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Vehicle-to-X Kommunikative Autos testen die intelligente Autobahn der Zukunft

| Redakteur: Peter Koller

Auf der electronica in München haben hochrangige Vertreter von NXP, Siemens, Honda und aus der Politik heute (Dienstag) den Startschuss für eine großangelegte Testfahrt mit vernetzten Autos gegeben.

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Vertreter der beteiligten Projektpartner geben auf der electronica den Startschuss der Testfahrt mit den Communicating Cars
Vertreter der beteiligten Projektpartner geben auf der electronica den Startschuss der Testfahrt mit den Communicating Cars
(Kalle Singer)

Die „Communicating Cars“-Initiative will die Alltagstauglichkeit und den Praxisnutzen intelligenter Verkehrssysteme auf den Straßen Europas demonstrieren und führt entlang des geplanten „ITS Korridors“ durch Deutschland, Österreich und die Niederlande. Weitere Partner der Fahrt sind Cohda Wireless, TÜV Süd und die Automobilclus AvD und ANWB.

Nach Studien des Centre for Economics and Business Research (Cebr) und der Europäischen Kommission können in Europa durch intelligente kooperative Verkehrslösungen jährlich tausende Verkehrstote vermieden werden. Alleine in Deutschland wären vergangenes Jahr demnach rund 1000 Menschen weniger im Straßenverkehr tödlich verunglückt. Zudem würden die Systeme Stauzeiten verringern und damit die wirtschaftlichen und ökologischen Schäden durch den Verkehr minimieren helfen. 2013 lag der durch Staus verursachte wirtschaftliche Schaden in Europa bei rund 7,4 Milliarden Euro.

Ergänzendes zum Thema
Cooperative ITS Corridor Rotterdam – Frankfurt/M. – Wien

Ab 2015 soll die straßenseitige kooperative Infrastruktur für die ersten Anwendungen im Cooperative ITS Corridor Rotterdam – Frankfurt/M. – Wien aufgebaut werden, so das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur. Dies geschieht in enger Kooperation der EU-Mitgliedstaaten Niederlande, Deutschland und Österreich, die dazu ein Memorandum of Understanding unterzeichnet haben. Die Einführung des Korridors ist mit der Industrie abgestimmt, die angekündigt hat, ebenfalls ab 2015 erste Fahrzeuge und telematische Infrastruktur auf den Markt zu bringen, die kooperative Dienste ermöglichen.

In dem Projekt sollen zunächst zwei kooperative Anwendungen zum Einsatz kommen:

  • Baustellenwarnung: Verkehrszentralen/fahrbare Absperrtafeln übertragen Baustellenwarnungen und -informationen in die Fahrzeuge.
  • Verkehrslageerfassung: Fahrzeuge übertragen Information über die aktuelle Verkehrslage an die Verkehrszentralen.

Für Aufsehen sorgten die Verkehrsminister von Deutschland, Österreich und den Niederlanden 2013, als sie ankündigten, einen ITS Korridor (ITS: Intelligent Transport Systems) quer über die Landesgrenzen einzurichten, um intelligente Verkehrssteuerung pan-europäisch voranzutreiben und einzuführen. Auf dem Korridor werden kooperative intelligente Verkehrsdienste in einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Ministerien, Autobahnbetreibern und der Fahrzeugindustrie umgesetzt.

NXP hat als Wegbereiter sogenannter V2X-Lösungen nun die „Communicating Cars“ Initiative ins Leben gerufen mit verschiedenen Testfeldern in den ITS Korridor-Ländern Deutschland, Österreich und den Niederlanden. NXP liefert dafür die Chipsätze inklusive Software für die vernetzten Fahrzeuge und sorgt zudem mit Hardware-Sicherheitselementen für die Abhör- und Manipulationssicherheit der Kommunikation; Siemens stellt die intelligente Infrastruktur bereit und stattet Verkehrsleitsysteme, Verkehrsschilder, Straßenwetterinformationssysteme, Verkehrsampeln und (Wander-) Baustellensysteme mit Cooperativen V2X-Modulen aus.

Die Abkürzung V2X steht für die drahtlose Kommunikation Vehicle-to-Vehicle (kurz V2V) und Vehicle-to-Infrastructure (kurz V2I). Die Fahrer in den Demo-Fahrzeugen erkennen über die direkte Kommunikation mit anderen V2X-fähigen Fahrzeugen und den intelligenten Infrastrukturelementen vorausschauend, wo das nächste Verkehrshindernis lauert, die Straße gefährlich rutschig ist, ein unvorhergesehener Stau droht, ein Krankenwagen sich nähert oder eine Baustelle anfängt – lange bevor die Gefahren tatsächlich in Sichtweite des Fahrers gelangen.

V2X ergänzt mit diesen Funktionen bestehende Fahrerassistenzsysteme wie Kameras und Radar. Auch empfangen die V2X-fähigen Fahrzeuge Informationen von intelligenten Verkehrszeichen und stellen sich auf den Schaltzyklus von Ampeln ein, bevor sie die Kreuzung erreichen. Durch all diese Möglichkeiten kann der Verkehr sehr viel sicherer und flüssiger werden, als er heute ist.

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V2X Kommunikation ist nicht auf Mobilfunk- oder andere Netze angewiesen, die langsam oder instabil sein können, sondern basiert auf IEEE 802.11p, einem Funkstandard, der dem WLAN verwandt und speziell auf die Anforderungen der Automobilindustrie zugeschnitten ist. Durch die direkte Verbindung der Verkehrsteilnehmer und Infrastruktur wird eine verzögerungsfreie und geschützte Übertragung der Verkehrs- und Fahrzeugdaten erreicht.

Technologiedemonstration auf dem ITS Korridor

Die „Communicating Cars“ Demotour führt mit Honda-Fahrzeugen über München (11. und 12. November auf der NXP/Siemens-Teststrecke rund ums Münchner Messegelände) nach Wien (17. November mit Probefahrt durch das Siemens ITS Telematik-Testfeld), Ziel sind schließlich die holländischen Testfelder Rotterdam und Helmond (19. November).

Kurt Sievers, Geschäftsführer von NXP Germany GmbH, erläutert: „Erstmals können wir mit der "Communicating Cars"-Initiative direkt auf europäischen Straße zeigen, dass die V2X-Technologie heute ausgereift und zuverlässig bereit steht, um den Verkehrsfluss zu verbessern und unsere Straßen deutlich sicherer zu machen. Wir bei NXP sind mit unserer Entwicklungsarbeit weit in Vorleistung gegangen und sind mit unserem Produkt RoadLINK Komplettanbieter für den V2X-Chipsatz inklusive Hardware-Sicherheitselement für den Datenschutz.“

Wilke Reints, Leiter Forschung und Entwicklung der Siemens Einheit Intelligent Traffic Systems ergänzt: „Die Vision einer intelligenten Straßenverkehrsinfrastruktur ist bereits heute technisch umsetzbar. Dank vernetzter Ampeln, Verkehrsschilder oder Baustellen kann die Straße Verkehrshinweise, Beschränkungen und Warnungen in das Fahrzeug kommunizieren. Der Verkehr wird sicherer und Stauzeiten minimiert.“

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