprössling kriegt dagegen nur 80 - das freut dann auch die Versicherung. Nach Ablauf der Probezeit kann das Profil schließlich aktualisiert werden - und schon darf auch Junior mit Vollgas auf die Autobahn. Apropos Vollgas: Notorische Raser bekämen vielleicht künftig Over-the-Air eine Motorbremse verpasst, statt weiter Punkte in Flensburg zu sammeln.

Wegweisend oder Horrorvision? Eines ist jedenfalls klar: Software wird in Zukunft deutlich mehr Aspekte unseres Lebens entscheidend mitbestimmen.

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