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Konzept auf Github: Was die Corona-Warn-App können soll

| Autor / Redakteur: Max Muth* mit Material von dpa / Julia Schmidt

Auf Github haben die Entwickler von SAP ein erstes Konzept der geplanten deutschen Tracing-App veröffentlicht. Die eigentliche App soll Mitte Juni bereitstehen.

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Symbolbild: Am Mittwoch veröffentlichten SAP und die Deutsche Telekom auf Github ein erstes Konzept für die geplante Tracing-App.
Symbolbild: Am Mittwoch veröffentlichten SAP und die Deutsche Telekom auf Github ein erstes Konzept für die geplante Tracing-App.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay )

Die geplante deutsche App zur Nachverfolgung von Infektionsketten in der Coronavirus-Pandemie nimmt konkrete Form an. Am Mittwoch veröffentlichten Europas größter Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom auf der Open-Source-Plattform Github ein erstes Konzept. Die Tracing-App soll mithilfe von Bluetooth-Technik in den Smartphones ihrer Nutzer protokollieren, wer sich lange genug nahe genug war, um als Risiko-Kontakt zu gelten. Wird ein Nutzer oder eine Nutzerin später positiv getestet, können seine App-Kontakte anonym benachrichtigt werden.

Aus den jetzt veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass Nutzer über die App auch das Ergebnis eines eigenen Corona-Tests erfahren können sollen. „Im Fall eines durchgeführten Tests auf eine SARS-CoV-2 Infektion kann der App-Nutzer über die App den digitalen Testinformationsprozess starten und damit über das ermittelte Testergebnis benachrichtigt werden“, heißt es. Man soll sich aber auch lediglich informieren lassen können, dass ein Ergebnis vorliegt, nicht aber darüber, ob man infiziert ist oder nicht.

Telekom und SAP, die von der Bundesregierung beauftragt sind, schreiben in einer Einführung in das Projekt, dass sie auf Wissen und Programmcode aus drei vorhandenen Projekten zurückgreifen. Als Grundlage dienen die Protokolle DP3T, TCN sowie die Spezifikationen von Apple und Google für iPhones und Android-Smartphones. DP3T wurde unter anderem von Forschern der Hochschulen EPFL in Lausanne und ETH in Zürich entwickelt. Die TCN Coalition fand sich über einen Hackathon der Bundesregierung namens #WirVsVirus zusammen.

Die App soll Mitte Juni fertig sein

Ersichtlich wird aus den Dokumenten auch, wie die Rollen zwischen SAP und Telekom verteilt sind. Demnach kümmert sich Europas größter Softwarekonzern um die Entwicklung der eigentlichen App. Die Telekom stellt Netzwerk und Mobiltechnik zur Verfügung und soll den Betrieb sicher und stabil halten. Die eigentliche App für iOS und Android steht auf Github noch nicht bereit. Sie soll Mitte Juni für den allgemeinen Download veröffentlicht werden. Die Konzerne haben versprochen, nur „notwendige Daten zu verarbeiten - ausschließlich zu dem Zweck, die Nutzer wissen zu lassen, ob sie in engem Kontakt mit anderen, bereits infizierten Nutzern standen - ohne die jeweilige Identität zu offenbaren“.

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Konstantin von Notz, begrüßte die Veröffentlichung. Dies könne aber dies nur ein erster Schritt zu mehr Transparenz sein. Die Ankündigung, den Quellcode der App „zeitnah“ offenzulegen, müsse schnellstmöglich umgesetzt werden.

Manuel Höferlin (FDP), Vorsitzender des Bundestagsausschusses Digitale Agenda, begrüßte, dass bei der Entwicklung der App mit TCN auch auf deutsches Know-how zurückgegriffen werde. „Ich hoffe nun, dass die App so schnell wie möglich verfügbar sein wird. Sonst wird es bald europaweit Tracing-Apps mit deutscher Technologie geben, außer in Deutschland.“ In der Regierungsbefragung am Nachmittag formulierte Höferlin diesen Punkt leicht anders. Er fragte Bundeskanzlerin Merkel, ob die App womöglich erst nach einem Impfstoff zur Verfügung stehen werde. Die Antwort der Kanzlerin: Sicher nicht.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach sich derweil gegen Steuervorteile oder andere Vergünstigungen aus, um die Menschen zur Nutzung der App zu bewegen. „Wenn der Bürger den Eindruck hat, da wird mit einem Speck gewedelt, dann werden nicht ausreichend viele mitmachen“, sagte der CSU-Politiker. Besser sei es, ganz nüchtern zu erklären, dass ein Teil der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für alle gelockert werden könnte, wenn eine große Anzahl von Menschen eine solche App nutzen würde. Die Nutzung der App müsse absolut freiwillig sein, betonte Seehofer. Er sagte: „Was ich nicht möchte, dass man von einer Freiwilligkeit spricht, aber so viele Anreize diskutiert, dass man nun von der Freiwilligkeit nicht mehr reden kann.“

Originalveröffentlichung auf SZ.deSZ.de am 13.5.20.

* Max Muth ist Redakteur im Digitalressort der SZ. Steckenpferde: IT-Security und Cybercrime. Lieblingswort derzeit: Technikfolgenabschätzung.

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