94% weniger Gewicht, 96% weniger Volumen

Lautsprecherloses Fahrzeug-Audiosystem durch Aktuatoren

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Hinter dem unsichtbaren Audiosystem steckt die Idee, solche unnötigen zusätzlichen Bauteile zu vermeiden und stattdessen die vorhandenen Teile so zu nutzen, dass noch bessere Ergebnisse erzielt werden. Die Schallwellen werden durch kompakte Aktuatoren erzeugt, die dem Kern eines herkömmlichen Lautsprechers ähneln. Diese Wandler bestehen aus einem Magneten und einer Spule, welche Mikroschwingungen erzeugen.

Anstelle der schwingenden Membran eines gängigen Lautsprechers werden von den Wandlern allerdings im Fahrzeug bereits vorhandene, größere Bauteile und Oberflächen erregt, um Klang abzustrahlen. „Wenn man sich zum Vergleich beispielsweise eine Geige vorstellt, dann entspricht der Wandler dem Bogen und den Saiten. Der Steg der Geige entspricht der Lage und der Verbindung des Wandlers zur Oberfläche, welche wiederum den Klangkörper bildet“, erläutert Patsouras.

Für die drei benötigten Hauptfrequenzbereiche bieten sich jeweils bestimmte Elemente im Fahrzeuginnenraum an. „Die A-Säule eignet sich für hohe Frequenzen, wohingegen die Türverkleidungen die richtigen Eigenschaften für die Erzeugung der mittleren Frequenzen aufweisen. Ähnlich wie bei der Lautsprechertechnik verwenden wir große Bauteile wie die Dachauskleidung oder die Heckablage, um niedrige Frequenzen zu erzeugen“, so Patsouras.

Um einen guten 3D-Klang zu erreichen, benötigen konventionelle High-End-Audiosysteme häufig zwischen 10 und 20 oder gar noch mehr Lautsprecher. Aufgrund der Konstruktion eines herkömmlichen Lautsprechers wiegt das System dadurch meist über 15 Kilogramm und bringt es insgesamt auf ein Einbauvolumen von zehn bis 30 Liter.

Das lautsprecherlose Audiosystem kommt je nach Ausführung mit einem Gewicht von einem Kilogramm aus und benötigt ein Einbauvolumen von gerade einmal einem Liter. „Der größte Vorteil ist jedoch die Qualität des Klangs. Sogar Experten, die besonders genau hinhören, sind voll des Lobes für die Akustik unserer unsichtbaren Anlage“, freut sich Patsouras.

In einem Demonstrationsfahrzeug führt Continental darüber hinaus die Skalierbarkeit des Systems vor: Eine günstige Einsteigeranlage mit drei Audiokanälen kann zu einer Anlage aus dem mittleren Preissegment mit vier bis sechs Kanälen und schließlich zu einer Premium-Lösung mit bis zu zwölf Kanälen aufgerüstet werden.

Bei Letzterer werden sogar die Vordersitze als Klangkörper genutzt, um die Wahrnehmung des Basses zu verstärken und Mitfahrern auf den Rücksitzen ein völlig neues Klangerlebnis zu ermöglichen. Die lautsprecherlose Audiolösung braucht somit sogar den Vergleich mit einer High-End-Lautsprecheranlage eines Premium-Herstellers nicht scheuen.

Potenzial für funktionale Audioanwendungen

Die lautsprecherlose Technologie bietet auch Potenzial für weitergehende Anwendungen: Sie kann als Schallquelle für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine dienen, wie beispielsweise bei Navigationsanweisungen oder Tonsignalen.

„Die lautsprecherlose Technologie kann auch im Rahmen der Mensch-Maschine-Interaktion eingesetzt werden, wobei sich der zusätzliche Vorteil ergibt, dass der Ton an der Stelle erzeugt werden kann, auf die sich die Aufmerksamkeit des Fahrers richten sollte. Wir sind der Ansicht, dass das lautsprecherlose System ein großes Potenzial für funktionale Audiokonzepte birgt“, resümiert Patsouras.

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