Suchen

Dodd-Frank-Gesetz und Co

Konfliktmineralien – Wem hilft die Regulierung wirklich?

Seite: 3/3

Firma zum Thema

Die USA rücken jedenfalls vom Artikel 1502 ab. Ende Januar ordnete der Leiter der US-Börsenaufsicht United States Securities and Exchange Commission (SEC), Michael Piwowar, eine Überprüfung an, ob eben jener Artikel noch „angemessen“ sei. „Die Nachweispflicht hat einen faktischen Boykott von Mineralien aus Teilen Afrikas herbeigeführt“, erklärte Piwowar in einem Statement.

„Legitime Bergbauakteure sind zur Regeleinhaltung so hohen Kosten ausgesetzt, dass sie in den Ruin getrieben werden. Es ist auch nicht klar, ob die Regel überhaupt die Macht und Kontrolle bewaffneter Banden verringert oder das Leid unschuldiger Männer, Frauen und Kinder im Kongo gelindert hat“, fügte er weiter an.

Bildergalerie

Der Debatte vorausgegangenen war ein Dekret-Entwurf von US-Präsident Donald Trump. Der Entwurf sieht vor, aus „humanen Gründen“, den Dodd-Frank-Act vorübergehend für zwei Jahre auszusetzen.

Das Lohnniveau sinkt gravierend

Diesbezüglich muss aber auch auf das Verhältnis zwischen Wirkungsgrad und Aufwand hingewiesen werden: Die Kosten der Einhaltung von Artikel 1502 werden von Piwowars Börsenaufsicht auf 200 Millionen US-$ pro Jahr geschätzt. Die Einführung habe rund vier Milliarden US-$ verschlungen.

Bei ausbleibendem Erfolg und zum Teil sogar sich negativ entwickelten Szenarien, ist es nicht verwunderlich, dass über die Fortführung debattiert wird. Zumal nicht nur die Unternehmen die finanziellen Folgen zu spüren bekommen. Zwar finden sich mittlerweile mehr geschützte und konfliktfreie Minen in den Bürgerkriegsprovinzen, aber ihnen fehlt der freie Zugang zum Markt.

Die größten Abnehmer sind gegenwärtig Händler aus dem asiatischen Raum, die sich weder an den Dodd-Frank-Act halten müssen noch wollen. Die wenigen Unternehmen, die dem Dodd-Frank-Act unterworfen sind und weiter Mineralien aus dem Kongo beziehen, wälzen die Kosten auf ihre kongolesischen Lieferanten um. Diese wiederum holen die Mehrkosten durch die Ausbeutung der Schürfer wieder rein.

Schlagzeilen machte hierbei exemplarisch die kongolesische Firma MMR. Diese hat von der Regierung ein Exportmonopol für konfliktfreies Coltan erhalten. MMR drückt durch seine Monopolstellung massiv die Preise, während der Staat die Konkurrenz im Keim erstickt – oftmals auch mit Gewalt.

Wie negativ die wirtschaftliche Entwicklung für die Kongolesen tatsächlich verläuft, offenbart ein Vergleich der Vergütung. Gegenwärtig wird den Minenarbeitern für ein Kilogramm Coltan rund 20 US-$ bezahlt. Vor zehn Jahren konnte ein Schürfer für die gleiche Menge noch 200 Prozent mehr verdienen.

(ID:44697142)