Lichtfeld-Fotografie Lytro – erst knipsen, später scharfstellen

Redakteur: Peter Koller

Die amerikanische Firma Lytro will Anfang 2012 eine Digitalkamera auf den Markt bringen, mit der man nachträglich auf verschiedene Objekte in den Bildern fokussieren kann.

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Ungewönliches Aussehen, ungewöhnliche Technik: die Lytro-Lichtfeldkamera (Foto: Lytro)
Ungewönliches Aussehen, ungewöhnliche Technik: die Lytro-Lichtfeldkamera (Foto: Lytro)

Die Idee hinter der sogenannten Lichtfeld-Fotografie ist, dass mit Hilfe eines speziellen Objektivs mit sehr vielen Mikro-Linsen möglichst viele Lichtstrahlen eingefangen werden. Es ist, als würde man viele einzelne Kameras in ein Gerät pressen (Video-Demo auf youtube)

Bei der Bearbeitung mit entsprechender Software kann man dann zum Beispiel entscheiden, ob Vordergrund oder Hintergrund eines Bildes scharf dargestellt werden sollen – oder sogar beides. Bei der Auflösung spricht Lytro statt klassischer Megapixel von elf Millionen eingefangenen Lichtstrahlen, oder «11 Megarays».

Prinzip ist schon lange bekannt

Die Lichtfeld-Fotografie ist schon lange bekannt, niemand brachte sie aber bisher in den Verbrauchermarkt. Foto-Experten wiesen bisher darauf hin, dass die neue Funktionalität auf Kosten der Auflösung gehen kann.

Lytro-Gründer Ren Ng hatte über Jahre an der Technologie gearbeitet. «Einst war Lichtfeld-Fotografie nur im Labor möglich, mit 100 Kameras und einem Supercomputer», sagte er zur Ankündigung der ersten Kameras am Mittwoch. Jetzt werde sie für jeden zugänglich. «Unser Ziel ist es, die Art, wie Menschen Bilder aufnehmen und erleben, für immer zu verändern.»

Keine Auslöseverzögerung

Laut dem Hersteller gibt es zum Beispiel keine Auslöseverzögerung wie bei vielen klassischen Digitalkameras, weil keine Schärfeebene berechnet und eingestellt werden muss.

Das kalifornische Start-Up hatte die Technologie im Sommer vorgestellt und zeigte jetzt die ersten Kameras. Das günstigste Modell, das 350 Bilder auf 8 Gigabyte Speicherplatz aufnehmen kann, soll in den USA 399 Dollar kosten. Die größere Version fasst 750 Bilder auf 16 GB für 499 Dollar.

Die Bildbearbeitungs-Software werde es zunächst nur für Apples Mac-Computer geben und erst im Jahresverlauf auch für Windows-Rechner. Zudem verspricht Lytro für 2012 ein Programm, mit dem man auf 3D-tauglichen Bildschirmen auch dreidimensionale Bilder mit veränderbaren Schärfe-Einstellungen anzeigen kann.

Touch-Display zum Fokussieren

Die Lytro-Kameras sehen anders aus als man Fotoapparate kennt, eher wie langgezogene kantige Taschenlampen mit dem Objektiv auf einer und einem kleinen Bildschirm auf der anderen Seite. Das 1,64 Zoll messende Touchdisplay dient zur nachträglichen Auswahl der Schärfeebene.

Das Objektiv der Lytro verfügt über eine konstant hohe Lichtstärke von 2,0 und ein Achtfach-Zoom.

(Quelle: dpa)

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