Künstliche Intelligenz wird zum Wachstumskatalysator der Chipindustrie

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Nach den Umsatzrückgängen der globalen Halbleiterindustrie im laufenden Jahr soll sich bereits 2020 wieder ein Wachstum und bis 2022 eine neue Rekordmarke einstellen. Zu dem Ergebnis kommt die Studie „Opportunities for the global semiconductor market“ des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC)
Nach den Umsatzrückgängen der globalen Halbleiterindustrie im laufenden Jahr soll sich bereits 2020 wieder ein Wachstum und bis 2022 eine neue Rekordmarke einstellen. Zu dem Ergebnis kommt die Studie „Opportunities for the global semiconductor market“ des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) (Bild: Geralt / Pixabay)

Die globale Halbleiterindustrie wird nach ihrem aktuellen Umsatzrückgang im Jahr 2019 schon ab 2020 wieder deutlich wachsen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Vor allem spezialisierte Chips für KI-Anwendungen sollten den Umsatz antreiben.

Die Halbleiterindustrie durchläuft aktuell nahezu in allen Bereichen Rückgänge im Umsatz. Dies sei allerdings nur zyklisch bedingt und soll sich bereits im nächsten Jahr wieder ins Positive umkehren. Zu diesem Ergebnis kommt die Marktstudie „Opportunities for the global semiconductor market“ von PricewaterhouseCoopers (PwC).

Demnach prognostiziert PwC, dass die weltweiten Umsätze mit Elektronikbauteilen im Jahr 2022 mit einem Umsatzvolumen von auf 575 Milliarden US-$ die zuletzt 2018 aufgestellten Rekordwerte (481 Milliarden US-$) übertreffen sollen. Das durchschnittlichen Jahreswachstum (CAGR) werde dabei bei 4,6% liegen, sagen die Wirtschaftsberater.

Höchste Wachstumsrate bei Chips für den Automobilbau

Die PwC-Studie teilt das Branchenwachstum nach Halbleitertypen (Memory, Microcomponent, OSD, Analog, Logic), Anwendungsbereichen (Automotive, Communications, Industrial, Data Processing, Consumer Electronics) und Regionen (EMEA, Americas, Asia-Pacific) ein. Speziell in Europa soll sich die Automobilindustrie zum Hauptabsatzmarkt für die Halbleiterbranche entwickeln – noch vor dem Geschäft mit Chips für die Datenverarbeitung. dieser Trend ist zwar in Deutschland nicht ungewöhnlich, europaweit hat allerdings in der Regel Tele- und Datenkommunikation einen höheren Stellenwert.

„Diese Entwicklung ist auch für Deutschland als Automobilstandort relevant“, sagt Werner Ballhaus, Partner und Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Deutschland. „Die Umsätze mit Halbleitern für den Automobilbereich werden der Studie zufolge mit einer CAGR von 11,9 Prozent am schnellsten wachsen. Sehr interessant ist auch, wie dieses Wachstumstempo zustande kommt: zum Beispiel infolge der zunehmenden Implementierung von Künstlicher Intelligenz in Automobilen.“ So benötigten Elektro- und Hybridautos ungefähr doppelt so viele Halbleiter wie herkömmliche Fahrzeuge.

Dringender Nachholbedarf bei europäischen Chipherstellern

Die globalen Umsätze mit Chips zur Unterstützung von KI für alternative Antriebsstränge, Infotainment, ADAS-Fahrerassistenzsysteme, Fahrsicherheit und andere automobile Anwendungen werden bis 2022 auf fast 68 Milliarden Dollar steigen, kündigt die Studie an. Dabei stehe die KI-Entwicklung noch am Anfang.

Marcus Gloger, Partner der internationalen Strategieberatung von PwC, Strategy&, sieht im Chip-Boom allerdings auch ein Warnsignal für die europäische Halbleiterbranche: „Zwar ist sie bei Chips für alternative Antriebe und bei Leistungshalbleitern gut positioniert. Aber bei Halbleitern für KI-Lösungen in beispielsweise autonom fahrenden Automobilen hat sie erheblichen Nachholbedarf.“ Dasselbe gelte für KI-Chips im Consumer-Electronics-Markt, zumal das Marktpotenzial hier noch größer als im Automobilbereich ist.

Politische Förderung zur Aufholjagd gefordert

„Wenn die europäischen Chiphersteller zukunftsfähig bleiben wollen, müssen sie in beiden Bereichen deutlich zulegen“, sagt Gloger. Angesichts dessen appellieren die PwC-Experten auch an die Politik, die Entwicklung von KI allgemein und die europäische Halbleiterleiterbranche im Speziellen stärker zu fördern. „Die große Frage ist nun, wie sich die europäische Politik und Wirtschaft hinsichtlich der immer wichtiger werdenden Künstlichen Intelligenz positionieren wollen, damit Europa nicht den technologischen Anschluss verliert“

Dafür spräche auch, dass global bedeutsame ‚Leuchtturm‘-Unternehmen für die europäische Wirtschaft immens wichtig wären. Zumal von anderen Weltregionen ausgehende Cyber-Spionage auch über Halbleiter zunehmen könnte. „Wobei auch diese Gefahr mit KI-Chips für Cybersecurity beträchtlich reduziert werden könnte“, sagt Werner Ballhaus. „Cybercrime ist also nicht nur ein Risiko für die Wirtschaft, sondern für Chiphersteller auch eine Chance.“

Stärkstes Wachstum vorerst weiter in Asien und den USA

Der Aufruf zu politischer Intervention kommt auch mit Blick auf den Umstand, dass die europäische Halbleiterbranche in seiner Wachstumsrate deutlich hinter den USA und China zurückliegen soll: Der PwC-Studie zufolge werden die Halbleiter-Umsätze in der Region Asia-Pacific bis 2022 am stärksten wachsen – mit durchschnittlich 4,8% pro Jahr. Der US-Markt kommt auf ein CAGR von 4,3%. Europa kommt lediglich auf 3,5% Wachstum.

Neben dem Automobilbereich sind aus der industriellen Produktion, aus dem Gesundheitswesen und aus dem Sicherheitsbereich hohe Nachfragezuwächse nach Halbleitern aller Arten zu erwarten. Und auch in diesen Bereichen hängt der Chip-Boom mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Lösungen zusammen.

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