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94% weniger Gewicht, 96% weniger Volumen Lautsprecherloses Fahrzeug-Audiosystem durch Aktuatoren

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Inspiriert von der Funktionsweise von Saiteninstrumenten ersetzt Continental die herkömmliche Lautsprecher im Fahrzeug durch Aktuatoren. Diese erzeugen Schallwellen, indem sie bestimmte Oberflächen im Fahrzeug in Schwingung versetzen.

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Verglichen mit gängigen High-End-Audioanlagen ist mit einer lautsprecherlosen Lösung ein zehnmal kleineres oder sogar noch geringeres Systemvolumen möglich und das Gewicht lässt sich auf einen Bruchteil reduzieren.
Verglichen mit gängigen High-End-Audioanlagen ist mit einer lautsprecherlosen Lösung ein zehnmal kleineres oder sogar noch geringeres Systemvolumen möglich und das Gewicht lässt sich auf einen Bruchteil reduzieren.
(Bild: Continental)

Im Jahr 1932 wurde das erste Radio in einem Auto verbaut. Es wog ohne Boxen bereits über 15 Kilogramm, war mit 465 Mark sündhaft teuer und musste aufgrund seiner größer im Fußraum des Beifahrers verbaut werden. Auch wenn der Klang zunächst bescheiden war, stellt es doch den Ursprung aller Klangerlebnisse im eigenen Fahrzeug dar.

Wie eine Violine: Bogen und Saiten entsprechen dem Wandler, der Steg entspricht der Verbindung zwischen Wandler und Oberfläche, welche wiederum den Klangkörper bildet.
Wie eine Violine: Bogen und Saiten entsprechen dem Wandler, der Steg entspricht der Verbindung zwischen Wandler und Oberfläche, welche wiederum den Klangkörper bildet.
(Bild: Continental)

Im Laufe der Zeit wurden die Radios und Boxen kleiner, leichter und leistungsfähiger. Eines blieben sie jedoch stets: Unverzichtbar. Jedenfalls bis zum Jahr 2017, denn Continental wirft nun die Boxen endgültig über Board und ersetzt sie durch Aktuatoren, die das Fahrzeug mittels Schallwellen als Klangkörper nutzen.

Das lautsprecherlose Audiosystem bietet traditionellen Technologien gegenüber einige Vorteile: Bei einem deutlich niedrigeren Gewicht und erheblich reduziertem Einbauvolumen sowie geringerem Stromverbrauch liefert es eine exzellente Akustik. Experten wie der renommierte Geigenbaumeister und studierte Physiker Martin Schleske, bescheinigen dem System eine herausragende Klangqualität.

Unabhängig vom Fahrzeugsegment stellen Fahrer zumeist hohe Ansprüche an das Audiosystem eines Fahrzeugs. Aus diesem Grunde benötigen gängige Audiosysteme üblicherweise mehrere Lautsprecher und Kanäle, um ein dreidimensionales Klangerlebnis zu erzeugen. Die Integration der einzelnen Soundquellen stellt Fahrzeugdesign und -konstruktion häufig vor Herausforderungen.

„Im Zeitalter von Elektrofahrzeugen suchen Automobilhersteller nach innovativen Lösungen, um das Gewicht ihrer Fahrzeuge drastisch zu reduzieren und mehr Platz für die Insassen und neue Technologien zu schaffen“, erläutert Johann Hiebl, Leiter des Geschäftsbereichs Infotainment & Connectivity von Continental.

„Dieses Ziel darf aber nicht zulasten von Design und Klangqualität gehen. Unser Ansatz besteht darin, das Fahrzeug selbst als Instrument zu betrachten. Wir verwenden kompakte Aktuatoren, um bestimmte Oberflächen zum Schwingen zu bringen und so ein natürliches 3D-Klangerlebnis zu erzeugen.“

Die Herausforderung besteht darin, dass äußerst breit gefächerte Kenntnisse im Bereich NVH (Noise, Vibration and Harshness) vonnöten sind, um eine herausragende Akustik zu erzielen. „Normalerweise erstreckt sich das Wissen von Experten entweder auf Fahrzeuge oder auf Akustik. Continental verfügt über Fachwissen in beiden Bereichen unter einem Dach und bringt zudem das Know-how für die Fertigung mit.“

Verglichen mit gängigen High-End-Audioanlagen für Fahrzeuge ist mit einer lautsprecherlosen Lösung ein zehnmal kleineres oder sogar noch geringeres Systemvolumen möglich und das Gewicht der Anlage lässt sich auf einen Bruchteil des Gewichts von Lösungen mit Lautsprechern reduzieren. Diese unsichtbare Fahrzeug-Audiotechnik kann in alle Fahrzeugmodelle integriert werden – von der High-End-Limousine bis hin zum kleinen Elektrofahrzeug.

Das Fahrzeug als Instrument

Herkömmliche High-End-Audiosysteme setzen sich aus Hochton-, Mittelton- und Tieftonlautsprechern zusammen, die oft als typische Lautsprecherfront daherkommen. Die eigentliche Gestaltung der Innenoberflächen wird so unterbrochen, wovon Designer häufig nicht begeistert sind. „Außerdem ist es schlicht nicht nötig, Lautsprecher mit schwingenden Membranen einzubauen, wenn im Fahrzeug schon alle erforderlichen Oberflächen vorhanden sind“, fügt Dimitrios Patsouras, Leiter des Kompetenzzentrums NVH bei Continental Engineering Services, hinzu.

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