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Satellit fast 29 Jahre im Einsatz Landsat 5 bekommt Guinnes-Rekordtitel

| Redakteur: Peter Koller

Dieses Stück Elektronik ist das genaue Gegenteil von geplanter Obsoleszenz. Die Organisation Guinness World Records hat dem Satelliten Landsat 5 offiziell den Titel des am längsten operierenden Erdbeobachtungssatelliten verliehen. Landsat 5 liefert seit 28 Jahren und 10 Monaten Bilder. Geplant waren drei Jahre Einsatzdauer.

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Darf nun endlich in Rente gehen: Landsat 5 lieferte fast 29 Jahre Bilder der Erde - Weltrekord
Darf nun endlich in Rente gehen: Landsat 5 lieferte fast 29 Jahre Bilder der Erde - Weltrekord
(NASA)

Man schrieb den 1. März 1984, als von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien eine Rakete mit dem Satelliten Landsat 5 an Bord abhob. Wie seine Vorgänger auf einer Sonnen-synchronen Umlaufbahn um die Erde, sollte Landsat 5 drei Jahre lang Bilder unseres Planeten liefern. Weil geplant war, den Satelliten später mit einem Space Shuttle wieder einzusammeln, bekam das Raumfahrzeug eine Extraportion Treibstoff zum Navigieren im All in den Tank gepackt.

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Bildergalerie mit 10 Bildern

Das sollte sich als kluge Entscheidung herausstellen, auch wenn der Plan der Shuttle-Rückholung später fallen gelassen wurde. Der Zusatztreibstoff ermöglichte es Landsat 5, 28 Jahre und 10 Monate im Dienst zu bleiben und in dieser Zeit mehr als 2,5 Millionen digitale Bilder der Erde zu senden. Und das war eine äußerst glückliche Fügung. Denn die als Ablösung geplante Landsat 6 Mission scheiterte 1993 und erst 1999 kam mit Landsat 7 wirklich ein Nachfolger.

Hätte Landsat 5 also tatsächlich nach drei Jahren den Dienst quittiert, hätte es 12 Jahre lang keine Landsat-Bilder gegeben. Das wäre eine wissenschaftliche Katastrophe gewesen, den die Landsat-Satelliten kartographieren schon seit 1972 die Erde auf identischen Umlaufbahnen, was es einfach macht, die Veränderungen, die am Boden stattfinden, zu verfolgen.

Und so wurde Landsat 5 über seinen wissenschaftlichen Wert hinaus zu einem Zeugen der Zeitgeschichte im All: Der Satellit fotografierte Ereignisse wie den Fall der Berliner Mauer, die lodernden Ölquellen in Kuwait nach dem irakischen Überfall, die Folgen von Hurrikan Katrina für New Orleans oder die eingestürzten WTC-Türme in New York nach dem 11. September (Siehe Bildergalerie).

Allerdings verfügte die in den späten 1970er Jahren gebaute Thematic Mapper (TM) Kamera nur über eine Auflösung von etwa 30 Meter pro Pixel. Und die fast 30 Jahre im Weltall blieben auch nicht ohne Folgen: Eine Grafik der ESA (ebenfalls in der Bildergalerie), zeigt Eindrucksvoll die Altererscheinungen des Raumfahrzeugs, die die Ingenieure mit viel Engagement und Einfallsreichtum kompensieren mussten.

Doch die Geschichte der Landsat-Mission ist noch lange nicht zu Ende: Gestern startete die achte Generation der Erdbeobachtungs-Satelliten in All: Die Landsat Data Continuity Mission.

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