Beleuchtungstechnik LEDs für's Auto sind keine Katalogware

Redakteur: Andreas Mühlbauer

Der Automotive-Bereich bietet ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten für LEDs. Dies stellt hohe Anforderungen auch an den Distributor. Martin Hetz, Product Sales Manager Opto Components bei RUTRONIK und Mitglied des Power & Lighting Development Center Teams, gibt Auskunft über die besondern Aufgaben und Ansprüche in der Branche.

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„Wir als Distributor sind mehr denn je als Berater gefordert, um für sowohl für LED-Hersteller als auch Autozulieferer eine optimale Serienverfügbarkeit und intelligente Verwendung der beim Hersteller angefallenen Chargen sicherzustellen“, Martin Hetz, RUTRONIK
„Wir als Distributor sind mehr denn je als Berater gefordert, um für sowohl für LED-Hersteller als auch Autozulieferer eine optimale Serienverfügbarkeit und intelligente Verwendung der beim Hersteller angefallenen Chargen sicherzustellen“, Martin Hetz, RUTRONIK
( Archiv: Vogel Business Media )

Welche Aufgaben übernimmt das Power & Lighting Development Center?

Der Automotive-Bereich bietet zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für LEDs. Dies räumt den Beratungsdienstleistungen eines Distributors breiten Spielraum ein: Produktionsbedingte Farb- und Helligkeitsunterschiede fordern beim Einsatz von LEDs gerade in diesem Segment durchdachte Vorarbeit. Für uns ist die Automobilindustrie der aktuell größte Absatzmarkt für das gesamte LED-Spektrum.

Aufgrund der beratungsintensiven Applikationen haben wir für unsere Kunden eine europaweit zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um LEDs eingerichtet: Das Development Center Power & Lighting, das 2006 gegründet wurde.

Können Kunden das Power & Lighting Development Center direkt ansprechen?

Wir setzen auf einen modularen Vertriebs- und Betreuungsansatz. Wie alle RUTRONIK Development Center ist es in die europaweite Struktur aus Field Application Engineers (FAEs), Produkt- und Linemanagement sowie das Tools- und Applications-Center integriert. Grundsätzlich sind alle modularen Ebenen direkt ansprechbar. Der Kunde wird entsprechend seiner Anforderungen an die jeweils geeigneten Ansprechpartner weitergeleitet.

Welche Rolle übernimmt der Distributor bei der LED-Beratung?

Für den Distributor gilt es, im Automotive-Bereich als Schnittstelle Brücken zu schlagen zwischen den Anforderungen der Zulieferindustrie, unserem Hauptklientel im Automotivbereich, und den technischen Möglichkeiten der LED-Hersteller. Die von uns betreuten und belieferten Automotive-Applikationen erstrecken sich beispielsweise auf Amaturenhinterleuchtung, Interieur-Beleuchtung, Displayhinterleuchtung, Blinker und in Spiegel integrierte Blinker, drittes und herkömmliches Bremslicht sowie das Tagesfahrlicht.

Mit welchen Herstellern arbeiten Sie bei LEDs für den Automotive-Markt zusammen?

Um die hohen technischen und branchenspezifischen Anforderungen zu erfüllen, setzt RUTRONIK auf eine langfristige und intensive Zusammenarbeit mit seinen Kunden sowie auf den Franchise-Partner Osram Opto Semiconductors (Osram OS). RUTRONIK ist in Europa der zweitgrößte Osram-Distributor und in Deutschland der erfolgreichste Vertriebspartner.

Welche besonderen Herausforderungen bringt der Einsatz von LEDs im Automotive-Bereich?

LEDs sind keine Katalogware, schon gar nicht, wenn sie für den Einsatz im Automobil bestimmt sind. LEDs fallen bei der Produktion in verschiedenen Helligkeiten und Farbuntertönen an. Durch verschiedene Herstellungstechnologien und Materialzusammensetzungen lassen sich Helligkeit und Farbton zwar beeinflussen, dennoch fallen am Ende einer Produktionscharge verschiedenste Helligkeiten und Farbtöne an.

Damit das menschliche Auge in der Anwendung homogene Ausleuchtungsverhältnisse empfindet, müssen sich die dazu verwendeten LEDs in Helligkeit und Farbton entsprechen. Daher müssen die produzierten LEDs in so genannte Halbklassen unterteilt werden.

Wie entsteht ein einheitliches Beleuchtungsbild innerhalb der Applikation?

Die Endkunden – in diesem Fall Automobilhersteller – geben ihren Zulieferern üblicherweise ein Pflichtenheft vor. Darin wird konkret spezifiziert, mit welcher Helligkeit in Candela pro Quadratmeter und welchem Farbton die Applikation an der Oberfläche leuchten soll.

Um diese Vorgabe zu erfüllen, wäre es für den Automobilzulieferer von Vorteil, immer nur eine einzige Helligkeitshalbgruppe einzusetzen. Da dies eben nicht gewährleistet werden kann, muss der Zulieferer mit verschiedenen Vorwiderständen oder elektrischen Ansteuerungen arbeiten, damit an der Oberfläche der Applikation immer dieselbe Helligkeit erzielt wird.

Vergeben Automobilhersteller LED-Applikationen häufig an unterschiedliche Zulieferer?

Ja, das ist die Regel, auch innerhalb einer Automobilserie. Umso wichtiger ist es für den einzelnen Zulieferer, dass er die hohen Qualitätsstandards durch genaue Spezifikationen erfüllt. Schließlich muss am Ende ein einheitliches Beleuchtungsbild im und am Fahrzeug stehen.

Wie greift RUTRONIK an dieser Stelle ein?

Wir beraten den Kunden bei der Selektionsauswahl und sind je nach Anforderung auch direkt in die Gespräche beim Endkunden involviert. Dank unseres breiten Produktspektrums können wir unseren Kunden zu den verschiedenen Helligkeitshalbgruppen die passenden Vorwiderstände liefern.

Dabei profitiert der Kunde auch von unserem Logistiksystem, denn administrativ und logistisch wäre eine solche Selektion durch den Automobilzulieferer selbst kaum realisierbar. In der Praxis sieht das so aus: Bereits beim Wareneingang im RUTRONIK Logistik Center werden die z.B. von Osram OS angelieferten LEDs generell nochmals in einzelne Klassen selektiert und entsprechend gelagert, obwohl der Hersteller schon unterschiedliche Helligkeits- und Farbgruppen anbietet.

Wie geht der Zulieferer sicher, dass er seine Produktion optimal abdecken kann?

Je mehr Helligkeitsselektionen freigegeben werden, desto größer ist zwar der logistische Aufwand bei unseren Kunden, doch gleichzeitig steigt die Garantie einer reibungslosen Belieferung. Je eingeschränkter der Automobilzulieferer die Helligkeitsgruppen bestellt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gewünschte Helligkeit bei der Produktion nicht anfällt.

Daher lautet unsere Empfehlung: Um die Liefersicherheit zu gewährleisten sollten mindestens vier Halbgruppen und zwei Farborte freigegeben werden. Letztlich hängt die Liefersicherheit und damit die Produktion des Zulieferers von einer intelligenten Wahl der verwendeten Selektionsklassen ab, denn Stillstand am Band kann sich heute niemand leisten.

Welche Rolle will RUTRONIK im Automotive-Segment in Zukunft spielen?

Wir als Distributor sind mehr denn je als beratende Instanz gefordert, um für sowohl für LED-Hersteller als auch Autozulieferer eine optimale Serienverfügbarkeit und intelligente Verwendung der beim Hersteller angefallenen Chargen sicherzustellen.

Logistik und Beratung sehen die Hersteller inzwischen überwiegend bei der Distribution, um sich ganz auf ihre Kernkompetenz, und zwar die Entwicklung und Produktion von leistungsfähigen und innovativen Chip- und Bauformtechnologien, zu konzentrieren. Nur noch wenige Zulieferer beziehen ihre Komponenten direkt über den Hersteller.

Die LED-Hersteller vertrauen auf unsere Beratungs- und Logistikkompetenz, was uns gerade in diesem wachstumsträchtigen und komplexen Technologiefeld vielversprechende Möglichkeiten eröffnet.

Das RUTRONIK Development Center Power & Lighting

Im Jahr 2006 hat RUTRONIK Electronic Components das Power & Lighting Development Center gegründet. Hintergrund: Der Automotive-Markt ist für RUTRONIK der derzeit größte Absatzmarkt für das gesamte LED-Produktspektrum. Das Center wurde als europaweit zentrale Anlaufstelle für Kunden eingerichtet, die Beratungsbedarf bei LED-Applikationen im Bereich Automotive benötigen. Typische Anwendungen sind u.a. Amaturenhinterleuchtung, Interieur-Beleuchtung, Displayhinterleuchtung, Blinker oder in Spiegel integrierte Blinker. Das Power & Lighting Development Center ist voll in die euopaweite Unternehmensstruktur von RUTRONIK eingebunden und hat sich zur Aufgabe gesetzt, zwischen den Anforderungen der Zulieferindustrie, dem Hauptklientel des Distributors im Automotivbereich, und den technischen Möglichkeiten der LED-Hersteller ein Brücke schlagen.

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