Anonyme Internetsuche mit Trooia „Man muss immer unterm Radar von Google fliegen“

Autor / Redakteur: Mirjam Hauck* / Michael Eckstein

Der Schweizer Christoph Cronimund hat ein Tool namens Trooia entwickelt, mit dem sich Google anonym nutzen lässt.

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Dem Internetkonzern Google will der Schweizer Christoph Cronimund ein Schnippchen schlagen und Suchergebnisse anonym ausliefern.
Dem Internetkonzern Google will der Schweizer Christoph Cronimund ein Schnippchen schlagen und Suchergebnisse anonym ausliefern.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Angefangen hat es vergangenes Jahr als Hobbyprojekt. Der Schweizer Christoph Cronimund, der im Suchmaschinenmarketing tätig ist, fand die Suchergebnisse bei Google zu überladen. Also begann er, für sich die Suchresultate etwas übersichtlicher zu gestalten.

Als das gelang, fiel ihm auf, dass ihn auch die Werbung störte. Also filterte er sie heraus. „Erst jetzt wurde mir bewusst, dass der Hauptvorteil des ganzen Projekts darin bestand, dass das vollkommen anonym ist“, sagt Cronimund. Das Projekt „Trooia“ war geboren. Mit seiner selbst erstellten Suchmaske konnte er fortan anonym Google nutzen.

Zunächst nur für Privatgebrauch gedacht

Allerdings war die Webseite zunächst nur für ihn, Freunde und Familie gedacht - bis er einem befreundeten Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung davon erzählte. Das Blatt veröffentlichte Anfang Februar ein Interview mit Cronimund, in dem er seine anonyme Google-Suche vorstellte.

Die Resonanz darauf war riesig, aber seine Seite war nicht ausgelegt auf derart viele Suchanfragen. Er musste sie erst mal vom Netz nehmen. Wie viele Anfragen es waren, kann Cronimund nicht sagen, er trackt seine Nutzer nicht. Aber es müssen einige gewesen sein. „Die Woche danach habe ich über Tausend Mails beantwortet“, sagt er. „Es scheint, als ob ich mit meinem Projekt einen Nerv getroffen habe. Vielen Menschen ist Datenschutz offenbar wichtig, und manche fühlen sicher auch eine Ohnmacht gegenüber Monopolisten wie Google.“

Alternativen wie DuckDuckGo findet er lauwarm

Google ist mit Abstand die weltweit meistgenutzte Suchmaschine. Mehr als 91 Prozent aller Suchanfragen werden ihr gestellt, die restlichen paar Prozentpunkte teilen sich Bing, Yahoo, Yandex und Baidu untereinander auf. Cronimund selbst sieht bei der Qualität der Suchergebnisse auch keine Alternative zu Google und ihm sei auch klar, dass eine Suchmaschine Werbung schalte, wenn sie gratis genutzt werden könne. „Aber vor einigen Jahren war Werbung auf Google noch nicht so dominant. Mittlerweile muss man schon fast scrollen, um zu den unbezahlten Einträgen zu kommen.“

Zwar hat Cronimund auch alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo und Startpage ausprobiert, die sich Datenschutz und Datensparsamkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Aber er findet sie „lauwarm“: „Beide schalten oben auf der Seite Werbung, entweder von Microsoft Bing oder Google.“ So werde man auch hier getrackt, sobald man auf Werbung klicke.

Cronimund will Trooia daher weiterführen, derzeit arbeitet er daran, die technischen Systeme so anzupassen, dass sie mit einem breiten Interesse klarkommen. Für die Menschen, die wissen wollen, wie es damit weitergeht, schreibt er einen Newsletter. Der hat mittlerweile ein paar Tausend Abonnenten. Sie gehören auch zu denen, die das neue System testen können, wenn es wieder stabil läuft.

Ergebnisse abgreifen

Doch wie funktioniert Trooia nun? Die Suchanfragen, die der Nutzer bei Trooia eingibt, werden Google übermittelt. Die Ergebnisse werden wiederum „gescrapt“, also abgegriffen. Das ist legal, weil die Suchresultate von Google keinem Copyright unterliegen und sie auch keine personenbezogenen Daten gemäß der EU-Datenschutz-Grundverordnung sind.

Allerdings sieht es Google nicht gerne, dass automatisiert auf die Suche zugegriffen wird und blockt Maschinen. Wie der Konzern dabei genau vorgeht, verrät er nicht. Denn niemand solle die Möglichkeit haben, mithilfe dieser Informationen die Systeme zu manipulieren, teilt Google mit.

Anfallende Kosten trägt Cronimund bislang allein

Cronimund wiederum versucht das Sperren zu umgehen, indem er beispielsweise einen Proxypool mietet, also einen Dienst, der Anfragen auf eine große Anzahl von Computern verteilt, die verschiedene IP-Adressen haben. „Man muss immer unterm Radar von Google fliegen“, sagt Cronimund.

Die Kosten, die dafür anfallen, zahlt Cronimund selbst, allerdings gab es aus seiner Newsletter-Community schon Anfragen, ob man seinen Dienst finanziell unterstützen könne. Eine Lösung für dieses Problem möchte der Schweizer mit seiner Community finden, aber auch erst, wenn die Technik, die hinter Trooia steht, auch wirklich rund läuft.

Wie sie aussehen könnte, weiß er noch nicht. „Die Nutzer geben mir viel Feedback und sie haben Ideen, auf die ich nicht gekommen bin.“ Aber auf keinen Fall soll man aber ein Nutzerprofil anlegen müssen, sein Dienst, das ist ihm wichtig, soll vollkommen anonym sein.

Originalveröffentlichung auf SZ.de vom 24.03.21.

* Mirjam Hauck ist Redakteurin im Digital-Ressort der Süddeutschen Zeitung.

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