Meilensteine der Elektronik Lösungen für die Zukunft der Elektrotechnik

Redakteur: Kristin Rinortner

Industrielle Automatisierung, Infrastrukturprojekte und Informationstechnik setzen weltweit große Potenziale frei – dafür bietet Phoenix Contact geeignete Komponenten und Lösungen.

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Am Puls der Zeit: Präsentation des neuen Schnelllade-System CCS plus auf der Hannover Messe 2016 (v.l.r.n): Frank Stührenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Phoenix Contact-Gruppe; US-Präsident Barack Obama; Bundeskanzlerin Angela Merkel; Jack Nehlig, Präsident von Phoenix Contact Incorp., USA.
Am Puls der Zeit: Präsentation des neuen Schnelllade-System CCS plus auf der Hannover Messe 2016 (v.l.r.n): Frank Stührenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Phoenix Contact-Gruppe; US-Präsident Barack Obama; Bundeskanzlerin Angela Merkel; Jack Nehlig, Präsident von Phoenix Contact Incorp., USA.
(Bild: Phoenix Contact)

Phoenix Contact wurde 1923 als Handelsvertretung für Elektroprodukte in Essen gegründet – Fahrdrahtklemmen für elektrische Straßenbahnen waren damals das Kerngeschäft. Weil entscheidende Trends frühzeitig erkannt und mit den richtigen Produkten bedient wurden – wie etwa Reihenklemmen, Elektronik, Feldbustechnik, regenerative Energien – ist das Unternehmen über Jahrzehnte kontinuierlich gewachsen.

Heute ist Phoenix Contact ein weltweiter Marktführer für Komponenten, Systeme und Lösungen im Bereich der Elektrotechnik, Elektronik und Automation. Das Familien-Unternehmen beschäftigt rund um den Globus 14.500 Mitarbeiter und erzielte 2015 einen Umsatz von 1,91 Mrd. Euro. Stammsitz ist das ostwestfälische Blomberg – eine gute Autostunde von Hannover entfernt. Zur Phoenix Contact-Gruppe gehören heute 13 Unternehmen sowie mehr als 50 Vertriebs-Gesellschaften in aller Welt. Die internationale Präsenz wird durch 30 Vertretungen in Europa und Übersee unterstützt.

Transatlantische Allianz schon seit Jahren

Der umsatzstärkste Markt nach Deutschland sind die USA – mit über 700 Mitarbeitern wurden im letzten Jahr 300 Mio. US Dollar umgesetzt. Gegründet wurde die US-Tochter 1981 in Harrisburg, Pennsylvania, wo sich bis heute der US-Stammsitz befindet. Neben dem Vertrieb sind dort auch Entwicklung und Produktion angesiedelt. Weitere US-Niederlassungen gibt es in Ann Arbour/ Michigan, Houston/Texas sowie in San José/Kalifornien im Silicon Valley.

Weil sich Phoenix Contact auf der anderen Seite des Atlantiks schon seit Jahren stark engagiert, hatte sich das Unternehmen gemeinsam mit der deutschen Messegesellschaft schon länger darum bemüht, die USA als Partnerland für die Hannover Messe zu gewinnen. „Als dann Ende April die Messe eröffnet wurde, hat beim traditionellen Rundgang US-Präsident Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel den Messestand von Phoenix Contact besucht“, freut sich Angela Josephs, Pressesprecherin von Phoenix Contact und Leiterin der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit. „Wir stellen seit 1953 auf der Hannover Messe aus und sind seit Jahren drittgrößter Aussteller.“ CEO Frank Stührenberg präsentierte – stellvertretend für Neuentwicklungen aus zahlreichen Produktbereichen – die neuen Ladestecker für die Elektromobilität (Bild).

Das Schnelllade-System CCS plus, das mit einer Leistung bis zu 350.000 W einen Akku in 3 bis 5 min für eine Reichweite von 100 km aufladen kann, gibt es für den europäischen und den amerikanischen Markt – in beiden Fällen mit standardisierten Steckverbindern. „Mit diesem Schnelllade-System wird eine der wichtigsten Forderungen erfüllt, die die Akzeptanz der Elektromobilität erhöhen“, so Josephs. „Das Ladesystem ist damit auch ein wichtiger Meilenstein für die politisch gewünschte Verbreitung der Elektromobilität auf beiden Seiten des Atlantiks.“

Fertigungstiefe und Knowhow im eigenen Hause

Als global agierendes Unternehmen produziert Phoenix Contact außer in Deutschland und den USA in weiteren acht Ländern. Das Spektrum der rund 60.000 Produkte umfasst Komponenten und Systemlösungen für die Energieversorgung inklusive Wind- und Solarenergie, für den Geräte- und Maschinenbau sowie für den Schaltschrankbau. Ein vielfältiges Programm von Reihen- und Spezialklemmen, Printklemmen und Steckverbindern, Kabelanschlusstechnik und Installationszubehör umfasst zahlreiche innovative Komponenten.

Elektronische Interfaces und Stromversorgungen, Automatisierungssysteme auf Basis von Ethernet und Wireless, Sicherheitslösungen für Mensch, Maschine und Daten, Überspannungsschutz-Systeme sowie Software-Programme und -Tools bieten Errichtern und Betreibern von Anlagen sowie Geräteherstellern umfassende Systeme. Die Märkte der Automobilindus­trie, der regenerativen Energien und der Infrastruktur werden durch ganzheitliche Lösungskonzepte inklusive Engineering-, Service- und Trainingsleistungen gemäß ihrer spezifischen Bedürfnisse betreut.

Was Phoenix Contact von vielen Marktbegleitern unterscheidet, ist die hohe Fertigungstiefe und das damit einhergehende breite Knowhow im eigenen Hause. Die Strategie, über Jahrzehnte mehr auf In- als auf Outsourcing zu setzen, hat sich in vielfacher Hinsicht als richtig erwiesen. So verfügt das Unternehmen über einen eigenen Werkzeug- und Maschinenbau. Von den Schrauben für Reihenklemmen über Kunststoff- und Metallteile bis hin zur hochautomatisierten Montagemaschine wird alles in hoher Qualität selbst gefertigt. „So sichern wir einerseits unsere wirtschaftliche und technologische Unabhängigkeit und erhalten den Gestaltungsraum“, so Josephs. „Andererseits gewährleisten wir, wofür Phoenix Contact steht: hohe Qualität bis ins kleinste Detail.“

Durch die hohe Fertigungstiefe ergeben sich vielfältige Aufgaben und interessante Fragestellungen innerhalb des Unternehmens. Gerade im Hinblick auf Industrie 4.0 ist dieser Aspekt von großer Bedeutung – Phoenix Contact ist dabei Anwender und Anbieter gleichermaßen. Josephs: „Was wir in unserem weltweiten Produktions-Netzwerk auf eigenem Knowhow und mit eigenen Produkten entwickeln und einsetzen, können wir als industrielle Lösung schneller und besser am Markt verkaufen.“

Die Automatisierung der Automatisierung

So sieht sich Phoenix Contact gut aufgestellt – in einer Welt, die sich immer schneller verändert, die digitaler, intelligenter und flexibler wird. Dabei weisen Initiativen wie Industrie 4.0, Industrial Internet Consortium (IIC) oder China Manufacturing 2025 wichtige Wege, wie sich die Digitalisierung für das Unternehmen auswirken wird. Neu ist das Thema dort nicht – im Bereich Automatisierungstechnik wurde schon vor mehr als zehn Jahren der Slogan „IT-powered Automation“ geprägt. Schon seinerzeit war man überzeugt, dass die Steuerungstechnik wesentliche Aspekte der Digitalisierung unterstützen müsse.

Zudem müsse sie neben der klassischen SPS-Funktionalität Kommunikationsschnittstellen bieten, über die sie nahtlos in IT-Strukturen integriert werden kann. „Intern kursierte auch der Begriff von der Automatisierung der Automatisierung, und seitdem sehen viele Kollegen den enormen Produktivitätsschub, den die Digitalisierung hier mit sich bringt“, erinnert sich Josephs. „In gewisser Weise schließt sich hier ein Kreis, weil die Digitalisierung selbst ja auch als Automatisierung begonnen hat – als Automatisierung der Rechenoperationen.“

Um die Digitalisierung in die intelligente Produktion von morgen zu wandeln, ist Phoenix Contact in der Plattform Industrie 4.0 von Beginn an aktiv. Dieses Gemeinschaftsprojekt der deutschen Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI setzt das Zukunftsprojekt der Bundesregierung um. In weiteren Technologienetzwerken und international führenden Gremien gestaltet das Unternehmen zentrale Themen mit. Außerdem wurde das Thema frühzeitig vom Kopf auf die Füße gestellt – etwa im Technologienetzwerk Smart Engineering and Production 4.0: Die Firmen Eplan, Rittal und Phoenix Contact erarbeiten den durchgängigen, automatisierten Prozess vom digitalen Artikel über das Engineering bis hin zur Produktion. Denn die Basis für die intelligente Produktion von morgen ist die Verwendung einer einheitlichen digitalen Beschreibung.

Im Rahmen des Spitzenclusters it‘s OWL entstand die „Automation für wandlungsfähige Produktionstechnik“ (AWaPro). Die individuelle Bestückung von Tragschienen mit Reihenklemmen passt sich flexibel an sich ändernde Herstellungsverfahren an. Die Datendurchgängigkeit vom Engineering-Tool bis zur Qualitätskontrolle sowie die wandlungsfähige Produktion machen alle Vorteile der Massenfertigung für die individuelle Produktion nutzbar – bis hinunter zur Stückzahl eins.

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