Lieferketten Materialwirtschaft im Gleichgewicht – was ERP-Systeme leisten können

Redakteur: Margit Kuther

Kleine Schwankung, große Störung. Insbesondere Unternehmen der Elektronikindustrie sind Aufschaukel-Reaktionen in der Materialwirtschaftskette ausgesetzt. Perzeptron informiert über Anforderungen an die Materialwirtschaftskette.

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Andreas Koch, Perzeptron: „Insbesondere Unternehmen der Elektronikindustrie sind dem Bullwhip-Effekt ausgesetzt.“
Andreas Koch, Perzeptron: „Insbesondere Unternehmen der Elektronikindustrie sind dem Bullwhip-Effekt ausgesetzt.“
(Bild: Perzeptron)

Unternehmen der Elektronikindustrie sind im besonderen Maße Aufschaukel-Reaktionen in der Materialwirtschaftskette, dem sog. Bullwhip-Effekt, ausgesetzt. Der Bullwhip-Effekt bezeichnet Abstimmungsprobleme mehrstufiger Lieferketten und wirkt dem angestrebten kontinuierlichen Materialfluss entgegen.

Bildergalerie

Er wird durch Schwankungen in der Kundennachfrage, Produktion- und Logistikplanung verursacht, die sich in Richtung der vorgelagerten Lieferkette also zum Ursprung der Lieferkette hin vergrößern und die durch die Zunahme von Produktionsstufen verstärkt werden.

Angesichts der Komplexität der zumeist mehrstufigen Produktions- und Materialwirtschaftsprozesse in der Elektronikindustrie und unter Berücksichtigung der anspruchsvollen Einkaufssituation führen unvermeidliche Schwankungen bei der Nachfrage bzw. Abnahme zu besonders ausgeprägten Störungen der vorgelagerten Schritte.

Eine ausgewogene Umsetzung der Forderungen sowohl nach flexibler Lieferfähigkeit als auch nach Minimierung der Kapitalbindung durch Bestände von Halbfabrikaten und Produkten wird dadurch besonders schwer.

Anspruch und Wirklichkeit in der Materialwirtschaft von Elektronikunternehmen

In insgesamt zehn Fragen wurden folgende fünf Aspekte abgefragt (siehe Bild1 in der Bildergalerie):

  • 1. Anforderungen an die Planungssicherheit in der gesamten Terminkette
  • 2. Häufigkeit von Terminverschiebungen auf der Kundenseite
  • 3. Probleme durch Lieferverzug bei Lieferanten
  • 4. Kurzfristige Engpässe durch Fehlteile
  • 5. Ungewollter Kapitalbindung aufgrund von Terminverschiebungen

Zu jedem dieser Aspekte wurde zunächst eine Einschätzung der Relevanz dieser Anforderung für Einkauf, Materialwirtschaft und Produktionsplanung abgefragt. Die dazugehörige Einschätzungsskala reichte von 1 (niedrige Anforderung an die Dispositionsabläufe und ERP) bis 5 (hohe Anforderung an die Dispositionsabläufe und ERP) (siehe Bild 2 in der Bildergalerie).

Dazu korrespondierend wurde zweitens eine Bewertung der Leistungsfähigkeit des eignen ERP-Systems beim Lösen der jeweiligen Anforderung abgefragt. Die Einschätzungsskala reichte von 1 (geringe Lösungskompetenz der ERP-Systeme) bis 5 (hohe Lösungskompetenz der ERP-Systeme). Beide Einschätzungs-Skalen können als intervallskaliert behandelt werden, was die Bildung von Mittelwerten zulässt.

Interpretation der Umfrageergebnisse

Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung sprechen eine deutliche Sprache. Die Verantwortlichen charakterisieren die Dispositionsaufgaben in der Elektronikindustrie als komplex und dynamisch. Bei sehr geringer Streuung der Antworten ergibt sich bezüglich der Anforderungen an die ERP folgendes Bild:

Ansprüche an die Planungssicherheit

Die Ansprüche an die Planungssicherheit in der gesamten Terminkette bis zum Kundenliefertermin werden als sehr hoch bezeichnet. Schwankungen wie Terminverschiebungen durch Kunden und Lieferanten sind häufig und führen zu relevanten Störungen in der Dispositionsabläufen. Das Ziel einer Minimierung der Kapitalbindung wird, gemessen an der Einschätzung der Befragten, überwiegend nicht erreicht.

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