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Kommentar: Auf der Suche nach dem flächendeckenden Mobilfunk

Redakteur: Michael Eckstein

Neulich, im ICE zwischen München und Freiburg. Oder: Wie mangelhafter Mobilfunk mobiles Arbeiten madig macht. Und Zweifel am erforderlichen weiträumigen 5G-Ausbau sät.

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Mann am Mast: Wo ist er nur, der (5G-)Mobilfunk?
Mann am Mast: Wo ist er nur, der (5G-)Mobilfunk?
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Was 5G nicht alles können soll! Bereits LTE war ja schon so schnell, dass die Webseite bereits geladen war, bevor man auf den zugehörigen Link geklickt hat. So ähnlich suggerierte es zumindest die Werbung. Ha! Und jetzt erst 5G! Bis zu 20-mal schneller als das schnellste LTE mit 1 GBit/s! Videos sind schon auf das Smartphone heruntergeladen, bevor man überhaupt weiß, was man schauen will! Und das mobile Büro ist ja jetzt auch immer und überall dabei, komfortable Cloud-Services sowieso.

Wie weit Werbung und Wirklichkeit bei Mobilfunkangeboten auseinander liegen, zeigt die harte Landung auf dem Boden der Realität. Beziehungsweise in diesem Fall auf den Gleisen der Deutschen Bahn.

Angesetzt ist eine Geschäftsbesprechung im schönen Freiburg im Breisgau. Als klimabewusster Mitarbeiter nehme ich natürlich von München aus den Zug, bevorzugt den vermeintlich modern ausgestatteten ICE. Schließlich will ich die gut 5 Stunden Fahrzeit nutzen, um zu arbeiten.

Nimm das, WLAN: Ich habe ja noch mein Smartphone!

Schon außen auf den Türen begrüßen mich freundlich die aufgeklebten Wi-Fi-Zeichen. Klasse! Das verspricht unkomplizierten Internetzugang. Also Laptop aufgeklappt und flugs ins bordeigene WLAN eingeklinkt. Das … dauert … schon mal … unerwartet lange. Eine ungute Vorahnung macht sich breit. Jetzt nicht verrückt machen lassen. Also den Citrix-Client gestartet, um per VPN auf das Firmennetzwerk zuzugreifen. Flugs sind die Zugangsdaten eingegeben. „Desktop wird gestartet“. Na also! Der Bildschirm wird hellblau, der Windows-Kringel dreht sich. Und dreht sich. Und dreht sich. Nach 5 Minuten zeigt sich immerhin schon einmal die Taskleiste. Auf meine ungeduldigen Klicks reagiert sie noch nicht. Nach 10 min breche ich das Experiment ab.

Ok, nimm das, WLAN: Ich habe ja noch mein Smartphone. Schnell steht der mobile Hotspot, und das Notebook verbindet sich problemlos. Zumindest mit dem Telefon. Danach ist Schluss. Keine Internetverbindung. 5 km weiter klappt es plötzlich: 4G, Vollausschlag! Der Citrix-Desktop lädt, auch den Explorer kann ich starten. Plötzlich: Desktop ausgegraut, Verbindung abgebrochen. Nach einigen weiteren Versuchen gebe ich auf. An effizientes Arbeiten ist nicht zu denken.

Immerhin kann ich lokal auf dem Rechner genervt einen Kommentar schreiben.

EDGE? Richtig müsste es heißen: „Ääätsch!“

Später in Freiburg. Nach dem Meeting geht es noch gemeinsam in eine typische Straußenwirtschaft – quasi die badische Variante des bayerischen Biergartens. Sie liegt kaum 10 km außerhalb des Stadtzentrums. Das Smartphone sucht permanent nach einem Netz. Das erkennt man daran, dass die Batteriekapazität erschreckend schnell schrumpft, obwohl man nichts tut.

Trotzdem will ich eine kurze SMS schicken. Netzsuchend streife ich mit hochgestrecktem Arm zwischen den Tischen und verwirrt schauenden Gästen umher. Manchmal zeigt sich verschämt ein „E“ für „EGDE“ im Statusbalken des Smartphones. Richtig müsste es heißen: „Ääätsch!“. Die phonetische Verwandtschaft beider Ausdrücke kommt vermutlich nicht von ungefähr.

Da! Weg von der Terrasse, hinterm Haus am Parkplatz, gibt es immerhin einen Balken 3G. Die Kollegen sind bereits beim zweiten Wein, als ich immerhin meine kurze Textnachricht versendet habe. Wofür überweise ich noch einmal 70 Euro im Monat an meinen Mobilfunk-Provider?

Mobilfunk-Flickschusterei bremst Zukunftstechnologien aus

Die beschriebenen Erfahrungen aus dem Consumer-Bereich lassen nichts Gutes ahnen für aufstrebende industrierelevante 5G-Angebote. Der Netzausbau, der schon bei LTE, UMTS und selbst GSM nicht flächendeckend geklappt hat, soll jetzt innerhalb weniger Jahre für 5G funktionieren? Solange der Gesetzgeber die Provider nicht knallhart dazu verpflichtet, wird das nicht passieren. Dann werden aber auch moderne Mobilitäts- und Industrie-4.0-Konzepte neben vielen anderen Zukunftstechnologien, mit denen sich Deutschland profilieren will – und mit denen wir unsere alternden Industriezweige renovieren oder ersetzen müssen – im Keim ersticken und bestenfalls in wenigen Vorzeigeregionen funktionieren. Für den Hightech-Standort Deutschland wäre das eine Blamage.

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