Elektronische Displays Leitsatz bei Data Modul: „Gesund bleiben und Personalabbau vermeiden“

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Die Corona-Pandemie hat der Display-Experte Data Modul unter anderem dazu genutzt, sein Hybrid-Bonding-Verfahren zu erweitern. Auch eine neue Produktion hat das Unternehmen in Shanghai eröffnet.

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Dr. Florian Pesahl: „ Wir konnten unsere Bondingexpertise um das neue und einzigartige Hybrid-Bonding-Verfahren erweitern, das sich ideal für großvolumige Aufträge eignet.“
Dr. Florian Pesahl: „ Wir konnten unsere Bondingexpertise um das neue und einzigartige Hybrid-Bonding-Verfahren erweitern, das sich ideal für großvolumige Aufträge eignet.“
(Bild: Data Modul / Jan Greune)

Mehr als ein Jahr Corona-Pandemie liegt hinter Gesellschaft und Wirtschaft. Aber die Hoffnung auf ein Ende durch die Zunahme der vollständig Geimpften wächst. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Florian Pesahl erklärt im Interview, wie Data Modul die zurückliegenden schwierigen Zeiten gemeistert hat und wie das Tech-Unternehmen den Display- und Elektronikmarkt im Jahr 2021/22 beurteilt.

Herr Dr. Pesahl, wie sind Sie den pandemiebedingten Herausforderungen begegnet?

Die Pandemie und ihre Auswirkungen haben uns auf verschiedensten Ebenen getroffen: Das reicht von wegbrechenden Kundenbedarfen über Ressourcenverknappung und -preiserhöhungen bis hin zu massiven bis heute andauernden Lieferengpässen. Der Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter, sowie die Sicherung der Abläufe stand an erster Stelle. Unser Leitsatz über den gesamten Pandemie-Zeitraum lautete und lautet: „Gesund bleiben und Personalabbau vermeiden“.

Was haben Sie in der Krise gelernt?

Wir haben erkannt, wie wir unsere Kernkompetenzen weiter optimieren und mit sich ständig verändernden Rahmenbedingungen umgehen können. So haben wir seit Beginn der Pandemie verstärkt auf eine flexible Arbeitsplatzgestaltung gesetzt und sie in unseren Arbeitsalltag integriert. Das größte Learning war die Erkenntnis, dass unsere seit Jahren gelebten Erfolgsfaktoren – Innovationskraft, Flexibilität und eine langfristig ausgerichtete Geschäftsstrategie – uns geholfen haben, mit der erforderlichen organisatorischen Resilienz angemessen auf die Krise reagieren zu können.

Was hat Data Modul in diesen schwierigen Zeiten geholfen?

Vor allem unsere Flexibilität, sich neuen Rahmenbedingungen und Eventualitäten anpassen zu können, ohne in Aktionismus zu verfallen. Ohne den Einsatz und den Zusammenhalt der Belegschaft wäre uns das nicht so gut gelungen. Geholfen haben unsere solide finanzielle Basis und Kapitalstruktur sowie die Orientierung an den Eckpfeilern unseres Strategieprogramms.

Wie unterstützen Sie als Unternehmen ihre Mitarbeiter?

Das vergangene Jahr hat viele Veränderungen mit sich gebracht, insbesondere für unsere Mitarbeiter. Unseren IT-Spezialisten ist es gelungen, die nötige Infrastruktur innerhalb weniger Tage bereitzustellen, um das Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen. Wichtig ist eine transparente Kommunikation, um aufkommende Unsicherheiten vorzubeugen. Vor allem für das Thema Kurzarbeit ist das wichtig, die wir vorübergehend an einigen Standorten eingeführt haben.

Durch freiwillige Aufstockung der aus der Kurzarbeit entstandenen Verdiensteinbußen konnten wir für fast alle Mitarbeiter ein nahezu unverändertes Einkommen sichern. Dank der Maßnahmen gab es keine pandemiebedingten Entlassungen. Wir bieten ein freiwilliges Impfangebot über unseren Betriebsarzt und wollen die Gesundheit unserer Mitarbeiter nachhaltig schützen.

Was haben Sie in der Krise erreicht?

Wir haben in der Corona-Krise neue Innovationen und Technologien entwickelt. So haben wir unsere Bondingexpertise um das neue und einzigartige Hybrid-Bonding-Verfahren erweitert, das sich für großvolumige Aufträge eignet. Ebenso haben wir unsere kapazitive Gestensteuerung weiterentwickelt, um unseren Kunden eine clevere Bedienmethode anzubieten. Denn gerade durch die Corona-Krise erfährt die Suche nach möglichst hygienischen und im besten Fall berührungslosen Bedienmethoden eine nie dagewesene Nachfrage. Nicht zuletzt deshalb haben wir eine Vielzahl von hygienischen Bedienmethoden demonstriert und erläutert.

Wie sehen Sie die Zukunft? Und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Trotz Krise und der damit verbundenen Ausnahmesituation gab es viele positive Impulse und Meilensteine, sodass wir wachsam-zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft blicken. Neben neuen Technologien und Innovationen, blicken wir auf die erfolgreiche Inbetriebnahme unseres neuen Produktionswerkes in Shanghai und den kontinuierlichen Ausbau unseres Produktionsstandortes im polnischen Lublin zurück. Wir erweitern uns damit international und reagieren auf das kontinuierliche globale Wachstum der Branche und auf die Kundenwünsche nach lokaler Betreuung sowie kürzeren Produktionszyklen. Dank internationaler Produktions- und Logistikstruktur sind wir flexibler aufgestellt und wir werden organisatorisch stabiler, damit wir in Zukunft auf sich verändernde Rahmenbedingungen schnell und sicher reagieren können.

Was sollte man jetzt unbedingt tun?

Krisen gehören für Unternehmen zum Lebenszyklus. Die derzeitige Pandemie war für viele der größte bisherige Weckruf. Unternehmen sind aufgefordert, eine ganzheitlichere Perspektive einzunehmen, Prozesse auf den Prüfstand zu stellen sowie Chancen und Risiken neu abzuwägen, um nachhaltige strategische Zukunftsentscheidungen zu fällen. Weil es immer wieder zu veränderten Rahmenbedingungen kommen wird, ist der Aufbau einer flexiblen und agilen Unternehmensstruktur entscheidend. Die Gesundheit der Mitarbeiter darf genauso wenig außer Acht gelassen werden wie die finanzielle Stabilität und ein nachhaltiger Umgang mit ökonomischen und ökologischen Ressourcen. Die Pandemie hat uns eines gezeigt: Wir sind in allen Lebenslagen Teil des Ganzen. Unser Alltag und Wirtschaftssystem sind hochsensibel. Wir müssen uns laufend anpassen und uns auf die eigenen Stärken besinnen. Dann lässt sich optimistisch in die Zukunft schauen.

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