Angemerkt

Lieber schnurlos glücklich als schwer auf Draht

| Redakteur: Thomas Kuther

Thomas Kuther, Redakteur (thomas.kuther@vogel.de): „Smartphone & Co funktionieren schnurlos - was aber ist mit den Lade- und Strokabeln?“
Thomas Kuther, Redakteur (thomas.kuther@vogel.de): „Smartphone & Co funktionieren schnurlos - was aber ist mit den Lade- und Strokabeln?“

Unsere Welt wird immer schnurloser – Smartphoness, WLAN Bleutooth und RFID-Chips sind nur einige Beispiele. Was ist aber mit den Stromleitungen und Ladekabeln der Mobilgeräte? Da besteht doch enormer Nachholbedarf!

Telefone wurden in Form von Schnurlos- und Mobiltelefonen schon vor vielen Jahren von der Leine gelassen, dank WLAN komme ich von meiner Gartenterrasse aus ins Internet, Smartphone & Co. kommunizieren via Blauzahn miteinander und der RFID-Chip in meinem neuen Personalausweis verrät ohne direkten Kontakt zu einem Lesegerät, wer ich bin. Schnurlos arbeitende Computermäuse und -Tastaturen, Alarmanlagen, Wetterstationen, Autoschlüssel, Türklingeln sowie Lautsprecher und Headsets sind weitere Beispiele. Eine vollständige Liste aller denkbaren Anwendungen zur Vermeidung von Kabelsalat würde wohl einen kompletten Jahrgang der ELEKTRONIKPRAXIS füllen.

Alles schön und gut, aber was ist mit dem undurchdringlichen Urwald aus Stromleitungen und Ladekabeln für diverse Mobilgeräte hinter meinem Schreibtisch und im Wohnzimmerregal? Ich würde dem Dickicht ja gerne einmal mit einer Machete zu Leibe rücken – aber das ist sicher keine besonders gute Idee.

Doch noch ist nicht alle Hoffnung verloren! Meine Zahnbürste etwa wird schon induktiv – also kontaktlos – geladen. Und die vom Wireless Power Consortium verabschiedete Spezifikation „Qi“ könnte mit dem Kabelwirrwarr tatsächlich aufräumen. Zum Laden ist keines der zigtausend individuellen Ladekabel nötig, sondern das Mobilgerät wird einfach auf ein herstellerunabhängiges Qi-Ladepad gelegt. Allerdings lassen sich mit Qi nur fünf Watt übertragen – zu wenig zur Stromversorgung von Desktop-PC, Fernseher und Zimmerbeleuchtung.

Dabei funktioniert die Energieübertragung auch größerer Leistungen durchaus. Das bewies bereits Nikola Tesla am 20. Mai 1891 in einem Vortrag am Columbia College in New York, wo er Gasentladungsröhren schnurlos zum Leuchten brachte. Auch Forschern am MIT gelang es schon 2007, 60-Watt-Glühbirnen kabellos über eine Strecke von zwei Metern zum Leuchten zu bringen. Diese WiTricity genannte Technik könnte das Stromkabel ebenso überflüssig machen wie auch der 2008 von Intel vorgestellte Wireless Resonant Energy Link (WREL).

Was ist da naheliegender, als auch Elektroautos schnurlos mit Strom zu versorgen? Aber auch diese Idee ist keineswegs neu, wie ein Beitrag des US-Magazins Modern Mechanix von 1936 zeigt: An Bord des „Radio Powered Car“ sollten von großen Sendemasten am Straßenrand abgestrahlte elektromagnetische Wellen den nötigen Strom liefen.

Wenn wir eines Tages dann endlich alle Kupferkabel durch Funkstrecken ersetzt haben, wird es Zeit für den nächsten Schritt: Wasser, Abwasser, Gas und Heizwärme sollten ebenfalls schnurlos übertragen werden! Wer einmal die Rechnungen für neue Rohre bei einem Hausumbau bezahlt hat, weiß was ich meine ...

Ihr Thomas Kuther

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posted am 15.06.2012 um 15:18 von Unregistriert


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