Mehr Funktionssicherheit für ICs: Siemens kauft Austemper Design Systems

Redakteur: Michael Eckstein

Fehler schneller simulieren: Mit der Übernahme will das zu Siemens gehörende Mentor Graphics seine Expertise im Bereich IC-Design- und Verifikationstechnologie für die Automobilbranche stärken und das eigene Digitalisierungsportfolio für ISO 26262 ausbauen.

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Funktionssichere ICs designen: Durch die Übernahme von Austemper will Siemens/Mentor seine Test- und Verifikations-Tools für das Design integrierter Schaltkreise ausbauen.
Funktionssichere ICs designen: Durch die Übernahme von Austemper will Siemens/Mentor seine Test- und Verifikations-Tools für das Design integrierter Schaltkreise ausbauen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Siemens hat eine Übernahmevereinbarung mit Austemper Design Systems Inc. unterzeichnet. Das Software-Startup aus Austin im US-Bundesstaat Texas hat sich mit seinen Lösungen auf die Analyse, Autokorrektur und Simulation von Halbleiter-Schaltungsdesigns fokussiert. Mit der Technologie des Unternehmens können Kunden die funktionale Sicherheit von IC-Designs testen und optimieren.

Dies ist eine wichtige Voraussetzung für viele anspruchsvolle Applikationen, die die strengen Auflagen von Sicherheitsstandards wie ISO 26262 erfüllen müssen und bei denen Funktionssicherheit und höchste Zuverlässigkeit unerlässlich sind – etwa Anwendungen in der Automobilbranche, Luft- und Raumfahrttechnik und weiteren industriellen Applikationen.

Dreifachkontrolle integrierter Schaltkreise

Die Funktionssicherheit integrierter Schaltkreise, die in diesen Anwendungsbereichen eingesetzt werden, muss auf drei unterschiedliche Weisen verifiziert werden: Erkennung systemischer Fehler, bösartiger Fehler sowie zufällig auftretender Hardware-Fehler. Die „Questa“-Software von Mentor ist eine führende Technologie zur Verifikation systemischer Fehler und bietet zudem Verifikationslösungen für bösartige Fehler an, die die IC-Sicherheit beeinträchtigen.

Die Softwaretechnologie von Austemper ergänzt nach Angaben von Mentor die eigene Verifikationsplattform durch fortschrittliche Technologien für Sicherheitsanalysen, Autokorrekturen sowie eine Fehlersimulation zum Erkennen zufällig auftretender Hardware-Fehler. Sie erweitere nahtlos die marktführende Produkt-Suite „Tessent“ für hochmoderne Funktionssicherheitstechnik sowie die „Veloce“-Plattform von Mentor. Kunden würden damit das industrieweit umfassendste Portfolio erhalten.

Analyse der RTL-Code-Versionen

Laut Mentor nutzen Designteams führender Halbleiter- und IP-Unternehmen die Lösungen von Austemper zurAnalyse der RTL-Code-Versionen (Register Transfer Level) ihrer Designs, um Fehler oder Schwachstellen sicher zu ermitteln. Die Technologie sei in der Lage, verwundbare Stellen automatisch zu korrigieren und sicher zu machen. Die anschließende Fehlersimulation stellt sicher, dass das Design den erforderlichen Reifegrad erreicht und nicht mehr fehleranfällig ist. Ein wichtiger Pluspunkt: Die Technologie von Austemper führt Simulationen in extrem kurzer Zeit durch – „viel schneller als andere Lösungen, die aktuell am Markt verfügbar sind“, betont Tony Hemmelgarn, President und CEO von Siemens PLM Software.

Im Sinne seiner Digitalisierungsstrategie will Siemens die Technologie von Austemper in das IC-Verifikationsportfolio von Mentor integrieren – und die internationalen Vertriebskanäle von Siemens nutzen, um diese funktionale Sicherheitslösung allen Kunden zur Verfügung zu stellen, die digitale Zwillinge sicherheitskritischer Systeme entwickeln – zum Beispiel für autonome Fahrzeuge, Smart Cities und Industrieausrüstungen für Factory 4.0.

Schnellere Time-to-Market bei gleichzeitig höchsten Sicherheitsstandards

„Durch diese Übernahme können wir unsere Kunden noch kompetenter dabei unterstützen, innovative Produkte für autonomes Fahren, intelligente Fabriken und Smart Cities in kürzester Zeit auf den Markt zu bringen“, ist Hemmelgarn überzeugt. In all diesen Märkten seien die Kunden dazu gezwungen, Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen. Gleichzeitig müssten jedoch höchste Sicherheitsstandards eingehalten werden.

Mit dem um die Austemper-Technologie ergänzten IC-Portfolio von Mentor könne man Kunden alle Tools bieten, die sie für das Entwickeln und Testen digitaler Zwillinge benötigen. So könnten sie sicherstellen, dass „strikte Anforderungen an deren funktionale Sicherheit bereits erfüllt werden, bevor die Systeme produziert und eingesetzt werden.“

Die genauen Bedingungen der Transaktion wurden der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben. Siemens geht davon aus, den Deal im Juli 2018 abzuschließen

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