Lokales 5G wird Schlüsseltechnologie für die Elektroindustrie

| Redakteur: Michael Eckstein

Kabellos: Der ZVEI hält lokale, private 5G-Funknetze für einen wichtigen Baustein für zukunftsfähige, flexible Fertigungsanlagen.
Kabellos: Der ZVEI hält lokale, private 5G-Funknetze für einen wichtigen Baustein für zukunftsfähige, flexible Fertigungsanlagen. (Bild: Clipdealer)

Der Branchenverband ZVEI mahnt den Aufbruch zu neuen Technologien an. Zwar erwartet die Elektroindustrie für 2019 ein moderates Wachstum. Doch für langfristigen Erfolg müsse man datenbasierte Geschäftsmodelle als unternehmerische Herausforderung meistern.

„Wer die digitale Wende verpasst, wird abgehängt“ – Dr. Klaus Mittelbach, Präsident des Branchenverbandes ZVEI, macht klar, was auf die deutsche Industrie zukommt, wenn ihr die Ausrichtung auf moderne datengetriebene Smart-Industry-Technologien nicht gelingt. Deutschland habe gute Chancen, mit innovativen Produkten im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Diese müsse man aber auch nutzen.

Bislang steht die deutsche Elektroindustrie gut da: Sowohl beim Umsatz als auch beim Export konnte sie 2018 bestehende Rekordmarken durchbrechen. Die Zahl der Beschäftigten ist auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren. Für 2019 ist der ZVEI vorsichtig optimistisch. „Wir erwarten, dass die preisbereinigte Produktion der Branche um ein Prozent wachsen wird und die Erlöse die 200-Milliarden-Euro-Marke knacken werden“, sagte Dr. Mittelbach bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Branchenverbands.

Exporte weiter auf Rekordkurs

Die preisbereinigte Produktion der Elektroindustrie stieg von Januar bis November 2018 um 2,8 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Umsatz – der auch Dienstleistungen und Software umfasst – nahm im gleichen Zeitraum um 3,2 Prozent auf 179,8 Milliarden Euro zu. Für das vollständige Jahr 2018 rechnet der ZVEI mit einem Gesamtumsatz von gut 197 Milliarden Euro.

Der Export war auch im vergangenen Jahr wieder eine zentrale Säule: Von Januar bis November nahmen die gesamten Branchenausfuhren, einschließlich Re-Exporten, um 5,4 Prozent auf 195,4 Milliarden Euro zu. Im Gesamtjahr wurden nach Schätzungen des ZVEI 212 Milliarden Euro erreicht, das fünfte Allzeithoch in Folge. Allerdings lag das Wachstum der Exporte damit nur noch halb so hoch wie 2017.

Weiterhin starkes Geschäft mit China und den USA

China blieb größter Abnehmer, gefolgt von den USA. Zwischen Januar und November 2018 gingen Ausfuhren im Wert von 19,4 Milliarden Euro nach China – ein Plus von 11,4 Prozent gegenüber Vorjahr. Die Exporte in die USA erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 3,8 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. Der schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China führt zu einigen Unwägbarkeiten.

Dr. Mittelbach bleibt jedoch optimistisch, dass auch in den folgenden Jahren Deutschland viele Waren in diese Länder exportieren wird: „Auch wenn sich das Wachstum beispielsweise in China abgekühlt hat, investiert das Reich der Mitte weiter in vielen für uns exportrelevanten Bereichen.“ Verbessern ließe sich dies durch eine viel stärkere weltweite Standardisierung von Produkten und Dienstleistungen – vor allem im Hinblick auf zukünftige datengetriebene Geschäftsmodelle.

Übergang in die Datenökonomie erfolgreich gestalten

„An der Schwelle zu einer Daten- und Plattformökonomie stehen viele Unternehmen vor großen Herausforderungen“, erklärt der Vorsitzende der ZVEI-Geschäftsführung weiter. Für die Digitalisierung allgemein, für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI), für die Anforderungen an Cybersicherheit gebe es bis dato keinen Masterplan – auch nicht seitens der Politik, die oft noch in alten Vorstellungen verfangen sei. „Der Staat muss schneller werden und systemischer denken“ fordert Dr. Mittelbach. „Davon ist bislang leider wenig zu sehen.“ Vielmehr seien Einmischungen seitens der Politik nicht immer von Kompetenz geprägt.

Um den Unternehmen der Elektroindustrie eine Orientierungshilfe zu bieten, wie auf Basis von bereits vorhandenen Daten neue datenbasierte Geschäftsmodelle entwickelt werden könnten, hat McKinsey im Auftrag der ZVEI-Services GmbH und mit Unterstützung des ZVEI den „Chancenkompass Datenwirtschaft“ erarbeitet. Denn ohne neue, datenbasierte Geschäftsmodelle riskieren Unternehmen, selbst gute Marktpositionen zu verlieren.

Neuer Chancenkompass soll helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen

„Mit dem Chancenkompass tragen wir dazu bei, dass mutige unternehmerische Entscheidungen fundiert getroffen werden können“, erklärt Dr. Mittelbach. Bisher erzielt die Branche erst rund 20 Prozent des Umsatzes mit Smart Products und Smart Services. „Bei vielen Unternehmen ist noch reichlich Luft nach oben.“ Voraussetzung für mehr datenbasierte Geschäftsmodelle ist allerdings eine leistungsstarke digitale Infrastruktur. Der neue Funkstandard 5G sei die Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung industrieller Prozesse an.

„5G wird das zentrale Nervensystem moderner, flexibler Fertigungen sein.“ Nur mit lokalen 5G-Netzen für die Industrie könne Deutschland die Führungsrolle seiner Unternehmen im Wettbewerb absichern. Zwingend notwendig sei daher der sofortige Ausbau der digitalen Infrastruktur mit der Möglichkeit, lokale und private 5G-Netzen für die Industrie installieren zu können.

Statt 5G für bis in den letzten Winkel der Republik zu fordern und nur das schiere Tempo der Funktechnik in den Fokus zu stellen, sollte sich die Politik dafür stark machen, die Voraussetzungen für lokale, auf die Anforderungen von Unternehmen zugeschnittene 5G-Netze zu schaffen. Denn: „In unseren Gesprächen haben die großen Mobilfunkprovider eingestanden, dass sie Leistungsparameter wie garantierte, extrem kurze Latenzen mit ihren 5G-Mobilfunknetzen nicht werden erfüllen können“, sagt Dr. Mittelbach.

China: Gleiche Bedingungen schaffen, Partnerschaften ausbauen

Als größter Exportabnehmer der deutschen Elektroindustrie muss China seinen Markt weiter öffnen und Investitionshemmnisse für ausländische Unternehmen abbauen, fordert der ZVEI. „Es müssen gleiche Bedingungen für alle gelten“, findet Dr. Mittelbach. Die bereits erfolgreiche Zusammenarbeit bei vielen Zukunftsthemen könnte dadurch weiter gestärkt werden, gerade auch bei Künstlicher Intelligenz. So ließen sich Deutschlands Stärken bei industrieller KI mit den Datenanalysefähigkeiten Chinas zum gegenseitigen Nutzen verbinden. „In der digitalen Welt steht die Zusammenarbeit in Plattformen der Verfolgung von Partikularinteressen entgegen.“

Ob und wie weit die Chinesen auf derartige Forderungen eingehen, hängt aber genau davon ob: von ihren eigenen Interessen. Klar ist, dass das Reich der Mitte beispielsweise den Brexit so weit wie möglich zu seinem Vorteil nutzen wird. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert bereits einen härteren Kurs gegen die staatlich gelenkte Volkswirtschaft Chinas. Entgegen früherer Erwartungen würde sich China eben nicht allein durch Marktöffnung in absehbarer Zeit nicht hin zu Marktwirtschaft und Liberalismus entwickeln, betont BDI-Präsident Dieter Kempf.

Kempf hat die Bundesregierung und die Europäische Kommission aufgefordert, der Europäischen Union (EU) im Wettbewerb mit China den Rücken zu stärken. Um der „staatlich geprägten chinesischen Volkswirtschaft“ besser begegnen zu können, hat der BDI in einem Grundsatzpapier mit dem Titel „Partner und systemischer Wettbewerber – Wie gehen wir mit Chinas staatlich gelenkter Volkswirtschaft um?“ 54 Forderungen an Berlin und Brüssel gerichtet.

FHWS wird zur Industrie-4.0-Testumgebung

FHWS wird zur Industrie-4.0-Testumgebung

22.01.19 - Die FHWS wurde erfolgreich als Entwicklungs- und Anwendungsumgebung für Industrie-4.0-Projekte klassifiziert, die speziell auf klein- und mittelständische Unternehmen ausgerichtet sein sollen. lesen

Edge Computing: Neues europäisches Konsortium will Standard-Plattform für Industrie 4.0 entwickeln

Edge Computing: Neues europäisches Konsortium will Standard-Plattform für Industrie 4.0 entwickeln

09.01.19 - Fehlende Standards bremsen industrielle IoT-Anwendungen bislang aus. Nun tritt das „Edge Computing Consortium Europe“ an, eine Referenzarchitektur und einen einheitlichen Technologie-Stack für Edge-Computing-Lösungen zu entwickeln. Mit dabei sind etliche Branchenschwergewichte. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45702525 / Industrie 4.0)