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Konsolidierung Koppeln Siemens und Bombardier ihre Bahnsparten?

| Autor / Redakteur: Christine Schultze, dpa / Margit Kuther

Für Siemens-Finanzchef Ralf Thomas ist klar, dass es zu weiteren Umwälzungen in der Bahnbranche kommen wird. Denkbar seien „mannigfaltige Kombinationsmöglichkeiten“.

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Den Zugsparten von Siemens und Bombardier könnten Umwälzungen bevorstehen.
Den Zugsparten von Siemens und Bombardier könnten Umwälzungen bevorstehen.
(Bild: Arno Burgi/dpa-Zentralbild )

Angesichts der massiven Wettbewerbsverschärfung könne „der Konsolidierungsprozess zwangsläufig nicht an der bestehenden Stelle stehen bleiben“, so der Siemens-Finanzchef Ralf Thomas am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zur Halbjahresbilanz.

Wer am Ende mit wem, das werde sich zeigen, da seien „mannigfaltige Kombinationsmöglichkeiten“ denkbar. Indes müssen die Kartellwächter mitspielen - und an die sendet Thomas deutliche Signale.

Wie sind die Zugsparten der beiden Unternehmen aufgestellt?

Nach Problemen in den vergangenen Jahren, etwa durch die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn, ist das Zuggeschäft von Siemens inzwischen wieder in der Spur. Heute kommt die Sparte mit Standorten unter anderem in Krefeld, Erlangen, Berlin, München und Wien auf einen Jahresumsatz von fast acht Milliarden Euro und eine Rendite von knapp 9 Prozent.

Anders sieht es bei Bombardier aus. Die Bahnsparte des kanadischen Anbieters, der auch Flugzeuge baut, ist zwar ähnlich groß. Aber der Konzern steckt in den roten Zahlen und hatte im Bahngeschäft den Abbau von weltweit rund 5000 Jobs angekündigt.

Unklar ist, wie stark dies die deutschen Standorte mit 8500 Beschäftigten treffen wird, darunter Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Kassel, Mannheim, Braunschweig und Siegen. Das Management will seine Pläne im Juli vorstellen. Bombardier hatte erst vergangenes Jahr 1430 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen, um die Standorte profitabel zu machen.

Wie könnte ein Zusammenschluss aussehen und was würde er bringen?

Angeblich soll ein Gemeinschaftsunternehmen im Gespräch sein, das den Bau von Zügen und die Signaltechnik umfassen würde. Analysten sehen größere Synergie- und Einsparpotenziale etwa durch gemeinsame Forschung und Entwicklung sowie Lieferketten und die Zusammenführung der Produkte. Schon jetzt arbeiten die Zughersteller bei verschiedenen Projekten zusammen, so beim ICE 4, der neuesten Generation des Hochgeschwindigkeitszuges.

Waren schon früher Zug-Allianzen in Europa im Gespräch?

Ja. Schon beim Übernahmepoker um Alstom hatte Siemens versucht, seine Zugsparte mit der des französischen Konkurrenten zusammenzubringen. Und Mitte 2015 wurde auch schon einmal über eine Fusion der Zugsparten von Siemens und Bombardier spekuliert, doch die Kanadier hatten damals Verhandlungen dementiert

Warum kommt das Thema überhaupt jetzt wieder auf den Tisch?

Die europäischen Hersteller zittern vor allem vor der Konkurrenz aus China. Dort haben sich die beiden größten Zughersteller zum neuen Giganten CRRC zusammengetan, der alleine größer ist als die Sparten von Siemens, Bombardier und Alstom zusammen.

Das sieht auch die Deutsche Bahn mit Interesse, die vor etwa eineinhalb Jahren demonstrativ ein Einkaufsbüro in China eröffnete, darüber Produkte der Bahntechnikhersteller aus der Volksrepublik sondiert und so den Druck auf die europäischen Hersteller erhöhte. „Wir suchen weltweit nach Lieferanten mit innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten“, ließ Bahn-Chef-Einkäufer Uwe Günther damals wissen.

Welche Hürden gibt es?

Vor allem das Kartellrecht gilt als Hindernis für eine Zug-Allianz in Europa. Denn mit Siemens, Bombardier und Alstom beherrschen nur drei Anbieter den Markt. Schlössen sich zwei von ihnen zusammen, könnte das gravierende Folgen für Kunden wie die Deutsche Bahn haben, sodass hohe Auflagen zu erwarten wären. Siemens macht keinen Hehl daraus, dass man diese Spielregeln für nicht mehr zeitgemäß hält. Eine weitere Konsolidierung des Marktes wird seit langem erwartet und sollte auch kartellrechtlich mit einer globalen Sicht auf die Veränderungen betrachtet werden.

Wann ist mit Neuigkeiten zu rechnen?

Das ist momentan unklar - zumal Thomas auch am Donnerstag jeden Kommentar zu dem Thema ablehnte. Zuletzt hieß es, die Gespräche seien bereits weit gediehen und auch die Bundesregierung involviert.

Was sagen die Arbeitnehmervertreter?

Bei Arbeitnehmervertretern in Deutschland dürfte eine Allianz wohl nur auf Zustimmung stoßen, wenn Siemens die Oberhand im zusammengeschlossenen Unternehmen behielte. Wie sich eine Fusion auf die Jobs auswirken würde, bliebe abzuwarten. Von offenem Widerstand der Arbeitnehmervertreter jedenfalls war in den vergangenen Wochen nichts zu spüren - was auch daran liegen dürfte, dass ein weiteres Erstarken der Chinesen deutlich schlimmere Folgen für die Belegschaft haben könnte als eine mögliche Allianz von Siemens und Bombardier

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