Open-Source-Software Linux und Computerhardware für die Bildung in Afrika

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Menschen mit Open-Source-Software und Computerhardware ausstatten: Ein Freiburger Verein kümmert sich ehrenamtlich darum, dass Hard- und Software nach Afrika kommt. Allerdings stoßen die Ehrenamtlichen auch auf unerwartete Probleme.

Persönlich vor Ort: Hans-Peter Merkel fährt mehrmals im Jahr nach Afrika, um die Schulen zu betreuen. Ein Projekt liegt im besonders am Herzen: Nairobi.
Persönlich vor Ort: Hans-Peter Merkel fährt mehrmals im Jahr nach Afrika, um die Schulen zu betreuen. Ein Projekt liegt im besonders am Herzen: Nairobi.
(Linux4Afrika)

Freie Software für Afrika – man sollte meinen, dass damit den Menschen in Afrika geholfen werden kann. Freie Software und gespendete Hardware bilden den Grundstein für das Projekt Linux4Afrika. Das ist ein Teilprojekt von FreiOSS – dem Freiburger OpenSource Software Netzwerk. Ziel ist es, Open-Source-Software zu verbreiten. Unterstützung erhalten die Projektbeteiligten auch von den Ingenieuren ohne Grenzen.

Ergänzendes zum Thema
Elektronik hilft 2013 – Spendenaktion für Ostafrika

Die Hungersnöte vor allem im Osten von Afrika treffen die Ärmsten der Armen. Mit einer Spendenaktion unter dem Titel „Elektronik hilft“ will die ELEKTRONIKPRAXIS wie schon in den vergangenen beiden Jahren einen Beitrag zu den Hilfsaktionen leisten.

So können Sie sich als Leser beteiligen: Spenden Sie direkt bei CARE Deutschland-Luxemburg e.V. Bitte als Verwendungszweck "Ostafrika – Elektronikpraxis hilft" angeben bzw. auswählen. Wir werden darüber berichten, was in Summe zusammengekommen ist.

IT-Experten sollten Afrikaner und Asiaten betreuen

Das Projekt Linux4Afrika ist in den Jahren 2003 bis 2005 entstanden. Damals suchte man IT-Fachexperten, die Afrikaner und Asiaten betreuen sollten. Nach einjähriger Ausbildung sollten sie wieder zurück in ihre Länder, um dort ein eigenes IT-Business zu etablieren. Die Trainings erfolgten entweder online oder aber direkt mit dem Betreuer. Zur Ausbildung gehörte auch ein dreimonatiges Praktikum, welches von einigen Stipendiaten an einem Freiburger Gymnasium durchgeführt wurde.

Finanziert wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), damals unter den Namen InWent. Im ersten Jahr waren es vierzig Teilnehmer aus fünf asiatischen und fünf afrikanischen Ländern. Aus Kostengründen wurde in den Folgejahren Asien aus dem Ausbildungsprogramm genommen. Im Gegenzug wurden zwei weitere afrikanische Länder aufgenommen: Angola und Mosambik. Im folgenden dritten Jahr wurden noch einmal 20 Teilnehmer für das Projekt ausgewählt. Rekrutiert wurden die Teilnehmer der lokalen IT-Industrie und Universitäten der jeweiligen Hauptstadt, meist waren es Teilnehmer mit einem Bachelor-Abschluss. Man wollte Leute mit IT-Kenntnissen aus Universitäten und der lokalen Industrie zusammen bringen. Aus diesem Projekt ist dann die Idee entstanden, warum man die Leute nicht auch vor Ort in Afrika ausbildet.

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Trotz Fachwissen keine Chance auf dem Arbeitsmarkt

Nach den drei Jahren sollten die zurückkehrenden Bachelor – es waren jeweils 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer – neue Geschäftsideen in ihrem Heimatland aufbauen. Der erhoffte Erfolg wurde leider nur teilweise erreicht. Viele Rückkehrer sind trotz ihrer deutlich verbesserten Kenntnisse wieder an ihre Universität gegangen und haben ihren alten Job aufgenommen. Dabei ist viel Frust entstanden. Die Stipendiaten hatten in ihrer zwölfmonatigen Ausbildung viel Fachwissen erhalten, was sie allerdings nicht in der Praxis umsetzen konnten. Die Asiaten sind in englischsprachige Länder, wie USA oder Kanada gegangen, und haben sich dort weiter qualifiziert. Nach drei Jahren wurde das Entwicklungshilfeprojekt beendet.

Doch wie kommen das Know-how und die Computerhardware nach Afrika? Einer der Projektverantwortlichen, Hans-Peter Merkel, schult weltweit zu den Themen Computerkriminalität und Forensik. Die jungen Afrikaner haben ihr Wissen bei Behörden wie Zoll, Steuerfahndung oder Polizei eingebracht. Es kam zu entsprechenden Trainings in den Ländern. Da Merkel einen offiziellen Regierungsauftrag besitzt, bekommt er für die Durchführung der Ausbildung die Flüge bezahlt. Das ist eine ideale Voraussetzung für die anschließende ehrenamtliche Arbeit für Linux4Afrika.

Ein Container mit Rechner geht nach Südafrika

Die verschifften Rechner werden gespendet und die Hardware wird in den jeweiligen Ländern vor Ort von entsprechenden Ansprechpartnern aufbereitet werden. Bei den Projekten mit den Ingenieuren ohne Grenzen reicht es aus, wenn die Hardware direkt in das Land geliefert wird, ohne dass diese aufbereitet werden muss. Es gibt auch autarke Projekte wie in Mosambik, wo diverse Linux-Rechner an der Universität sind. Der Partner vor Ort war in einem der 12-monatigen Lehrgänge in Deutschland.

Der Partner in Südafrika nimmt jedes Jahr meist fünf junge Deutsche für ein freiwilliges soziales Jahr auf. Sie unterrichten an afrikanischen Schulen und bereiten zusätzlich die Computer in einem eigens dafür hergerichteten Labor auf. Nach Südafrika werden dementsprechend auch Einzelteile geschickt, wie Mainboards, CPUs oder Speichermodule. Da der Partner Teile des Transports bezahlen muss, bekommt dieser ein gewisses Kontingent zugeteilt, was er zu Geld machen kann. Ein Teil verkauft er an die örtliche Industrie und ein Teil bekommen dann die Schulen.

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