Meilensteine der Elektronik Kontron, immer up to date bei Embedded-Systemen

Redakteur: Margit Kuther

Von den ersten Tagen an spielten Computerkomponenten eine maßgebliche Rolle bei Kontron. Das Unternehmen begleitete bereits die ersten Serienfertigungen von Mikroprozessoren.

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PSI 80 von Kontron: Der Computer aus dem Jahr 1979 kam mit Zilog-Z80A-Prozessor mit 4 MHz Takt, 64 KB RAM, 16 KB Grafikspeicher und in der Variante PSI 80D/W5 sogar mit 5 MB Festplatte.
PSI 80 von Kontron: Der Computer aus dem Jahr 1979 kam mit Zilog-Z80A-Prozessor mit 4 MHz Takt, 64 KB RAM, 16 KB Grafikspeicher und in der Variante PSI 80D/W5 sogar mit 5 MB Festplatte.
(Bild: Hubert Berberich)

Wir schreiben das Jahr 1959: Die sowjetische Raumsonde Lunik 3 umkreist den Mond und die Menschheit kann dank integrierter Kamera erstmals einen Blick auf die erdabgewandte Mondseite werfen.

In diesem ereignisreichen Jahr gründet Branco Weiss (1929 - 2010) Kontron. Das Unternehmen verkauft anfangs analytische Messgeräte, Mikroskope, Industriemesstechnik und Bildverarbeitungssysteme. Später kommen Computer, Europakarten und Steuerrechner hinzu. Ende der 60er Jahre startet Kontron seine Aktivitäten in Deutschland und wächst in dieser Zeit zu Europas größtem Distributor für Elektroniksysteme heran.

Die 70er Jahre läuten mit der Serienfertigung von Mikroprozessoren, etwa Intels 4004, die Computerminiaturisierung ein.

1974 präsentiert Kontron ein Plottersystem, Offline-Magnetbandeinheiten sowie ein interaktives grafisches Display-System. In dieser Wachstumsphase wird Kontron an Hofmann-La Roche verkauft. Das Unternehmen setzt weiter auf Computertechnik. Unix-Rechner gehören nun ebenso zum Portfolio wie Programmiergeräte, Logikanalysatoren, Emulatoren und Industrielaptops.

1979 verlässt Branco Weiss das Unternehmen. Er wird nach seinem Rücktritt Förderer von Start-Up-Unternehmen, Universitäten und betätigt sich als Kunstmäzen.

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1981 wird Kontron in die Holding Kontron Elektronik mit den Geschäftsbereichen Bildanalyse, Computer-Peripherien, Halbleitern, Hochfrequenzen, Leiterplatten, Messtechnik, Mikrocomputer, Produktion und Registriertechnik umgewandelt.

PC-Highlight PSI 80 mit gigantischer 5-MB-Festplatte

Ein Highlight ist die Mikrocomputer-Serie PSI 80. Der PC mit CRT-Bildschirm (Cathode Ray Tube) enthielt einen Zilog-Z80A-Prozessor mit 4 MHz Taktfrequenz, 64 KB RAM, 16 KB Grafikspeicher und zwei Diskettenlaufwerken (5- oder 8-Zoll). Spitzenmodell im Mikrocomputerbereich ist der PSI 80D/W5, der eine Festplatte mit einer damals stattlichen Kapazität von 5 MB enthält.

Die Rechner der damaligen Zeit sind mit proprietären Betriebssystemen ausgestattet, der PSI 80 mit dem firmenspezifischen KOS. Doch die Kompatibilität zum plattformunabhängigen Betriebssystem CP/M (Control Program für Microcomputer) von Digital Research macht das System flexibel, desgleichen ein spezieller Grafiktreiber zur Ansteuerung von bis zu sechs Bildschirmen unterschiedlichen Inhalts.

1989 verkauft Hoffmann-La Roche die Firma an BMW. Ein Grund für das Engagement von BMW dürfte Kontrons Expertise bei Kfz-Diagnosegeräten gewesen sein.

Wasserfeste Notebooks und x86-Emulatoren

1993 bringt Kontron – nach dem Einstieg in den Halbleiter- und Komponentenvertrieb im Jahr 1990 – robuste Notebooks auf den Markt. Im Inneren eines gekapselten Leichtmagnesiumgehäuses mit TFT-Farbdisplay verbirgt etwa der Inlite einen 386SL-Prozessor mit 25 MHz Taktfrequenz.

Das Modell ist für den Einsatz im Freien vorgesehen, Bildschirm und Gehäuse sind wasser-, staub- und wetterfest gekapselt. Das Modell Marlin kann sogar in Wasser eingetaucht werden.

1996: Kontron hat sich bereits in früheren Jahren als Anbieter von Emulatoren – etwa für Intels 386- und Motorolas 6802-Prozessoren – einen Namen gemacht und ist bei X86-Emulatoren gar zum Marktführer aufgestiegen.

Mit dem Emulator für Intels erfolgreiche Pentium-Prozessoren startet Kontron eine neue Förderstrategie für die Pentiumarchitektur und setzt auf das flexible Konstruktionsprinzip K-SET (Kontron Scaled Emulation Technology). Diese Architektur ist leicht an verschiedene Bus- Größen- und Taktfrequenzen (sogar bis 200 MHz) anzupassen.

1997 wird in Schweden die Kontron AB gegründet, um speziell den skandinavischen Telekommunikationsmarkt zu betreuen. Mittlerweile ist Skandinavien nach Deutschland der zweitgrößte Absatzmarkt für das Unternehmen in Europa.

Kontron, eines der Top-25-Firmen bei Marktkapitalisierung und Handelsvolumen

2000 wird die Kontron Embedded Computers AG in Eching bei München gegründet und im Zusammenhang mit dem Gang an die Frankfurter Börse mit mehreren Firmen verschmolzen. Am Jahresende gehört Kontron zu den Top 25 bei Marktkapitalisierung und Handelsvolumen und damit zum NEMAX50.

Das Unternehmen nutzt die Chancen des Neuen Marktes und steigt in wenigen Jahren zu einem der weltweit größten Hersteller und Anbieter von Embedded-Computern auf. So startet Kontron im März die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Juniper Networks, einem Highflyer bei optischen Internet-Routern.

FieldLite, mobiler Embedded-PC mit 10 Stunden Arbeitsdauer

Im Jahr 2000 bringt Kontron zudem mehrere Produkte auf den Markt. FieldLite, eine neue Klasse mobiler Embedded-Computer. Zehn Stunden Arbeitsdauer mit höchster Performance und ein geringes Gewicht zeichnen das Produkt aus.

Der Hochleistungs-Computer P3D 840 für Bildverarbeitung und Voice-Processing bietet zwei 1-GHz-Prozessoren und einem, dem SDRAM überlegenen Rambus-Speicher. Der Industrielaptop Powerlite löst die erfolgreiche Inlite-Serie ab. Und mit der Systemlösung DreamSpeed zielte Kontron speziell auf den schnell wachsenden Web-Markt.

Auch Fremdunternehmen schätzen die Kontron-Technologie

Auch Fremdunternehmen nutzen die Kontron-Technologie: So stellt die Nortel-Tochter Alteon WebSystems einen neuen Web-Accelerator für SSL-Verschlüsselung für das Internet vor. Dieses System, basierend auf Kontrons Embedded Computer Technologie, ist bis zu fünfzigmal schneller als herkömmliche Systeme.

Zudem fiel in diese Zeit der Start der mobilen Backbone-Systeme für Ericsson, damals Weltmarktführer für Backbone-Produkte im Mobilfunkbereich, mit Embedded-Computern von Kontron.

An Fieldworks (Minnesota), führender Anbieter von mobilen miniaturisierten Computern in Nordamerika, übernimmt Kontron mit 65% die Aktienmehrheit. Kontron bietet eine breite Produktpalette in den drei Kernbereichen Mobile Computing/Logistics, Industrial Automation und Communications an: So werden die mobilen Embedded Computer z.B. in Fahrzeugen oder tragbaren, batteriebetriebenen Systemen eingesetzt.

Kontrons Fokus liegt hierbei nicht auf Consumer-Anwendungen wie Mobiltelefonen oder Personal-Digital-Assistants (PDAs), sondern im breiten kommerziell-industriellen Bereich, wo sie extremen Umwelteinflüssen wie Temperatur oder Vibrationen standhalten müssen.

Zu den Kontron-Kunden zählen u.a. die US-Armee, BMW und Scania. In der industriellen Automatisierung kommen vor allem stationäre Computer von Kontron zum Einsatz. Die WEB-Enabled Automation, die dezentrale Steuerung von Maschinen oder Robotern über das Internet, spielt eine immer größere Rolle.

Kontron bietet Hard- und Softwarelösungen für High-Speed-Processing im extremen Umfeld an, etwa für ABB, AGFA und Siemens. Kontron gelingt es, in einem Jahr Ericsson, Juniper Networks und Nortel als neue Großkunden zu gewinnen.

Die Anwendungen liegen in der Datenkommunikation, etwa bei Internet-Routern, Web Engines und Verschlüsselungssystemen.

2001: Das schnellste System der Welt, ein Embedded-PC mit 2,5 GHz

2001 übernimmt Kontron die US-Unternehmen Memotec und ICS sowie die belgische M.A.T. und avanciert zum globalen Anbieter für Embedded-Computer-Systeme. Kontron stärkt mit der Akquisition der kanadischen Memotec Communications sein Angebot an Embedded-Computer-Applikationen und Komplettlösungen und verbessert seine Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt.

Speziell für den Einsatz in Fahrzeugen hat Kontron eine Familie von Embedded-PCs entwickelt. Lieferbar ist neben der wasserdichten Version Mobile C4 auch eine regendichte Ausführung.

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Mit dem extrem leistungsfähigen Systemprozessor PCI-DMXS64 der kanadischen Kontron-Tochter bietet das Unternehmen die erste marktreife CompactPCI-Lösung auf Board-Level mit doppelter Prozessorleistung an. Kontron hat eine auf EC-Technologie basierende Sicherheitslösung mit bis zu 200 SSL-Transaktionen pro Sekunde entwickelt.

Der von Kontron entwickelte Embedded-Computer mit 2,5-GHz-Compact-PCI ist das mit Abstand schnellste System der Welt. Um die Jahrtausendwende erkennen immer mehr Unternehmen die Vorzüge von Allianzen.

So wird Kontron 2001 ein wichtiger Intel-Partner in deren Applied Computer Provider-Programm (ACPP).

Kontron, führend in etlichen Standardisierungsgremien

2002 nimmt Kontron eine führende Stellung in der Standardisierung von Rechnertechnik wie dem Single-Board-Computer ein. Gemeinsam mit Intel arbeitet Kontron an der neuesten Generation des ETXexpress Standards.

Mit Wonderware entwickelt Kontron erste Produkte für Windows XP Embedded, dem Embedded-Computer-Standard von Microsoft.

2003 stellt Kontron auf dem Intel Developers Forum als weltweit erstes Unternehmen Embedded Computer mit Intels Pentium-M-Prozessor auf der Basis der damals neuesten Intel-Prozessortechnologie-Generation mit Kapazitäten von über 2 GHz und Busgeschwindigkeiten bis 8 Gb/s vor.

Eine Vorreiterrolle nimmt Kontron auch in der Embedded-Linux-Erfahrung ein bei der Generierung ausfallsicherer Betriebssysteme wie IPMI für die Telekommunikation.

2004: Durch die Standardisierung der Computerplattform mit digitaler Übertragungstechnik nimmt Kontron auch im zukunftsträchtigen ATCA-Markt (Advanced Telecommunications Computing Architecture) eine Vorreiterrolle ein. Fast 100 Personen arbeiten an Produkten in der neuen ATCA-Technologie, die die bestehenden Telekom-Backbones ersetzen sollen.

Ein Beispiel dafür, dass Kontron bei der Entwicklung leistungsfähiger und kostengünstiger ATCA-Boards (Blades) ganz vorn mitmischt, ist das ATCA-Dual-Prozessor-Board AT8000 mit Dual-Sockel für Intels Xeon-Prozessor (2 GHz).

In diesem Jahr bringt Kontron als erstes Unternehmen mit EPIC/CE ein Board für den ebenfalls 2004 vorgestellten Formfaktorstandard EPIC auf den Markt. EPIC liegt zwischen PC/104-Plus und EBX. Das EPIC/CE unterstützt dank PCI-zu-ISA-Brücke als einziges EPIC-Board sowohl PC/104 als auch PC/104plus und bietet größte Flexibilität für die zahlreichen verfügbaren I/O-Module.

2005 wird Kontron Premier-Mitglied der „Intel Communications Alliance“ (ICA) – Intels Partnerprogramm für Embedded-Computer-Hersteller.

2006 wird die Interessengruppe E2Brain (Embedded Electronic Brain) gegründet. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung von RISC-basierenden COMs.

Wachstum durch Business Units

2008 übernimmt Kontron den Geschäftsbereich Rackmount Server von Intel und erhält einen Intel-Award für „Most Innovative Standard-based Small Form Factor (SFF)“.

2010 übernimmt Kontron die US-amerikanische AP Labs-Gruppe. AP Labs gilt als einer der führenden Systemintegratoren in den Bereichen Avionik und Verteidigung.

2013 nimmt Kontron eine Restrukturierung und Konsolidierung des Unternehmens vor mit dem Ziel, durch Business Units den global segmentierten Markt zu adressieren und einheitlich als ein Unternehmen zu agieren. Die Zahl der Lieferanten wird reduziert und das Produktsortiment gestrafft. Maßnahmen aus „New Kontron“ werden eingeführt, um Einsparungs-, Optimierungs- und Synergieeffekte zu erzielen.

2014 gründet Kontron seine weltweite Zentrale in Augsburg und verlagert die Niederlassungen Eching, Kaufbeuren, Roding und Ulm nach Augsburg und Deggendorf.

2015 wird das „Internet der Dinge Cloud Data Center und Forschungslabor“ in Malaysia eröffnet. Kontron erweitert das Hardware-Produktportfolio um Software, macht seine Hardwaretechnologie auch mit Software IoT-fähig und wird dadurch zu einem der 20 vielversprechenden HPC-Lösungsanbieter des Magazins CIO Review gewählt.

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