Weltfrauentag Mehr Frauen in die IT - Ein Plädoyer für mehr Diversität und Gleichberechtigung

Autor / Redakteur: Enya Neumann* / Sebastian Human

"Mehr Frauen in die IT" - wenn man die Zahlen der Branche kennt, wird einem schmerzlich bewusst, dass es so eines Aufrufs bedarf. Doch das war nicht immer so.

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Starke Frauen haben in der IT-Welt Tradition.
Starke Frauen haben in der IT-Welt Tradition.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Gerade einmal 16 Prozent beträgt der IT-Frauenanteil in Deutschland laut einer Studie von eco - Verband der Internetwirtschaft. Der Frauenmangel in der Informationstechnologie und anderen MINT-Disziplinen ist dabei kein rein deutsches Problem, sondern ein weltweites. Zudem herrscht ein grundsätzlicher Mangel an IT-Fachkräften – beklagt wurde er 2019 laut Statista von mehr als 80 Prozent aller deutschen Wirtschaftsunternehmen. Es besteht also erhöhter Handlungsbedarf.

In Anbetracht des geringen Frauenanteils fällt es beinahe schwer zu glauben, dass die Anfänge der IT noch ganz anders aussahen – sie war überwiegend ein Frauenberuf. Noch in den 1940er-Jahren war es Aufgabe von Programmiererinnen, das umzusetzen, was die männlichen Ingenieure vorgaben. Dass die Programmierarbeit der erheblich schwerere Teil der Arbeit war, wurde erst später deutlich.

Frauen prägten Anfangstage der IT

Eine der Pionierinnen der Informatik, Grace Hopper, schuf nicht nur den ersten Compiler überhaupt, sie war auch davon überzeugt, dass Frauen ganz natürlich in die IT gehören. So sagte sie einmal: „Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“ Selbst der Begriff Bug für einen Fehler im System ist auf Grace Hopper zurückzuführen – und auf eine verirrte Motte, die sich in der Hardware ihres Computers wiederfand.

Eine weitere erfolgreiche, aber lange verkannte Frau in der Geschichte der IT war Margaret Hamilton. Sie war in den 1960er-Jahren Ingenieurin der NASA und entwickelte die Software des Flugsteuerungssystems der Mondmission Apollo 11. Neben vielen interessanten Anekdoten rund um diesen Teil des frühen US-Raumfahrtprogramms sticht eine über Hamiltons Rolle als Mutter besonders heraus, die verdeutlicht, wie diverse Perspektiven die IT nach vorne bringen können.

Frauen sind Naturtalente im Programmieren.

Grace Hopper

Aber der Reihe nach: Margaret Hamilton war berufstätige Mutter und brachte ihre kleine Tochter daher häufig mit zur Arbeit, wenn sie abends länger bleiben musste. Als die Kleine eines Tages am Steuermodul von Apollo 11 herumspielte, brachte sie mit wenigen Knopfdrücken das Simulationsprogramm zum Absturz. Während einer tatsächlichen Mission wäre ein solcher Ausfall fatal gewesen. Im Ernstfall hätten die Astronauten der Mondmission keine Möglichkeit gehabt, die Navigationsdaten wiederherzustellen und wären im All sich selbst überlassen gewesen. Nach anfänglichem Widerstand durfte Hamilton die Software durch einen entsprechenden Warnhinweis ergänzen, nachdem während der Apollo 8 Mission exakt dieser Fall eingetreten war.

Diversität ermöglicht Perspektivwechsel

Weibliche Perspektiven erlauben es Teams, anders auf Probleme zu schauen und Herausforderungen durch eine größere Ideenvielfalt besser zu meistern. Auch wenn Gleichberechtigung als gesellschaftlicher Anspruch (knapp!) im Grundgesetz verankert wurde, brauchen wir auch und gerade in der IT alternative Blickwinkel, die Technologien inklusiver und somit besser für alle Nutzerinnen und Nutzer machen. Das gilt nicht nur für Berufsbilder wie etwa die Software-Entwicklung oder die Informatik, sondern für das gesamte Feld der IT. Und wir müssen versuchen, künstliche Hemmschwellen für die Auseinandersetzung und Nutzung von Technologie durch Frauen abzubauen.

Insgesamt gilt es, mehr Frauen für Technologie zu begeistern. Aus dieser Überzeugung heraus startet ADN gemeinsam mit Microsoft eine Initiative für mehr Geschlechterparität, die Frauen für IT-Themen und potenziell eine Karriere in der IT-Branche begeistern soll. Ob es sich dabei um Berufseinsteigerinnen oder Fach- und Führungskräfte handelt, ist nicht ausschlaggebend, alle sind gleichermaßen willkommen. Teilnehmerinnen erhalten in Form von eintägigen Workshops erste Einblicke in Themen wie den digitalen Arbeitsplatz der Zukunft und aktuelle Cloud-Technologien, die sie anschließend weiter vertiefen können.

Seien es die frühen Generationen von Airbags, die speziell auf maskuline Körper zugeschnitten waren oder Spracherkennungssoftware, die grundsätzlich männliche Stimmen besser erkennt: Solange männliche Perspektiven dominieren, leben wir in einer Welt, die für Männer gemacht ist – das gilt nicht zuletzt für die IT-Branche. Es ist an der Zeit, sich daran zu erinnern, was die IT-Welt Powerfrauen wie Grace Hopper, Margaret Hamilton und vielen weiteren ihrer Art zu verdanken hat.

Erstveröffentlichung auf Industry of Things.

* Enya Neumann arbeitet in der Leitung der ADN Akademie der Advanced Digital Network Distribution GmbH (ADN)

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