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Vernetzte LED „Licht-basierte Infrastruktur als Rückgrat für ein effizientes IoT“

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Licht spielt im Internet der Dinge eine wichtige Rolle: Tridonic sieht es sogar als Rückgrat an. Doch die Branche mit den LEDs ist schnelllebig. Wir sprachen mit Guido van Tartwijk, CEO bei Tridonic.

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Das Licht ist das Rückgrat im Internet der Dinge: Guido van Tartwijk, CEO bei Tridonic.
Das Licht ist das Rückgrat im Internet der Dinge: Guido van Tartwijk, CEO bei Tridonic.
(Bild: Tridonic)

Wer auf dem Markt der Beleuchtung mithalten will, muss mehr bieten als nur LEDs und ihre Komponenten. Die Branche wird angetrieben von der Digitalisierung des Lichts, was bedeutet, dass in vernetzten Gebäuden oder der vernetzten Stadt die Leuchten miteinander kommunizieren und Daten austauschen. Licht ist das Rückgrat für das Internet der Dinge.

Wir wollten es genauer wissen und sprachen mit dem CEO von Tridonic, Guido van Tartwijk. Der Niederländer und promovierte Physiker verfügt über langjährige Erfahrung in der Licht- und Halbleiterindustrie, unter anderem war er in verschiedensten Top-Management-Funktionen für Philips Lighting tätig.

Herr Tartwijk, wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel-/langfristig in der Beleuchtungs-Branche positioniert?

Die Lichtbranche ist ein sehr schnelllebiges Umfeld. Zunächst haben wir den Wandel von der klassischen Leuchte zur LED vollzogen. Nun beschäftigt uns die Rolle des Lichts im Internet der Dinge. Als Player in diesem Markt müssen wir uns in immer kürzer werdenden Zyklen neu ausrichten, innovative Lösungen präsentieren sowie unsere Geschäftsmodelle überdenken und anpassen. Daher entwickeln wir uns selbst seit einigen Jahren vom reinen Komponentenhersteller zum umfassenden Technologieanbieter, vom rein Hardware-getriebenen Geschäft hin zu integrierten Lösungen wie zum Beispiel net4more. Dort bündeln wir Treiber, Sensoren und Cloud-Dienste in einem IP-basierten-Gesamtpaket. Die Kundennähe und Beratung nimmt dabei eine noch wichtigere Rolle ein. Kurzum: Unsere Ziel ist es, ein globaler Innovationstreiber für Netzwerk-Technologie zu sein.

Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche in Bezug auf die Beleuchtung mit LED und wie könnten sich diese mittel-/langfristig entwickeln?

Der Markt hat das Potenzial der LED in Bezug auf Effizienz und Einsatzmöglichkeiten erkannt und die Technologie ist ausgereift. Sowohl im Neubau auch als bei Modernisierung werden LEDs standardmäßig eingesetzt. Schwerpunkte in der Weiterentwicklung setzen wir bei der Verbesserung von Farbqualität und -stabilität, der Verlängerung der Lebensdauer sowie in eine einfachere Installation, Inbetriebnahme und Nutzung. Mittelfristig erwarten sich Kunden bessere Optiken, einen einfacheren Wechsel sowie Vereinheitlichungen und Standardisierungen bei Lichtsteuerungen. Unsere Kunden und Partner fordern zudem die bessere Integration der Lichttechnik in andere Gewerke wie die Gebäudetechnik oder die intelligente Steuerung der Systeme. Darüber geht es zunehmend auch um das Replacement, da viele Produkte aus der LED-Anfangszeit nicht mehr erhältlich sind. Hier möchten wir unseren Kunden optimale und effiziente Lösungen präsentieren.

Mit net4more unterstützen Sie das Internet der Dinge (des Lichts). Wie beurteilen Sie die Entwicklung für Ihr Unternehmen und für Ihre Kunden?

Wir sind davon überzeugt, dass eine Licht-basierte Infrastruktur das Rückgrat für ein effizientes Internet der Dinge ist. Mit net4more haben wir hierfür eine zukunftssichere, flexible, offene und skalierbare Plattform geschaffen, auf der sich Licht nahtlos mit der IP-Welt verknüpfen lässt. Unsere Kompetenzen in Elektronik, Sensorik, Software und LED-Steuerung haben wir dabei mit den Angeboten unserer Partner, zum Beispiel zur Datenanalyse in der Cloud, gebündelt. Unsere Kunden erkennen vermehrt die Vorteile einer integrierten Lösung, beispielsweise für eine optimierte Raumnutzung im Büro oder die Indoor-Navigation im Handel. Derzeit realisieren wir erste Pilotprojekte, die wir auch dazu nutzen, unser Angebot und unsere Dienstleistungen weiter zu optimieren. Wir sind davon überzeugt, dass wir damit ein zukunftsweisendes Setup für das Internet des Lichts haben.

Das Thema Binning von LEDs spielt bei Tridonic keine Rolle mehr. Wie kam es zu diesem Schritt und welche Vorteile versprechen Sie sich als Hersteller dadurch?

Binning verursacht zusätzlichen logistischen Aufwand. Man muss die produzierten Lichtquellen nicht nur entsprechend klassifizieren, sondern in Folge auch logistisch abbilden. Dieser zusätzliche Aufwand entstünde sowohl beim Kunden als auch bei uns als Lieferanten. Viel wichtiger ist jedoch die Perspektive der Anwendung: Vielfach besteht gar nicht die Möglichkeit, nur einen Bin zu beziehen oder die Verfügbarkeit dieses Bins ist sehr unsicher. Konsequenterweise beziehen die Leuchtenhersteller daher ein Set verschiedener Bins, oft auch aus Kostengründen, denn Single-Bins sind immer erheblich teurer. Binning bedeutet vielfach also nicht nur, verschiedene Farb-Klassen von LED-Lichtquellen zu beziehen, sondern erfordert auch, die Farbunterschiede innerhalb der Leuchte durch intelligentes Kombinieren verschiedener Bins auszumischen. Ironischerweise wird also das Binning in der Leuchte wieder umgekehrt.

CoB-Module, wie Tridonics SLE-Familie, werden fast ausschließlich als einzelner Lichtpunkt pro Leuchte verwendet. Ein Ausmischen innerhalb der Leuchte ist also gar nicht möglich. Gleichzeitig ist es für den Leuchtenhersteller nicht zumutbar, verschiedene Farb-Bins in einer Installation mit mehreren Leuchten in einem Raum zu akzeptieren. Die Fokussierung auf die Anwendung und den Kundennutzen ergibt also als logische Konsequenz das Zero-Binning-Konzept. Nur dadurch können wir dem Kunden zuverlässig über den gesamten Produktlebenszyklus und auch generationenübergreifend farbkonstante Produkte bieten. Dies gilt sowohl für Neuinstallationen als auch für den Fall des Austauschs. Diese Ansicht hat sich bei Tridonic schon sehr früh durchgesetzt, sodass wir unsere Produkte seit mehr als zehn Jahren konsequent nicht binnen.

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