Kommentar zur E-Mobilität Lithium: Ohne Rohstoffsicherheit keine Chance für Europa

Autor / Redakteur: Dirk Harbecke * / Kristin Rinortner

Allein für die Batterien von Elektrofahrzeugen und zur Energiespeicherung wird Europa bis zum Jahr 2030 bis zu 18-mal und bis zum Jahr 2050 bis zu 60-mal mehr Lithium benötigen als heute. Ist Europa darauf vorbereitet?

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Dirk Harbecke: Der CEO von Rock Tech Lithium plant Ende 2023 mit dem ersten Lithiumkonverter in Europa an den Start zu gehen.
Dirk Harbecke: Der CEO von Rock Tech Lithium plant Ende 2023 mit dem ersten Lithiumkonverter in Europa an den Start zu gehen.
(Bild: Rock Tech Lithium)

Bis 2050 plant die EU ein CO2-neutrales Europa zu sein. Grund genug für die EU-Kommission den Druck zu erhöhen und das Ende für neue Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2035 zu beschließen. Bereits 2025 sollen innerhalb Europas sieben Millionen E-Autos produziert werden können.

Die Frage der Beschaffung der dazu notwendigen Rohstoffe scheint jedoch meist in den Hintergrund zu treten. Weder ist die europäische Rohstoffbeschaffung vollends gesichert, noch stehen die Verarbeitungsanlagen für das notwendige Lithium – dem Hauptrohstoff für die Batterieproduktion.

An Projekten für die Batterieherstellung und politischen Vorgaben für den Ausbau der E-Automobilindustrie mangelt es jedoch nicht. Wohl aber an Plänen, wo der Ausgangsrohstoff Lithium in ausreichenden Mengen bezogen und verarbeitet werden soll.

Problem Rohstoffsicherheit bei Zukunftstechnologien

Das Problem dahinter? Insgesamt bräuchte es zehn europäische Lithium-Konverter mit einer Gesamtproduktionskapazität von 240.000 Tonnen jährlich, um für die angestrebte Anzahl von sieben Millionen Elektroautos im Jahr 2025 Batteriezellen produzieren zu können. Aktueller Stand: Null.

Die Relevanz einer europäischen Rohstoffsicherheit wurde jüngst durch den Forschungsbericht „Rohstoffe für Zukunftstechnologien“ der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) besonders deutlich. DERA-Leiter Peter Buchholz appellierte an Unternehmen, ihre Lieferketten zu überprüfen, da Lithium und andere Metalle knapp und teurer werden können.

Bei Daimler-Benz scheint man dies begriffen zu haben. Obwohl der Autobauer eine Partnerschaft mit dem chinesischen Zulieferer Farasis geschlossen hat, will man seine Batteriezellen parallel auch selbst produzieren – um unabhängiger vom chinesischen Markt zu sein.

80 Prozent der Lithiumkonverter befinden sich in China

Etwa 80 Prozent der weltweiten Lithiumkonverter befinden sich in China. Null Prozent der Konverter in Europa. Zehn Werke in Europa bis zum Jahr 2025 an den Start zu bringen, um der chinesischen Dominanz eine ernsthafte Konkurrenz entgegenzusetzen, scheint aus heutiger Sicht nahezu ausgeschlossen. Diese benötigen wir aber, um den Bedarf zu decken und wirtschaftlich unabhängig zu sein.

Allein für die Batterien von Elektrofahrzeugen und zur Energiespeicherung wird Europa bis 2030 bis zu 18-mal und bis 2050 bis zu 60-mal mehr Lithium brauchen als heute. Industrie und Politik kalkulieren jedoch mit nicht vorhandenen Kapazitäten. Dabei müssen die Autohersteller aber Tempo aufnehmen, um Strafzahlungen für ihren CO2-Flottenverbrauch zu umgehen.

Batterieproduktion muss vorangetrieben werden

Die Politik möchte daher die Batterieproduktion massiv vorantreiben. So haben es Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire und EU-Kommissionsvize Maros Sefcovic bereits im März in einem Handelsblatt-Gastkommentar kundgetan. Doch den entscheidenden Punkt haben sie nicht beschrieben, das Wort „Lithium“ nicht einmal erwähnt.

An Projekten, Standorten und künftigen Werken für die Batteriezellproduktion gibt es derzeit keinen Mangel. Was wir benötigen, sind verlässliche Lithiumproduzenten mit Konvertern in Europa. Dabei sind wir als EU nicht allein: Laut Center Automotive Research (CAR) werden in den nächsten sechs Jahren Batteriezellen für fast 15 Millionen Neuwagen weltweit fehlen.

Die globale Nachfrage nach Lithium wächst jährlich um 25 bis 30 Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass Lithium und Batterien nicht nur für Elektroautos eingesetzt werden, sondern vor allem auch für die so notwendige generelle Energiespeicherung.

Immerhin steht Lithium seit 2020 auf der EU-Liste der kritischen Rohstoffe. Doch brauchen wir Versorgungssicherheit bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung von Lithium. Die Veredelung von Lithium innerhalb Europas muss daher stärker gefördert werden. Rock Tech Lithium unterstützt dies und plant Ende 2023 mit dem ersten europäischen Lithiumkonverter an den Start zu gehen.

* Dirk Harbecke ist CEO von Rock Tech Lithium .

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