Materialwirtschaft: Effiziente Arbeits- und Produktionsplanung für EMS

| Redakteur: Johann Wiesböck

Bild 1: Die neue Produktionslinie von Pro Design mit DEK-Neohorizon-Schablonendrucker, drei Siplace SX-Maschinen von ASM und zwei Vakuum-Reflow-Öfen von Rehm
Bild 1: Die neue Produktionslinie von Pro Design mit DEK-Neohorizon-Schablonendrucker, drei Siplace SX-Maschinen von ASM und zwei Vakuum-Reflow-Öfen von Rehm (Bild: Pro Design)

Der E²MS-Provider und FPGA-Spezialist Pro Design führte im Herbst 2018 die Materialwirtschaft-Software MiG ein, um eine effizientere Arbeits- und Produktionsplanung zu realisieren. Nach einem knappen halben Jahr ziehen die Verantwortlichen aus Materialwirtschaft, Arbeitsvorbereitung und Vertrieb ihr Fazit.

Eine effizientere Produktionsplanung, gerade in Zeiten einer sehr guten Auftragslage war ein lang angestrebtes Ziel der Pro Design Electronic GmbH in Bruckmühl, Oberbayern. „Gerade wenn der Vertrieb viele Aufträge gewinnt, steigt der Druck auf alle nachgelagerten Abteilungen. Einkauf, Materialmanagement, Arbeitsvorbereitung und auch die Produktion haben den Druck durch die positive Auftragslage gespürt“, erinnert sich Werner Fischhaber, Leiter des Qualitäts- und Prozessmanagements.

René Dösinger, Leiter der Arbeitsvorbereitung, erinnert sich ebenfalls, wie der interne E-Mailverkehr stark anstieg, da unterschiedlichste Abteilungen Informationen suchten oder im Gießkannenprinzip wichtige Informationen streuten, in der Hoffnung, dass der richtige Ansprechpartner die Information erhält.

„Intern waren unsere Kommunikationswege klar, aber durch den Druck vom Kunden und die steigende Auftragslage wurde es immer schwerer diese Kommunikationswege einzuhalten“, so Fischhaber. Christine Schwegler, Key Account Managerin, bestätigt: „Unsere Kunden standen ebenfalls unter einem gehörigen Lieferdruck. Dies war erkennbar, da die Anzahl der Anrufe, in denen Kunden wissen wollten, ob die Produktion schon gestartet wurde, anstiegen. Und natürlich möchte man hier als Vertrieb auch eine Antwort geben und begibt sich auf die Informationsrecherche.“ Eine Lösung musste her.

Die E-Mail-Fluten mit Materialnachfragen aus der Produktion reduzieren

In diesem Zuge erinnerte sich Fischhaber an einen Fachartikel über MiG und einen zurückliegenden Besuch eines Bestückerfrühstücks des Clusters für Mechatronik und Automation, an dem Andreas Koch, geschäftsführender Gesellschafter der Perzeptron GmbH, MiG vorstellte. Mitte 2018 nahm Fischhaber dann Kontakt zu Perzeptron auf und MiG wurde im Herbst installiert. „Der Einkauf war hierbei federführend. Wir wollten das Spannungsfeld zwischen Abteilungen abbauen und die E-Mail-Fluten mit Materialnachfragen aus der Produktion reduzieren“, erklärt Fischhaber.

Bevor MiG implementiert wurde, wurden zusammen mit dem Einkauf sowie der Arbeitsvorbereitung und der Prozessleitung die internen Strukturen und Prozesse analysiert. „Dabei konnten wir weitere Ziele ableiten. So sollte es möglich sein, dass alle Abteilungen einen einheitlichen Überblick über die aktuelle Materialsituation gewinnen. Ebenfalls sollten die bestehenden Lagerbestände reduziert werden“, erinnert sich Markus Renner, geschäftsführender Gesellschafter der Perzeptron GmbH. Renner führte den Workshop mit Pro Design vor Ort durch. Im Anschluss an diese Zieldefinierung wurde MiG im September installiert. Die Vernetzung des lokalen ERPs mit MiG erfolgte dabei problemlos.

Alle Beteiligten konnten nun auf den gleichen Informationsstamm zurückgreifen

Schon nach kurzer Zeit konnten die Verantwortlichen von Pro Design die ersten positiven Entwicklungen erkennen. „Da alle Beteiligten nun auf den gleichen Informationsstamm zurückgreifen und sich die notwendigen Informationen selbstständig besorgen können, ist der interne E-Mailverkehr um ca. 80% zurückgegangen“, so Dösinger.

Die gesamte Produktionsplanung hat sich vereinfacht, da auf Grund der graphischen Darstellung der Bauteilsituation Entscheidungen schneller und einfach getroffen werden können. Bauteilengpässe oder Fehlbestellungen werden frühzeitig erkannt, so dass eine angemessene Reaktion durch den Einkauf möglich ist.

Des Weiteren konnte innerhalb der ersten sechs Monate der Bauteillagerbestand reduziert werden. „Dank MiG können wir jetzt dem Kunden auch sehr leicht sagen, ob seine Produktion schon gestartet wurde oder nicht.

Dies führt natürlich auch zu einer erhöhten Kundenzufriedenheit“, bestätigt Schwegler auch die positive Entwicklung für den Vertrieb.

Die deutlichsten Veränderungen waren aber im Einkauf zu sehen. „Der Einkauf hat jetzt eine kompakte Übersicht zu den diversen Materialfragen, wie beispielsweise die geplanten oder zugesagten Liefertermine, voraussichtliche Lagerbestände, bestellte und gelieferte Bauteile usw. Daraus ergab sich, dass der Einkauf jetzt wieder agiert und nicht mehr nur reagiert“, so Fischhaber. Doch neben diesen positiven Entwicklungen sind noch einzelne Aufgaben offen. So muss der Vertriebsaußendienst noch aktiv in MiG eingebunden werden.

„Gerade in Zeiten von starken Auftragseingängen werden die Bereiche erkennbar, in denen Unternehmen sich weiter optimieren müssen. Pro Design hat genau erkannt, an welchen Stellschrauben gearbeitet werden muss und hat daraus Rückschlüsse und Maßnahmen abgeleitet. Dies muss hervorgehoben werden und wir stellen fest, dass Pro Design in kurzer Zeit schon sehr gut mit MiG arbeitet. Alle Beteiligten haben den Nutzen der Software für ihren Arbeitsbereich verstanden“, hebt Renner hervor.

Dies lässt sich auch an den internen MiG-Meetings feststellen. „Zum Start haben wir uns wöchentlich zusammengesetzt und uns über die Arbeit mit MiG ausgetauscht. Mittlerweile finden diese Meetings nur noch monatlich statt. MiG wird mehr und mehr zu einer Selbstverständlichkeit in unserem Unternehmen“, unterstreicht Fischhaber.

Der E²MS-Dienstleister und FPGA-Spezialist Pro Design

Mit über 100 Mitarbeitern produziert die Firma Pro Design Electronic GmbH seit über 30 Jahren im Bereich Automotive, Medizintechnik und Halbleiter-Industrie. Als E²MS-Dienstleister bietet Pro Design das gesamte Spektrum von der Beratung, über die Entwicklung und das PCB-Layout bis hin zur Prototypenfertigung an. Des Weiteren produziert das Unternehmen mittlere Seriengrößen und übernimmt bei Bedarf auch das Testen und Prüfen der Geräte und Baugruppen.

Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Baugruppen mit hoher Bestückungsdichte, komplexen Bauteilformen und unterschiedlichen Bauteilgrößen von 01005 bis 200 mm x 120 mm spezialisiert. Zudem verfügt Pro Design mit dem Prototyping-System „proFPGA“ ein Eigenprodukt für das Testen neuer Chip-Designs und deren Software.

Jüngste Investition bei Pro Design ist eine Produktionslinie, die aus einem DEK-Neohorizon-Schablonendrucker, drei Siplace SX-Maschinen von ASM und zwei Vakuum-Reflow-Öfen von Rehm besteht: www.prodesign-europe.com.

Software für Produktionsplanung und Materialwirtschaft von Perzeptron

MiG – Materialwirtschaft im Gleichgewicht – ist ein Software-Tool zur Unterstützung der Produktionsplanung und Steuerung der Materialwirtschaft. MiG verkürzt die Laufzeit von Aufträgen und sichert die Lieferfähigkeit durch frühzeitige Identifikation von Engpässen. Dabei sorgt die Software für ein ausgeglichenes Material- und Auftragsmanagement, bei dem Lieferfähigkeit und Kapitalbindung kontinuierlich ausbalanciert werden.

Das Unternehmen Perzeptron berät seit über 20 Jahren Kunden aus der Elektronikindustrie von der Neukunden-akquise über den Einkauf bis zur Produktionssteuerung. Die Akquise von Kundenaufträgen, der Einkauf und die Materialwirtschaft in Zusammenhang mit der Fertigungsplanung und Fertigungssteuerung sind weit mehr als ein rein operatives Geschäft. Perzeptron begleitet hier Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer innerbetrieblichen Abläufe. Ziel dabei ist die systematische Implementierung effizienter Arbeitsabläufe und die Etablierung eines transparenten Wissens- und Informationsmanagements.

Perzeptron begleitet die Kunden bei der internen Prozessoptimierung und der Minimierung von Kalkulations- und Auftragsdurchlaufzeiten bis hin zur Optimierung von Kapitalbindung und Lieferfähigkeit: www.perzeptron.de.

Tipp der Redaktion! Die Produktions-Experten der Unternehmen Perzeptron und Pro Design können Sie auf dem 17. EMS-Tag am 4. Juli in Würzburg treffen: www.ems-tag.de.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45925191 / Elektronikfertigung)