Künstliche Intelligenz und Ethik

| Autor: Ann-Marie Struck

Mit der Bewertung menschlichen Handelns befasst sich die Ethik. Was, wenn aber eine Technologie handelt?
Mit der Bewertung menschlichen Handelns befasst sich die Ethik. Was, wenn aber eine Technologie handelt? (Bild: © kentoh - stock.adobe.com)

Im EU-Parlament möchte sich Ursula von der Leyen für mehr Ethik in der Digitalisierung einsetzen. Wie wichtig Werte im digitalen Zeitalter sind, bestätigt auch eine Studie des Capgemini Research Institute. Demnach ist Ethik bei Künstlicher Intelligenz entscheidend für das Vertrauen der Öffentlichkeit in Unternehmen.

In Ursula von der Leyens Rede vor dem EU-Parlament für das Amt des EU-Kommissionschefs verspricht sie einen „ethischen Rahmen für Künstliche Intelligenz“ zu schaffen. Eine Untersuchung des Capgemini Research Institute hat festgestellt, dass Verbraucher und Bürger ethisches Verhalten belohnen, aber auch zweifelhafte Praktiken sanktionieren.

Die Studie „Why adressing ethical Questions in AI will benefit Organizations” untersuchte die Bedeutung von ethischen Grundsätzen beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Dabei bezieht sich die „Ethik von KI“ darauf, inwieweit Zielsetzung, Gestaltung und Verwendung von Künstlicher Intelligenz nach ethischen Grundsätzen erfolgen. Parameter dafür sind: Transparenz, Überprüfbarkeit, Erklärbarkeit, Interpretierbarkeit und Fairness.

Ethische Grundsätze

Das Ergebnis der Umfrage ist eindeutig: 62 Prozent der befragten Verbraucher vertrauen Unternehmen mehr, wenn KI-basierte Interaktionen als ethisch wahrgenommen werden. Nicht nur würden 62 Prozent der Befragten solche positive Erfahrung mit Familie und Freunden teilen, sondern auch 59 Prozent geben an sich dadurch dem Unternehmen besser verbunden zu fühlen. Außerdem sind 55 Prozent bereit, dies auch in Bewertungen in den Sozialen Medien zu bestätigen.

Ethische Probleme bei der KI-Interaktion, wie etwa fehlende Zustimmung zur Datennutzung oder intransparente und verzerrte Ergebnisse, haben hingegen negative Auswirkungen. Laut der Studie würden sich 41 Prozent beschweren und 36 Prozent eine Erklärung verlangen. Ein Drittel wäre sogar bereit den Kontakt zum Unternehmen abzubrechen.

Ethik und KI

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Neun von zehn Unternehmen sind der Meinung, dass die Nutzung von KI innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre ethische Fragen aufgeworfen habe. Ein Beispiel dafür sind Vorfälle im Gesundheitswesen, bei denen persönliche Patientendaten ohne vorherige Zustimmung erhoben wurden. Aber auch im Finanzwesen gibt es solche Fälle: Beispielsweise durch das Vertrauen der Banken und Versicherungen in nicht transparente, maschinell getroffene Entscheidungen, werden moralische Bedenken bei den Nutzern hervorgerufen. Daher finden 53 Prozent der befragten Führungskräfte ethische und transparente KI-Systeme wichtig.

Als einen Hauptgrund für ethische Defizite von KI in Deutschland nennen die Umfrage-Teilnehmer den Zeitdruck. Denn viele Unternehmen fühlen sich im Zugzwang die neue Technologie schnell einzuführen. Hinzu kommt der Mangel an Ressourcen sowie, dass ethische Standards oft bei der Implementierung nicht berücksichtigt werden. Für Datenwissenschaftler sind fehlende Richtlinien und Daten die größten Hindernisse, gefolgt von Zeitdruck.

Ist KI von Relevanz?

KI ist im Vormarsch. Das zeigen auch die Zahlen. Dabei hatten 42 Prozent der Umfrage-Teilnehmer innerhalb der letzten Jahre bereits mindestens zwei Mal Kontakt mit unzureichenden KI-Anwendungen. Deswegen fordern 74 Prozent mehr Transparenz im Umgang mit KI. Zudem legen 72 Prozent der Umfrage-Teilnehmer Wert darauf, ob eine KI sie fair und diskriminierungsfrei behandelt.Generell sind 70 Prozent in Deutschland für weitere Regulierungen für Unternehmen zum Einsatz von KI.

Luciano Floridi, Director of Digital Ethics Labs, Oxford Internet Institute erklärt dazu: „Die klassische Art Vertrauen zu gewinnen, lässt sich auch bei KI-Interaktionen in drei Worten zusammenfassen: Transparenz, Verantwortlichkeit und Befähigung. Transparenz, damit Menschen sehen, was man tut; Verantwortlichkeit, weil man die Verantwortung übernimmt für das, was man tut; und Befähigung, indem man die Verantwortung dafür übernimmt, dass es anderen möglich ist zu sagen, ob man das richtige getan hat oder etwas nicht gut war.“

Strategien für den Einsatz

Im Zuge der Studie hat Capgemini einen Strategieansatz für einen ethischen Einsatz entwickelt. Grundlage für alle Beteiligten ist dabei eine Art Verhaltenskodex sowie Richtlinien. Die ethischen Prinzipien sollten sowohl bei der Anwendung als auch beim Umgang mit der Technologie eine Rolle spielen.

Um bei diesem Thema besser Entscheidungen treffen und die Kontrolle behalten zu können, empfiehlt es sich laut Capgemini beteiligte Personen regelmäßig zu schulen. IT-, KI- oder Datenteams sollten KI-Systeme transparent und verständlich umsetzen sowie ein umfassendes Datenmanagement sicherstellen. Das senkt dem Marktforschungsunternehmen zufolge das Risiko tendenziöser Ergebnisse. Eine ethische Verankerung in der KI, wäre das Ideal.

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Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal IT-Business.de.

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SUPER GUT !!! Transparenz, Verantwortlichkeit und Befähigung sind ja beim Militär wunderbar...  lesen
posted am 31.07.2019 um 13:55 von noespezi


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