Suchen

Leserumfrage: Das Homeoffice eignet sich auch für Entwickler

| Redakteur: Richard Oed

Die SARS-CoV-2-Pandemie verbannte binnen kürzester Zeit viele Beschäftigte ins Homeoffice. Aber funktioniert das auch für Entwickler und Ingenieure? Das wollte im Juni 2020 die ELEKTRONIKPRAXIS im Rahmen einer Umfrage von ihren Lesern erfahren. Und diese antworteten zahlreich und ausführlich.

Firma zum Thema

Kernaussagen 
unserer Leser: 
Die im Juni 2020 durchgeführte Homeoffice-Umfrage der ELEKTRONIKPRAXIS ergab einige interessante Erkenntnisse.
Kernaussagen 
unserer Leser: 
Die im Juni 2020 durchgeführte Homeoffice-Umfrage der ELEKTRONIKPRAXIS ergab einige interessante Erkenntnisse.
(Bild: ELEKTRONIKPRAXIS)

Von der großen Zahl unserer Leser, die sich an der Umfrage beteiligten, arbeiteten im Mai dieses Jahres 68,8% zumindest teilweise von zu Hause aus, wobei sie den Homeoffice-Anteil ohne Einfluss der Pandemie auf 12,1% schätzten. 30% der Befragten gaben zudem an, dass ihrer Meinung nach der Einsatz im Homeoffice von Mai auf Juni abnehmen wird.

28,4% der Antwortenden arbeiten dabei in der Industrieelektronik, 15,5% in der Automobilindustrie und 10,8% in der Automatisierungstechnik. Die restlichen 45,3% verteilen sich auf den Maschinenbau, die Energietechnik oder andere Sparten. Jeweils circa 25% der befragten Personen üben ihre Tätigkeiten in kleinen und mittleren Betrieben aus und 50% in großen Unternehmen. Dabei sind 60% der Befragungspersonen als Fachkräfte oder Spezialisten tätig. 75% arbeiten in Forschung und Entwicklung. 70% der Befragten waren im Mai nicht in Kurzarbeit. Im Juni zeigt sich ein ähnliches Bild.

Bildergalerie

Die Mehrheit will nach Corona weiter im Homeoffice arbeiten

Dass das Homeoffice ebenfalls für Entwickler und Ingenieure funktioniert, zeigt sich daran, dass über alle Teilnehmer der Umfrage hinweg 61,3% auch nach dem Abflauen der Corona-Krise weiterhin teilweise im Homeoffice arbeiten wollen. Besonders stark vertreten war dieser Wunsch in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen. Generell schätzen die Leser die Konzentration und die Produktivität im Homeoffice als gleich oder größer ein, wobei jedoch die technische und räumliche Ausstattung gegeben sein muss.

Als wichtigster Grund gegen das Homeoffice wurde der fehlende Kontakt mit den Kollegen genannt, aber auch dass Beruf und Privatleben sich zu sehr vermischen. Die meisten Befragten sind sich allerdings einig: „Homeoffice funktioniert“. Als problematisch wurde ebenfalls der zusätzliche Aufwand zur Betreuung der Kinder und des „Homeschoolings“ gesehen, der ein durchgehendes Arbeiten erschwert und bei so manchem die Arbeitsstunden in die Nacht verschiebt.

Unterschiedliche Meinungen gibt es, was Mitarbeiter mit hardwarenahen Tätigkeiten betrifft: So meinte ein Leser, dass „Homeoffice mit Hardwaretätigkeiten (Löten, Messen, Testen) kaum vereinbar ist“, während ein anderer schrieb, „dass es [Homeoffice] auch für Labormenschen funktioniert. Man muss halt diverse Messgeräte mitnehmen.“ Mehrere Teilnehmer bemängelten in diesem Zusammenhang, dass die benötigte Mess- und Test-Software häufig nur innerhalb des Firmennetzwerkes nutzbar sei.

Platz und Ergonomie sind teilweise problematisch

Ebenfalls abgefragt wurde die Wohnsituation während des Homeoffices. So verfügen 40,2% der befragten Personen über ein eigenes Büro. 51% besitzen einen eigenen Arbeitsbereich, der nicht vom privaten Wohnraum getrennt ist und 8,8% verfügen über keinen eigenen Arbeitsbereich. Dabei ist bei den unter 40-Jährigen der Anteil des eigenen Büros mit 15,6% weitaus geringer als bei den älteren Befragten. 85 Prozent der Teilnehmer gab an, dass sie im Homeoffice völlig oder weitgehend ungestört arbeiten können. Bei den bis 39-Jährigen schrumpft dieser Anteil aber auf unter 70%. Der Grund hierfür könnte neben familiären Gründen sein, dass in dieser Altersgruppe bei 68,8% der Befragten das Büro nicht vom privaten Wohnraum getrennt ist.

Einige Teilnehmer der Befragung sahen auch die Ergonomie der heimischen Arbeitsplätze kritisch. So wären Tische, Stühle und Monitore zu Hause nicht für längeres Arbeiten geeignet.

Virtuelle Meetings nehmen stark zu

Alle Teilnehmer bestätigten eine Zunahme von Besprechungen via Telekonferenz. So nahmen 60% der Befragten während der Zeit im Homeoffice (fast) täglich an Meetings teil, die mittels Videokonferenz abgehalten wurden. Dabei spielt auch die Größe des Unternehmens eine Rolle: So lag die Teilnahme der Befragten bei kleineren Betrieben bei 25% und bei großen Unternehmen bei 75%.

80 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage gaben an, dass die Besprechungen via Videokonferenz problemlos ablaufen. Im Fehlerfall traten am häufigsten traten Bild- und/oder Tonstörungen auf, gefolgt von Verbindungsproblemen. Interessanterweise traten die Bild- und Tonstörungen bei mittleren und großen Unternehmen häufiger auf als bei kleinen Firmen. Auch Schwierigkeiten mit der Bandbreite und dem VPN gehören zu den öfter genannten Problemen.

Alle Beteiligten haben aus der Umsetzung gelernt

Was konnten die Beteiligten aus der Krise lernen? Als aus der Corona-Krise gewonnene unternehmerische Erkenntnisse im Kontext Homeoffice führen die Teilnehmer der Umfrage am häufigsten an, dass es ihren Unternehmen an Akzeptanz und Flexibilität gegenüber dem Einsatz im Homeoffice fehlt. Zudem werden Verbesserungen im Bereich der Zeiterfassung angemahnt. Als positiv wir angeführt, dass sich das Vertrauen in die Mitarbeiter ausgezahlt hat.

Als persönliche Erkenntnis nehmen die Umfrageteilnehmer mit, dass Homeoffice bei den allermeisten funktioniert und dass Bedenken sowohl auf Unternehmer- als auch auf Arbeitnehmerseite oftmals unbegründet waren. Als besonders vorteilhaft wurde der Wegfall der für den Weg zur Arbeit benötigten Zeit gewertet, und mancher Beteiligte gewann der Situation ganz eigene positive Seiten ab: So erwähnte ein Leser ausdrücklich das „bessere und gesündere Mittagessen“ das er von seiner Frau zu Hause bekam.

Jedoch gibt es auch kritische Stimmen. Gerade während der Corona-Krise mit ihren vielfältigen Problemen wie Beaufsichtigung der Kinder im Haushalt und der längeren Dauer von Einkäufen empfanden es viele Beschäftigte als schwierig, die anstehenden beruflichen Tätigkeiten zu koordinieren und ein durchgehendes Arbeiten sicherzustellen.

Dennoch strebt ein Großteil der Befragten auch weiterhin den Einsatz im Homeoffice an, wobei sich viele einen gesunden Mix aus Homeoffice und Anwesenheit im Büro wünschen. Unsere Leser sind schon gespannt, wie es nach Corona mit diesem Thema weitergeht!

(ID:46739432)