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Akquisition Langsam gehen der Chipbranche die Übernahmekandidaten aus

| Redakteur: Rainer Graefen

Der Speichernetzwerkspezialist Brocade ist übernommen worden – vom Chip-Produzenten Broadcom. Der Übernahmewert soll etwa 5,5 Milliarden US-Dollar betragen und eine „all-cash“-Transaktion" sein.

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Für 5,5 Mrd. US-Dollar will Broadcom den FC-SAN-Pioneer Brocade übernehmen.
Für 5,5 Mrd. US-Dollar will Broadcom den FC-SAN-Pioneer Brocade übernehmen.
(Bild: Rainer Graefen / Microsoft)

Interessanterweise will Broadcom nicht das ganze Brocade, sondern nur den Unternehmensbereich FC-SAN behalten, die IP-Networking-Sparte mit Foundry und das erst vor kurzem erworbene Ruckus Wireless jedoch abstoßen. „Diese strategische Acquisition unterstreicht Broadcoms Position einer der führenden Anbieter zu sein, die Enterprise-Storage-Konnektivität an unsere OEM-Unternehmenskunden liefern können“, bringt Hock Tan, Präsident und CEO von Broadcom, die Übernahme auf den Punkt.

Ein ungesunder Konzentrationsprozess

Lange Jahre hat das Schicksal von Brocade die Gerüchteküche angekurbelt. Das Unternehmen hatte sich fast vollständig den Markt für Speicherinfrastrukturen auf Fibre-Channel-Basis erobert, scheiterte mit der FCoE-Technik an der Integration in den Ethernet-Stack und steckte damit in einer Sackgasse.

Vielen Unternehmen wurde nachgesagt, dass sie Interesse an dem letzten FC-SAN-Hersteller hätten. Auch die Brocade-Shareholder waren schon seit Langem an einer Übernahme interessiert. Doch die potenziellen Kandidaten hätten für das FC-Business wahrscheinlich das Ende bedeutet. Brocade musste deshalb immer wieder Zwischengas geben, um nicht auf die Fibre-Channel-Schiene mit ihren guten, aber stagnierenden Gewinnen festgenagelt zu sein.

Brocade stieg insofern fast gezwungenermaßen in das IP-Geschäft ein und konnte durch die Übernahme von Foundry gleich mit einer Vielzahl von Ports in den Schaltstellen des Internets werben. Doch gegen die starke Konkurrenz von Cisco und Huawei fehlte das Standing, das den Umsatz in konkurrenzfähige Dimensionen hätte treiben können.

Die Fibre-Channel-Fabric lebt

Liest man sich den Blogeintrag von Lloyd Carney, CEO bei Brocade zum Aufkauf seiner Firma durch, dann kommt man auf den Gedanken, dass die Aufspaltung der Firma in FC- und IP-Teile wohl das Letzte gewesen wäre, was er getan hätte, um Brocade in dem hart umkämpften Infrastrukturmarkt voranzubringen: „Eigentlich hatten wir nicht vor, die Firma zu verkaufen. Als aber Broadcom mit einem überzeugenden Angebot auf uns zukam, hatten wir die Pflicht, das Angebot zu prüfen, ebenso wie andere Optionen. Nach gründlicher Erwägung haben wir schließlich entschieden, dass das Angebot von Broadcom im besten Interesse unseres Unternehmens und der Anteilseigner war.“

Dass Broadcom ausgerechnet in Fibre Channel investiert, verwundert auf den ersten Blick. Richtig ist, dass nur mit FC vorhersagbare Zugriffszeiten herstellbar sind, was in großen Unternehmen in diversen Service Level Agreements zentraler Konfliktpunkt der Verträge ist. Zugleich findet eine Entwicklung in Richtung Flash-Blades statt, die Firmen wie HGST und HPE nutzen wollen, um mittels Flash-Fabrics die hohen Kosten der Halbleiterspeicher auf die Anwender zu verteilen. Und das Know-how bei der Entwicklung von mikrosekundenschnellen Fabrics kann man sicherlich bei Brocade finden. Vielleicht ist dieses Know-how sogar geeignet die Weichen in Richtung Photonics zu stellen.

Der Beitrag ist ursprünglich auf unserem Schwesterportal IP-Insider erschienen.

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