Stäubli Electrical Connectors Marketing erklärungsbedürftiger Produkte spannender denn je

Redakteur: Johann Wiesböck

Der Ausfall physischer Messen zwingt das Marketing, neue Kommunikationswege zu gehen. Online-Events wie SPS Connect, Videos für neue Produkte und Webinare rücken in den Fokus, wie unsere Leserin Eva Burkhardt berichtet.

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Eva Burkhardt, Stäubli: „Während der Coronakrise wurde der Umgangston mit Geschäftspartnern herzlicher und persönlicher. Von dieser Herzlichkeit und Geduld sollten wir alle etwas beibehalten.“
Eva Burkhardt, Stäubli: „Während der Coronakrise wurde der Umgangston mit Geschäftspartnern herzlicher und persönlicher. Von dieser Herzlichkeit und Geduld sollten wir alle etwas beibehalten.“
(Bild: Stäubli Electrical Connectors)

Eva Burkhardt startete 1998 als Quereinsteigerin in der Elektrotechnikbranche. Seit 2009 ist die Diplomingenieurin bei Stäubli Electrical Connectors im Bereich Marketing Communications tätig. Mit zwei schulpflichtigen Kindern weiß sie genau, was es heißt, Home Schooling für ein Grundschulkind und einen Teenager mit Homeoffice zu vereinbaren. Ohne Flexibilität von allen Seiten, besonders unternehmensseitig, ist das nicht zu stemmen. Die vier Stunden Fahrzeit, die durch das Homeoffice wegfallen, nutzt sie für Yoga und den Garten, der noch nie so gut in Schuss war wie während des Lockdowns.

Den Bereich ‚Marketing Communications‘ beschreibt Eva Burkhardt als ein kleines, feines und weibliches Team. Es ist zuständig für Messeorganisation, Kommunikation, Marktrecherche, Sales Support und alles was administrativ dazu gehört wie Budgetplanung, Statistiken etc. Im Team ist man fest organisiert, jede Kollegin hat definierte Aufgaben, aber bei Engpässen unterstützt man sich gegenseitig flexibel und unkompliziert. Das ist in Krisenzeiten ein großer Vorteil.

Als Marcom-Spezialistin in der Elektronikwelt kennt und liest Eva Burkhardt natürlich ELEKTRONIKPRAXIS. Deshalb haben wir sie im Rahmen unserer Aktion Durchstarten 21 zur aktuellen Situation befragt.

ELEKTRONIKPRAXIS: Bitte beschreiben Sie das aktuelle Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen. Und wie geht es Ihnen?

Eva Burkhardt: Im Dezember hatte man den Eindruck, dass jeder das Jahr 2020 abschließen und schnellstmöglich abhaken wollte, um sich in die wohlverdienten Weihnachtsferien zu verabschieden. Im Januar zeigt sich, dass das wohl funktioniert hat. Die Leute haben Energie getankt und sind bereit, 2021 neu durchzustarten. Man hat sich an die Situation gewöhnt und arrangiert sich mit den Einschränkungen durch die Pandemie.

Welche Probleme und Herausforderungen traten und treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

Eine große Herausforderung waren die kurzfristig erforderlichen Reaktionen auf die Krise im März 2020. Das war zum einen die schnelle Umsetzung vom Arbeiten im Homeoffice, was bei uns schnell und reibungslos funktioniert hat. Aber auch die Maßnahmen und die komplexe Organisation, um die Sicherheit der Mitarbeiter sicherzustellen, die nicht von zuhause ausarbeiten konnten, wie die Kollegen in Montage, Produktion oder Logistik. Beides war wichtig, um die Mitarbeiter zu schützen, aber auch um Erreichbarkeit und Lieferfähigkeit für unsere Kunden sicherzustellen

Wie wirken sich diese Problemstellungen und Herausforderungen auf Ihre eigene Arbeit aus?

Für meine Tätigkeit im Bereich Marketing Communications spielt es keine Rolle, wo ich arbeite. Wir haben schon vor der Krise mit Online-Meetings gearbeitet, das funktioniert auch im Homeoffice super. Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, mit dem eigenen Team regelmäßig zu kommunizieren. Hier fehlt der persönliche Kontakt am meisten, nicht für die Arbeit, das funktioniert auf die Distanz, aber für die Beziehungen.

Die Herausforderungen kamen eher aus den veränderten Rahmenbedingungen. Wir hatten 2020 keine einzige physische Messe. Da ist man gezwungen, neue Wege der Kommunikation auszuprobieren. Wir haben an Online-Events wie der SPS Connect teilgenommen, wir haben ein tolles Video für eine neue Produktgruppe gedreht, wir probieren verstärkt Webinare aus.

Und da die ganze Messeorganisation wegfiel, war auch die Zeit dafür da. Zeit für Veränderungen, Zeit, Dinge zu überdenken und nicht nur so zu machen, „wie immer schon“. Das war herausfordernd, aber auch sehr spannend und motivierend und wir haben in kurzer Zeit viel umgesetzt und gelernt.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren? Oder rechnen Sie mit nachhaltigen Veränderungen und mit welchen?

Ich denke, dass Alltag und Routine schnell wieder einkehren werden, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und viele Dinge werden sich schnell wieder im alten Rhythmus einspielen. Was, denke ich, bleiben wird, ist die Offenheit vieler Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer für individuellere Arbeitsmodelle, gerade bezüglich mobilem Arbeiten und flexibler Arbeitszeiten. Jeder hat seinen eigenen Arbeits- und Lebensrhythmus. Je flexibler die Arbeit gestaltet werden kann, desto besser lassen sich beide vereinbaren.

Arbeitnehmer mit Kindern – wie ich – starten vielleicht schon sehr früh in den Tag, um sich zwei Stunden in Ruhe der Arbeit zu widmen, bevor die Kinder in die Schule oder Kita gebracht werden müssen. Andere hängen lieber abends noch zwei Stunden dran. Der Lockdown hat gezeigt, dass auch flexible Arbeitsmodelle und mobiles Arbeiten funktionieren.

Welche Lerneffekte und Erkenntnisse nehmen Sie aus der Krisensituation mit und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Während des Lockdowns hatte man viel Zeit für die Familie oder für Hobbys, und wenig Möglichkeiten, Freunde und Bekannte zu sehen. Da wurde vielen bewusst, wie wichtig beides ist, und der eine oder andere setzt vielleicht heute andere Schwerpunkte als noch Anfang letzten Jahres.

Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie wichtig die Arbeit ist, um zum einen den Unterhalt sicherzustellen, aber ebenso, um einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und einfach „raus zu kommen“ und Arbeitskollegen zu treffen. Das ist eine gute Ausgangslage, um die persönlichen Prioritäten neu zu überdenken und dann nach der Krise gestärkt und motiviert loszulegen.

Welchen Herausforderungen abseits der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Der Stäubli-Konzern hat die Weichen gestellt, um seinen Wachstumskurs konsequent fortzusetzen und die Marktposition weltweit auszubauen. Bei der Umsetzung der neuen Unternehmensstrategie von Stäubli werden sich auch im Marketing spannende Aufgaben ergeben.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert bzw. entwickelt?

Digitalisierung fand vor der Pandemie schon statt, sowohl in der externen als auch in der internen Kommunikation. So geht der Fokus in der Pressearbeit seit Jahren stetig von Print in Richtung Online. Beides ist wichtig, aber Online-Formate gewinnen an Bedeutung. Bei Stäubli selbst ist es ähnlich, wir arbeiten schon lange regelmäßig mit Videokonferenzen und Online-Meetings, gerade mit Kollegen, die an anderen Standorten arbeiten. Durch die Krise hat sich das noch mehr und vor allem schneller verbreitet.

Wie wollen Sie persönlich im Jahr 2021 durchstarten?

Für mich ist Ausgewogenheit das Stichwort. Noch mehr auf die Ausgewogenheit von Familie, Beruf und Freunden, aber auch von persönlichen Interessen und Projekten zu achten. Ich bin der Meinung, dass dies wichtig ist für das innere Wohlergehen. Und dann ist man auch im Job gut drauf und leistungsfähig.

Wenn Sie einem/r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, was sagen Sie ihr/ihm?

Stäubli Electrical Connectors stellt Kontaktlösungen und Steckverbindersysteme für verschiedenste Industriebereiche her. Das Marketing für solche erklärungsbedürftigen technischen Produkte ist sehr spannend, die Kommunikation sehr abwechslungsreich, man lernt viel über unterschiedlichste industrielle Anwendungen und Prozesse. Es gibt immer neue interessante Produkte und Anwendungen und immer neue aktuelle Themen. Das ist eine Seite meines Berufes, die ich toll finde.

Außerdem ist man viel in Kontakt mit Menschen, da es zahlreiche Schnittstellen gibt. Intern spricht man sich mit dem Vertrieb bezüglich Kampagnen und Messen ab, mit Engineering und Produktmanagement für technische Abklärungen oder mit internationalen Marketingkollegen für standortübergreifende Aktivitäten. Extern ist man in Abstimmung mit Anzeigenabteilungen und Redakteuren der Fachpresse, mit Messeunternehmen und der kompletten Eventorganisation wie Messebau, Catering, Speditionen, mit diversen Dienstleistern zur Erstellung von Videos, Messedisplays oder Online-Veranstaltungen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Während der Coronakrise wurde der Umgangston mit Geschäftspartnern herzlicher und persönlicher. Man wünschte sich Gesundheit und es war mehr als eine Floskel. Man hatte Verständnis und mehr Geduld, wenn Dinge nicht auf Anhieb funktionierten oder Ansprechpartner durch Kurzarbeit und Homeoffice nicht wie gewohnt erreichbar waren. Von dieser Herzlichkeit und Geduld sollten wir alle etwas beibehalten.

Hintergrund: Stäubli bietet Mechatronik-Lösungen in den drei Kernbereichen Connectors, Robotics und Textile. Gegründet 1892, ist Stäubli heute ein internationaler Konzern mit Hauptsitz in Pfäffikon, Schweiz, und beschäftigt weltweit mehr als 5500 Mitarbeiter. Stäubli ist in 29 Ländern mit Produktions-, Vertriebs- und Service-Tochtergesellschaften präsent und wird durch Vertretungen in 50 Ländern ergänzt.

Im Bereich Connectors produziert Stäubli Schnellkupplungssysteme für alle Arten von Flüssigkeiten, Gasen und elektrischer Energie. Das Electrical-Connectors-Produktportfolio (ehemals Multi-Contact) reicht von Miniatur- bis hin zu Hochleistungssteckverbindern für Energieübertragung, Automationsindustrie, Transportwesen, Prüf- und Messtechnik. In der Photovoltaik ist Stäubli mit seinen Steckverbinder-Komponenten MC4 Weltmarktführer. Kernstück aller elektrischen Steckverbinder von Stäubli ist die MULTILAM-Technologie.

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